Entspannen, Genießen, my little luxury

Carpe Diem – kleiner Luxus, ganz groß

Der Gedanke ist beinahe zu schön, um wahr zu sein: Ein ganzer langer Tag ohne Aufgaben, To-Do-Listen und „du musst“ – ein Tag nur für mich. Zeit, die Aufforderung „Carpe Diem“ mal wörtlich zu nehmen. Ein kleiner Luxus, der sich viel größer anfühlt.

Carpe Diem: Pflücke den Tag

Neu ist “Carpe Diem” nicht – im Gegenteil: Der antike Dichter Horaz schrieb um 23 v. Chr. (!) in seiner Ode “An Leukonoë” den Satz “Carpe Diem quam minimum credula postero”. Wörtlich übersetzt bedeutet er “Pflücke den Tag und vertraue möglichst wenig auf den folgenden”.

Im Augenblick leben

“Pflücken” heißt so viel wie “genießen”, und damit meint “Carpe Diem” etwas ganz anderes als die weit verbreitete Übersetzung „Nutze den Tag“, die so gerne als Aufforderung verstanden wird, den Tag möglichst effektiv einzuteilen, um noch mehr zu schaffen und ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Nein, es geht vielmehr darum, die knappe Lebenszeit zu genießen. Nicht an morgen zu denken, sondern im Augenblick zu leben. Nur: Das ist gar nicht so leicht, weil einem ständig einfällt, was man eigentlich alles heute noch machen müsste. Aber man kann es ja mal versuchen…

Der Wecker hat heute frei

Zum Beispiel an einem Wochenende. Einem Tag, an dem der Wecker frei hat. Beginnen könnte er damit, von Sonnenstrahlen geweckt zu werden. Oder von Regentropfen, die eine Melodie auf die Fensterscheiben klopfen. Beides hat Vorteile – das eine treibt uns ins Freie, das andere lässt uns die Decke nochmal bis zum Hals ziehen und die Wärme darunter noch ein bisschen genießen.

Morgen ist auch noch ein Tag

Wie wunderbar – nichts drängt, nichts muss. An diesem Tag geht es mal nur um den Augenblick. Plötzlich verschwindet dieser Druck, den wir sonst so oft spüren. Der uns daran erinnern will, dass wir noch Wäsche waschen/Unkraut zupfen/einkaufen/die Steuererklärung machen/Staub wischen/das Bad putzen/durchsaugen müssen. Heute aber lassen wir all das los – morgen ist auch noch ein Tag, soll der Stress doch morgen wiederkommen. Dieser alte Bekannte. Heute verbringen wir ohne ihn.

Wir feiern das Leben

Dafür aber mit viel Muße für ein ausgiebiges Frühstück. Mit frischen Brötchen vielleicht, die ihren Duft in der Küche verbreiten. Mit Erdbeermarmelade und einem Ei vom glücklichen Huhn, mit liebevoll gedecktem Tisch, gerne auch mit Kerze. Und einem Kaffee, endlich mal nicht to go, sondern in Ruhe. Heute feiern wir das Leben.

Carpe Diem ist gar nicht so einfach

Zwischendurch vermissen wir sie manchmal, die Hektik. Wir sind so an sie gewöhnt, dass wir uns ohne sie ein bisschen verloren fühlen. Carpe Diem ist auch eine Herausforderung. Loslassen ist nämlich wirklich nicht einfach.

Ausflug ins Café oder lieber in die Sauna?

Jeder findet die Dinge, die ihn an diesem Tag glücklich machen. Ein Spaziergang in der Natur, ein Ausflug ins Café, eine Stunde im Schwimmbad, ein Saunagang oder vielleicht am Nachmittag ins Kino? Alles ist möglich, hier geht es ums Genießen. Ein solcher Tag will langsam und wohldosiert genossen werden.

Blumen gucken im Botanischen Garten

Mich zieht es an Carpe-Diem-Tagen oft in den Botanischen Garten Berlin. Dort kann man auf verschlungenen Wegen von Kontinent zu Kontinent reisen. Hier Asien und ein paar Schritte weiter Amerika, dann wieder Europa, und das alles ganz ohne Jetlag.

Der Blick öffnet sich für die kleinen Dinge

Die Natur wirkt wie ein Beruhigungsmittel. Und der Blick öffnet sich für die kleinen Dinge. Die winzige Maus, die über den Weg flitzt, die Kohlmeise, die sich auf die Hand traut und so federleicht ist, dass man sie kaum spürt. Der bunte Schmetterling, der von Blume zu Blume flattert. Die Blüten, die man erst riecht und dann sieht. Ein paar Stunden im Farbenrausch.

Carpe Diem: Sich einfach mal treiben lassen

Und danach? Zeit für einen Kaffee und ein Stück Torte, gemächliches Schlendern durch ein Buchgeschäft – mit Festlesen in irgendeinem Roman. Oder ein Teller Pasta beim Lieblings-Italiener. Es ist ein Genuss, sich treiben zu lassen durch diesen Tag. Spontan zu entscheiden, was ich tun und was ich lassen will. Ich habe die Wahl, heute bin ich die Regisseurin des Tages und genieße noch ein paar Stunden die vielen kleinen Augenblicke. Ganz ehrlich: “Carpe Diem” sollte man sich häufiger mal gönnen…

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