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Ahrenshoop – Badeort und Künstlerkolonie an der Ostsee

Angefangen hat in Ahrenshoop alles mit der Kunst. Denn ein paar Maler waren es, die den kleinen Fischerort auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst um 1889 entdeckten – das Licht und die Weite der Landschaft beeindruckten sie so tief, dass sie 1892 die Künstlerkolonie Ahrenshoop begründeten. Heute – 125 Jahre später – spielt die Kunst immer noch eine große Rolle im Ort. Konkurrenz macht ihr allerdings der Ostseestrand.

Ahrenshoop und seine Maler

Die Maler, die Ahrenshoop berühmt machten, hießen Paul Müller-Kaempff und Elisabeth von Eicken, Friedrich Wachenhusen und Heinrich Schlotemann, Fritz Grebe, Theobald Schorn und Hugo Richter-Lefensdorf. Sie alle  bauten sich Häuser im Dorf, eröffneten Malschulen und saßen fortan regelmäßig mit ihren Staffeleien in der Landschaft. Einige der eindrucksvollen Landschaftsgemälde von Paul Müller-Kaempff kann man in der Privatgalerie im Romantik-Hotel Namenlos & Fischerwiege sehen – Fans bekommen dort alljährlich auch einen liebevoll zusammengestellten Kunstkalender.

Viele Künstler kamen regelmäßig

Die Künstlerkolonie Ahrenshoop brachte nicht nur Berühmtheiten hervor, sondern lockte sie auch an. Käthe Miethe zum Beispiel, die viele Gedichte über die Region geschrieben hat, wohnte im Ortsteil Althagen, der Grafiker Fritz Koch-Gotha, dessen wohl berühmtestes Werk „Die Häschenschule“ viele Kinder auch heute noch kennen, ebenfalls. Und auch der Brücke-Maler Erich Heckel und der Bildhauer Gerhard Marcks liebten die Gegend und lebten zeitweise hier.

Futuristisch: das neues Kunstmuseum

Im neuen Kunstmuseum Ahrenshoop kann man Werke vieler der Ahrenshooper Künstler sehen. Ein Besuch lohnt sich auch wegen des futuristischen Gebäudes selbst: Der Komplex besteht aus fünf Häusern mit einem dazwischen gespannten Flachdach, die Fassade ist mit Tafeln aus Baubronze überzogen und deshalb ein Blickfang. Adresse: Weg zum Hohen Ufer 36, gApril bis Oktober tgl. 11-18 Uhr, November bis März Di-So, 10-17 Uhr, Eintritt 8, erm. 3 Euro. Noch bis 8. Oktober 2017 läuft hier die Ausstellung „125 Jahre Künstlerkolonie Ahrenshoop“.

Malschule und Kunstkaten

Zeitgenössische Kunst zeigt das Neue Kunsthaus Ahrenshoop am Bernhard-Seitz-Weg 3a, hier können auch Stipendiaten der von Paul Müller-Kaempff begründeten Ahrenshooper Malschule Haus Lukas ihre Werke ausstellen. Bekannt ist außerdem der himmelblaue Kunstkaten, der schon 1909 als Ausstellungsort eröffnet wurde – entworfen haben ihn die Maler Paul Müller-Kaempff und Theobald Schorn. Das Gebäude verströmt noch ein bisschen von der Atmosphäre der Künstlerkolonie-Zeit (Strandweg 1, geöffnet tgl. 10-13 und 14-18 Uhr).

Mehr als Kunst

Wer das etwa 45 Kilometer von Rostock entfernte Ahrenshoop besucht, sollte sich natürlich Zeit nehmen für die Kunst. Aber der Ort bietet noch viel mehr. Etwa Bauwerke wie das Künstlerhaus Lukas und andere reetgedeckte Fachwerkhäuser, die mit viel Liebe zum Detail hergerichtet wurden – viele davon sind Baudenkmale.

Traumhafter Sandstrand

Weitere Attraktionen sind die 1951 erbaute hölzerne Schifferkirche mit Reetdach, der Friedhof, auf dem die Gräber einiger der Künstler liegen, das Waldstück Ahrenshooper Holz, der Hafen Althagen mit seinen auffälligen braunen Zeesboten und das 18 Meter hohe Steilufer gehören dazu. Der Strand natürlich auch, der breit und feinsandig ist und im Sommer zum wichtigsten Ort des Städtchens wird.

Spaziergang zum Darßer Ort

Wer gut zu Fuß ist, kann von hier die zwölf Kilometer bis zum Leuchtturm am Darßer Ort zurücklegen – ein sehr reizvoller Spaziergang, der anstrengender ist, als man vermuten würde. Und der Strand, der auf Höhe von Ahrenshoop meist flach abfallend und sanft ist, wird ein Stück weiter richtig wild. Denn an einigen Stellen reicht der Darß-Wald bis fast ans Wasser. Überall liegen salzwasser- und sonnengegerbte Baumskelette, was der Landschaft eine wildromantische Atmosphäre verleiht.

Viele Hotels mit Strandblick

Nach der Wende sind Ahrenshoop und den Ortsteilen Alt- und Niehagen viele Hotels und Pensionen entstanden, die meisten davon in Reetdachhäusern. Auffälligster Hotelbau ist das Kurhaus, das offiziell The Grand heißt und 2009 eröffnet wurde (Info: the-grand.de). Auch die Auswahl an Restaurants ist groß, die Preise allerdings übersteigen gelegentlich die Qualität.

Besuch in der Bunten Stube

Entlang der Hauptstraße liegen viele Geschäfte, einige bieten Kunst und Kunsthandwerk an. Zu den ungewöhnlichsten Läden gehört die Bunte Stube (Foto), die Bücher (viele davon mit Ahrenshoop-Bezug), Keramik, Kleidung, Kunstdrucke und vieles mehr anbietet und ein perfekter Ort zum Stöbern ist. Das rundliche rote Gebäude mit der geschwungenen blauen Aufschrift „Bunte Stube“ ist aber auch selbst sehr sehenswert (Dorfstraße 24, sehr unterschiedliche Öffnungszeiten).

So klingt das Fischland

Wer gerne hören will, wie das Fischland klingt, der sollte außerdem die Klanggalerie „Das Ohr“ besuchen. Der Musiker Lutz Gerlach lädt regelmäßig zu Konzerten ein (Hans-Brass-Weg 2, Infos über den Künstler: lgm-records.de), und seine sanften Klänge sind Balsam fürs Ohr.

Ahrenshoop – Tipps

Anreise: A 19 bis Rostock, B105 bis Altheide, dem Schild „Fischland-Darß-Zingst“ folgen

Tourismusverband: fischland-darss-zingst.de

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