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Chambord – Märchenschloss an der Loire

Wer Chambord zum ersten Mal sieht, fühlt sich sofort in eine andere Zeit versetzt. Das prachtvolle Schloss an der Loire (Frankreich) mit seinen Türmchen und Zinnen könnte Kulisse für einen Märchenfilm sein. Und wer durch die Säle geht, der würde sich nicht wundern, wenn plötzlich ein König vor ihm auftauchen würde.

Der Bau von Chambord dauerte 25 Jahre

Chambord ist das größte Schloss an der Loire. Ein Riesenbau mit 440 Räumen, 84 Treppen, sechs großen Türmen und unzähligen Dächern, an dem 1800 Arbeiter insgesamt 25 Jahre beschäftigt waren. Der Bau, der im Jahr 1519 im Auftrag von König Franz I. begann, war eine Herausforderung, denn der Boden in dem Gebiet war sumpfig.

Wohnsitz für ein paar Wochen

Franz hatte sich die Gegend ausgesucht, weil es viel Wild gab. Allerdings sollte es kein Dauerwohnsitz werden. Der König blieb immer nur ein paar Wochen und nahm sämtliche Möbel danach wieder mit. Wichtig aber war ihm eines: Der Bau sollte seine Macht als König deutlich machen.

Wo der Sonnenkönig Feste feierte

Viele Könige und Berühmtheiten wohnten zeitweise auf Chambord, das in der Nähe des Ortes Blois, etwa zwei Stunden von Paris entfernt, liegt und mehrmals umgebaut wurde. Der Sonnenkönig Ludwig XIV. lud hier zu großen Festen und der polnische König Stanislaus Leszcynski wohnte während seines Exils von 1730 bis 1733 im Schloss.

Inventar verschwand während der Revolution

Im Laufe der Jahre bekamen die Steinwände Holzverkleidungen, die Böden wurden mit Parkett belegt und spektakuläre Öfen wurden aufgestellt. Leider verschwand ein Großteil des Inventars während der Französischen Revolution.

Französische Architektur, italienische Renaissance

Heute ist Chambord Staatsbesitz und Teil des Unesco-Weltkulturerbes. Einige Umbauten wurden ab 1930 rückgängig gemacht und das Schloss weitgehend in den Zustand zurückgebracht, den es zu Zeiten der Renaissance gehabt hatte – eine Mischung aus mittelalterlicher französischer Architektur und italienischer Renaissance.

Der quadratische Wohnturm (Donjon) wird von einer niedrigen Ringmauer umgeben, die an eine Festung erinnert.

Eindrucksvolle Treppe

Herzstück des Donjons ist die doppelläufige Treppe, von der vermutet wird, dass Leonardo da Vinci die Idee dazu geliefert hat. Sie besteht aus zwei ineinandergreifenden Wendeltreppen, und wenn zwei Besucher die unterschiedlichen Treppenläufe betreten, können sie sich zwar durch die Öffnungen sehen, aber sie begegnen sich nicht.

Ausprobieren lohnt sich, allerdings sehen das die meisten Besucher genauso, weshalb auf der Treppe oft viel Betrieb herrscht.

Besuch bei Ludwig XIV

Wer das Schloss besucht, sollte sich Zeit für die Säle nehmen. In der ersten Etage liegt der einstige Wohnsitz von Franz I. mit dem großen Ratssaal. Im Nordarm des Gebäudes kann man die Gemächer von Ludwig XIV besuchen und sogar einen Blick auf sein prächtiges Bett werfen.

Wo Molière seine Stücke vorführte

Die Suite der Königin im Nordturm ist im Stil des 17. Jahrhunderts eingerichtet. Im Südarm des Kreuzsaales gab es früher ein Theater, in dem der berühmte Molière seine Stücke „Monsieur de Pourceaugnac“ und „Le Bourgois gentilhomme“ vorgeführt hat.

Holzparkett und Wandteppiche

Auch einige Suiten aus dem 18. Jahrhundert kann man sehen – die Wände sind mit Teppichen besetzt oder vertäfelt, es gibt Parkett und Zwischenwände aus Holz, die die einst großen Zimmer aufteilen.

Im Westflügel gibt es eine Kapelle aus dem 17. Jahrhundert. Spektakulär sind außerdem die Gewölbedecken im kreuzförmigen Saal in der zweiten Etage – das Kassettendach mit Bögen und Ornamenten zeigt Salamander und andere Motive.

Weitblick von den Terrassen aus

Unbedingt besuchen sollte man die Terrassen von Chambord. Von ihnen aus hat man eine spektakuläre Sicht auf die Umgebung mit den Wassergräben und der Landschaft, aber auch auf die vielen Türmchen, Dachfenster und Schornsteine des Schlosses.

Natur in der Staatsdomäne

Wer sich satt gesehen hat, der kann den Park (genannt Staatsdomäne) besuchen, der zum Schloss gehört. Er ist 5540 Hektar groß und von einer 32 Kilometer langen Steinmauer umgeben. Sümpfe, Teiche, Acker und Wälder gehören dazu, die von Hirschen, Wildschweinen, Mufflons, Rehen, Fledermäusen und 150 Vogelarten bewohnt werden.

Chambord – Infos für Besucher

  • Anfahrt: A 10 (Ausfahrten 16 oder 17), A 71 (Ausfahrt 3), A 85 (Ausfahrt 13). Bahn: ab Paris Austerlitz bis Blois oder Mer
  • Parken: drei bewachte Plätze mit insgesamt 1300 Stellflächen, Tarif: Pkw/Motorrad 4 Euro/Tag; Campingfahrzeug unter 7,90 Meter 7 Euro/Tag (11 Euro Übernachtung)
  • Öffnungszeiten: April bis Oktober tgl. 9-18 Uhr, November bis März tgl. 9-17 Uhr (außer 1. und letzter Montag im Januar)
  • Eintritt: 13, ermäßigt 11 Euro (Gruppen von mindestens 20 Personen)
  • Boutique: am Schlosseingang gelegen – Souvenirs, Textilien, Bücher, Geschenkartikel und gastronomische Produkte
  • Gastronomie: Café d’Orlèans im Schlosshof und Café des Ecuries in den Stallungen des Marstalls
  • Unterkünfte: La Gabillière am Domänen-Eingang und Forsthaus der Fahnenflüchtigen, 200 Meter vom Schloss entfernt
  • Chambord im Internet: www.chambord.org/de


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