Berliner Philharmoniker: Wohltat für die Ohren

Berliner Philharmoniker
Berliner Philharmoniker

Die Philharmonie in Berlin gehört für mich zu den ganz besonderen Orten. Was nicht nur an der eindrucksvollen Architektur liegt. Sondern vor allem am Wohlklang, für den sie berühmt ist. Die Berliner Philharmoniker gelten zu Recht als eines der besten Orchester der Welt. Und wer den Musikern beim Spielen zusieht, der spürt ihre Begeisterung und Leidenschaft. Und diese Hingabe, die nur jene empfinden, die genau das tun, was sie am meisten lieben.

Berliner Philharmoniker vom Podium aus erleben

Ein ganz besonderer Genuss ist es für mich, ein Konzert von einem der Podiumsplätze aus zu hören. Weil man so dicht an den Musikern sitzt, dass man sich als Teil des Orchesters fühlt. Die Schlagwerker in der hinteren Reihe kann man dabei beobachten, wie sie von einem Instrument zum anderen wechseln, erst das eine, dann das andere Paarbecken anheben, vor die Brust halten, die Arme nach oben bewegen und die beiden Messingteller dann im richtigen Moment gegeneinander schlagen.

Auch dem Dirigenten kann man aus dieser Perspektive wunderbar zusehen – einem Großteil des Publikums dreht er schließlich den Rücken zu.

Hans Scharouns Tal mit Weinbergen

Gute Sicht und wunderbaren Klang erlebt man allerdings von überall, was daran liegt, dass in der Philharmonie die Bühne der Mittelpunkt ist und sich die Sitze drumherum verteilen. Der Architekt Hans Scharoun dachte dabei von innen nach außen und beschrieb den Entwurf als „Tal, auf dessen Sohle sich das Orchester befindet, umringt von den ansteigenden Weinbergen“ der Zuschauerblöcke. Drei miteinander verschränkte Fünfecke symbolisieren das Zusammenspiel aus Raum, Musik und Mensch – im Logo des Orchesters sind sie ebenfalls zu sehen.

Der „Zirkus Karajani“ wurde 1963 eröffnet

Ein bisschen erinnert die Architektur der Philharmonie an einen Zirkus, was die Berliner gleich nach der Eröffnung des Komplexes im Jahr 1963 dazu veranlasste, ihm den Spitznamen „Zirkus Karajani“ zu geben. Damit ehrten sie ganz nebenbei den langjährigen Chefdirigenten Herbert von Karajan.

Ein Bauwerk mit vielen Details

Wer die Philharmonie zum ersten Mal betritt, staunt über die unzähligen Balkone, Treppen, Galerien und Brücken, über die farbigen Glasfenster und die Mosaiken im Fußboden. Im Foyer fühlt man sich manchmal wie in einem riesigen Schiff.

Führung durch das Gebäude

Es lohnt sich, mal bei einer Führung durch das Bauwerk teilzunehmen. Denn sie gibt auch Einblicke in einige der sonst eher verborgenen Bereiche. Führungen finden täglich um 13.30 Uhr statt (allerdings nicht am 24. bis 26. sowie am 31. Dezember und am 1. Januar). Treffpunkt ist am Künstlereingang (Pförtner) der Philharmonie, den man über den Parkplatz erreicht. Die Teilnahme kostet fünf (erm. 4) Euro, Schüler haben freien Eintritt.

Ein Orchester mit berühmten Chefdirigenten

Nach dieser Vorbereitung ist es Zeit für die Musik. Und das Orchester, das am 1. Mai 1882 gegründet wurde. Vier Tage später gab es das erste Konzert. Was danach kam, ist legendär. Die Musiker, die sich schon vor der Gründung selbständig gemacht und auf eigene Füße gestellt hatten, suchten sich weltberühmte Chefdirigenten – Hans von Bülow und Arthur Nikisch, Wilhelm Furtwängler und Herbert von Karajan, Claudio Abbado und – noch bis 2018 – Sir Simon Rattle (siehe Foto oben). Sein Nachfolger Kirill Petrenko hat erst vor wenigen Wochen seinen Vertrag unterschrieben.

Viele Gastdirigenten

Das musikalische Spektrum der Philharmoniker ist unbegrenzt, die Zahl der Gastdirigenten und Solisten hoch. Man kann zweimal das gleiche Stück mit unterschiedlichen Dirigenten hören – und es fühlt sich jedes Mal anders an. Weil jeder es auf seine Weise interpretiert.

Klänge, die die Natur nachahmen

Von den Podiumsplätzen aus sind Konzerte wie zum Beispiel das wunderschöne Stück „Eine Alpensinfonie“ von Richard Strauss der pure Genuss. Weil man nicht nur hören, sondern dabei zusehen kann, wie die Instrumente die Natur nachahmen – Vogelgesang und Gewitter, Regen und sogar die Weite können sie so darstellen, dass man sich ganz schnell selbst auf den Berg versetzt fühlt.

Lieblingskomponisten und Entdeckungen

Jeder hat seine Lieblingswerke und –komponisten. Ich liebe Bach (natürlich – wer tut das nicht?) und Bruckner, Mahler, Schostakowitsch, Ravel und Mendelssohn Bartholdy – aber wenn ich so darüber nachdenke, kommen noch einige mehr dazu. Auch mal Entdeckungen wie Peteris Vasks oder Maurice Duruflé. Und dann gibt es Werke wie das herzzerreißend traurige und zugleich Hoffnung spendende „Adagio for Strings“ von Samuel Barber, die man auch beim zehnten Hören noch liebt.

Konzerte von der Couch aus hören: die Digital Concert Hall

Auch online sind die Berliner Philharmoniker ganz vorne. Seit 2008 gibt es die Digital Concert Hall – die Möglichkeit, einen Großteil der Konzerte am Computer live (oder später aus dem Archiv) mitzuerleben. So mancher Fan schaut sich die Aufführung seither zweimal an – einmal im echten, einmal im digitalen Konzertsaal. Die Kameras fahren ganz dicht an die Musiker heran und ermöglichen so einen ganz anderen Blick auf die Konzerte.

Tickets für eine Woche oder im Jahres-Abo

Zum Ausprobieren gibt es das Sieben-Tage-Ticket für 9,90 Euro, man kann aber auch ein Monats-Ticket (19,90 Euro) oder gleich ein Jahres-Abo (14,90 Euro pro Monat) wählen. Und hat nicht nur Zugang zu unzähligen Konzerten, sondern auch zu Interviews und vielen Filmen, darunter „Trip to Asia“, der die Philharmoniker bei einer Asien-Tournee begleitet.

Die Berliner Philharmoniker in der Matthäus-Passion

Mein Tipp für die Weihnachtstage: die wunderbare Matthäus-Passion von Bach in der Inszenierung des amerikanischen Theaterregisseurs Peter Sellars. Die Philharmoniker sitzen in dieser halbszenischen Inszenierung zusammen mit den Sängern des Rundfunkchors Berlin, den Knaben des Staats- und Domchores Berlin und den Solisten Mark Padmore, Christian Gerhaher, Camilla Tilling, Magdalena Kozena, Topi Lehtipuu und Thomas Quasthoff auf der Bühne. Großartig!


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