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Auf den Spuren der Berliner Mauer

Etwa 155 Kilometer lang war das Bauwerk, das einst West-Berlin umschloss – 43,1 Kilometer der Berliner Mauer teilten die Stadt in Ost und West. Ein unmenschliches Bollwerk von 3,60 Metern Höhe, das Straßen zerschnitt und Menschen trennte – und mit 302 Beobachtungstürmen, Schussanlagen, Stacheldraht und Flutlicht gesichert war. 133 Menschen starben zwischen 1961 und 1989 beim Fluchtversuchen. 2019 jährt sich der Fall der Mauer zum 30. Mal und am 3. Oktober feiert Deutschland zum 29. Mal den Tag der Einheit. Grund genug, sich den Spuren des Bollwerks mal zu widmen.

Geschichte der Berliner Mauer

Los geht der Spaziergang, den man auch gut mit dem Fahrrad machen kann, am Checkpoint Charlie, dem berühmtesten Grenzübergang, der früher nur von ausländischen Touristen, Diplomaten und West-Alliierten genutzt werden durfte. Nebenan informiert das Museum Haus am Checkpoint Charlie über die Geschichte der Mauer. 

Wir biegen links in die Zimmerstraße ein – direkt auf das runde Gebäude des Asisi-Panoramas zu. Innen kann man sich an einen Herbsttag in den 1980er Jahren in Berlin-Kreuzberg versetzen lassen. Hier stehen Wagenburgen, dort trifft man Punks. Nur ein kleines Stück entfernt liegt der Todesstreifen. Und dahinter eine ganz andere Welt. Das Panorama ist eine 360-Grad-Projektion, die Yadegar Asisi, der in der DDR aufgewachsen ist und seit 1978 in West-Berlin lebte, erschaffen hat.

Alter Wachturm an der Erna-Berger-Straße

Über die Wilhelmstraße geht es vorbei an Mauerresten in der Niederkirchnerstraße rechts in die Stresemannstraße. Bald zweigt die Erna-Berger-Straße ab, in der ein fast vergessener pilzförmiger Wachturm an die Mauerzeiten erinnert. Auch ein paar “Vorfeldsicherungslampen” sind erhalten.

Weiße Kreuze erinnern an die Toten

Wir gehen zurück auf die Stresemannstraße und überqueren die Leipziger Straße. Immer weiter geht es auf der Ebertstraße, vorbei am eindrucksvollen Holocaust-Mahnmal, zum Brandenburger Tor. An der Ecke Scheidemannstraße stehen weiße Kreuze mit Namen von Opfern der Mauer. Hinter dem Reichstagsgebäude – hier verlief einst die Mauer – geht es weiter. Am Reichstagsufer finden wir weitere weiße Kreuze.

Hier hat sich das Stadtbild so verändert, dass man den Grenzverlauf nur noch ahnen kann. Auf dem Marie-Elisabeth-Lüders-Steg queren wir die Spree und halten uns links. Bald taucht rechts das “Parlament der Bäume” (Foto) auf, eine Installation, die der Künstler Ben Wargin 1990 auf dem einstigen Grenzstreifen aus Mauersegmenten schuf. Granitplatten nennen die Namen von Maueropfern.

Gedenkstein für Günter Litfin

Weiter geht es auf dem Schiffbauerdamm und dem Kapelle-Ufer, dann rechts auf die Straße Alexanderufer. Dort passieren wir Humboldthafen und Charité und stoßen auf die Sandkrugbrücke. Hier fand sich einst der Grenzübergang Invalidenstraße. Am westlichen Ufer erinnert ein Stein an Günter Litfin, der am 24. August 1961 auf der Flucht starb – das erste Opfer gezielter Schüsse. Ein Stück entfernt, zu erreichen auf der Promenade rechts neben dem Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal, wird in einem Wachturm an Litfin erinnert. Auf dem Weg dorthin kreuzen wir den Invalidenfriedhof, auf dem für den Mauerbau viele Gräber eingeebnet wurden. Teile der Hinterlandmauer und der Postenweg blieben nach dem Mauerfall erhalten.

Dokumentationszentrum Bernauer Straße

Vorbei am schon erwähnten Wachturm mit der Litfin-Gedenkstätte (geöffnet Mai bis September, Sa/So, 10-16 Uhr) geht es in die Kieler Straße, rechts in die Scharnhorststraße, dann links auf der Habersaath- in die Chausseestraße, in die wir rechts abbiegen und die wir an der Zinnowitzer Straße wieder verlassen. Am Nordbahnhof finden sich Mauerreste, hinter der Ackerstraße blieb ein längeres Stück stehen – als Teil des Dokumentationszentrums Berliner Mauer. Vom Turm des Museumsgebäudes aus überblickt man das einstige Sperrgebiet, das in Teilen erhalten blieb. Im einstigen Todesstreifen erinnert seit 2000 die Kapelle der Versöhnung an die 1985 gesprengte Versöhnungskirche. Altar und Glocken konnten gerettet werden.

Entlang der Bernauer Straße, in der einst die Fenster der Häuser auf östlicher Seite zugemauert wurden, weil die Bürgersteige schon zu West-Berlin gehörten, und die durch viele Fluchtversuche traurige Berühmtheit erlangte, wandern wir zum Mauerpark. 

Gedenktafeln an der einstigen Berliner Mauer

Unterwegs erinnern Tafeln an geglückte und misslungene Fluchten. Etwa an der Ecke Strelitzer Straße, wo 57 Menschen am 3. und 4. Oktober 1964 durch einen 140 Meter langen Tunnel in den Westen flohen. An der Bernauer Straße 78 entkamen auf ähnliche Weise 29 Flüchtlinge. Berühmt wurde der Polizist Conrad Schumann, der am 15. August 1961 an der Ecke Ruppiner Straße über Stacheldrahtrollen in die Freiheit sprang – was auf einem legendären Foto festgehalten wurde. Eine Tafel ist Ida Siekmann gewidmet. Die 58-Jährige sprang am 22. August 1961 aus dem dritten Stock auf den zu West-Berlin gehörenden Gehweg und starb. Ein Findling an der Swinemünder Straße trägt die Namen von zehn Menschen, die ihren Fluchtversuch mit dem Leben bezahlen mussten.

Wir erreichen den Mauerpark. Das Gelände des Alten Nordbahnhofs war ab 1961 Grenzgebiet. Seit dem Fall der Berliner Mauer ist es Grünfläche und wurde 1994 vom Landschaftsarchitekten Gustav Lange zum Park gestaltet. An der Hinterlandmauer zum Jahnstadion üben heute Graffitikünstler. Wir wandern (Fußlahme kürzen mit der Tram 10 bis Nordbahnhof ab) – zum U-Bhf. Zinnowitzer Straße und fahren mit der U 6 zurück.

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