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Die berühmte Kathedrale von Chartres

Wer auf die kleine französische Stadt Chartres zufährt, der erlebt etwas Erstaunliches: Eine gewaltige Kathedrale ragt über den Horizont, doch je näher man kommt, desto kleiner scheint sie zu werden. In Chartres selbst ist sie gar nicht mehr zu sehen – bis man direkt davorsteht.

Notre-Dame de Chartres: Meisterwerk der Gotik

Die Kathedrale Notre-Dame de Chartres gehört seit 1979 zum Kulturerbe der Unesco. Auf den ersten Blick hat sie Ähnlichkeit mit der Kirche Notre-Dame in Paris und gilt als die am besten erhaltene gotische Kathedrale. Wer sie besucht, sollte sich Zeit lassen, denn es gibt sehr viel zu sehen.

Anziehungskraft für Pilger

Das Bauwerk entstand zwischen 1194 und 1230 an der Stelle, wo schon 876 eine erste Kirche geweiht worden war. Der Vorgängerbau war 1194 bei einem Brand zerstört worden. Wichtigster Baumeister der heutigen Kathedrale von Chartres, deren Grundstein beinahe zeitgleich mit dem der Kathedrale von Bourges gelegt wurde, war Villard de Honnecourt.

Er schuf ein Gotteshaus, das heute als Urbild der französischen Gotik gilt. Dass es eine so große Anziehungskraft auch auf Pilger hat, liegt sicher auch daran, dass man es schon aus großer Ferne sehen kann.

Prachtvolle Portale

Einige Teile der Kirchenfassade entstanden ab 1134 – sie gehörten noch zum Vorgängerbau. Wer davor steht, gerät ins Schwärmen. Denn überall sieht man Skulpturen, Rosetten, Strebebögen und andere Verzierungen, und die drei vorderen Portale „erzählen“ Geschichten: Das rechte beschreibt die Menschwerdung Christi mit Maria auf dem Thron der Weisheit und dem Kind zwischen Engeln. Das mittlere, das besonders prächtige Königsportal, zeigen das Jüngste Gericht, Könige, Propheten und die Evangelisten. Das rechte Portal schließlich beschreibt die Himmelfahrt Christi.

181 Marien-Figuren an einem einzigen Gotteshaus

Wer die Kirche betritt, entdeckt an vielen Orten Marien-Figuren. Irgendwann hört man auf zu zählen, aber die Chronik weiß Bescheid: Insgesamt 181 Darstellungen der Jungfrau Maria finden sich an der Kirche, außerdem neun prachtvolle Portale mit Skulpturen. Das Querschiff misst gewaltige 63,4 Meter und der Chor ist mit 650 Quadratmetern Fläche der größte in Frankreich.

Eindrucksvoll: die farbigen Fenster

Auch die romanische Krypta ist die größte im Land. Unbedingt ansehen sollte man sich die bunten Fenster. Das spektakulärste hat einen Durchmesser von 13,36 Metern und ist zu Recht ein beliebtes Fotomotiv. 176 farbige Fenster gibt es insgesamt, sie bedecken eine Fläche von 2600 Quadratmetern und bilden damit die größte Kirchenfensterfläche der Welt. Eine Farbe wurde als „Chartres-Blau“ weltberühmt.

Berühmtes Labyrinth

Über 3500 Skulpturen kann man in der Kirche ansehen – kaum zu bewältigen bei einem Besuch. Und wer den Blick auf den Boden senkt, der staunt über das Labyrinth, das um 1200 entstand. Wer dem Weg folgt, hat 261,55 Meter Strecke zu bewältigen. Allerdings kann man das Labyrinth mit seinem Durchmesser von zwölf Metern nur selten komplett betreten, denn meistens stehen Stühle darauf. Aber jedes Jahr am 21. Juni und seit einigen Jahren immer auch an Freitagen im Sommer werden die Stühle beiseite geräumt.

Orgelklänge in Chartres

Wer Glück hat, kommt gerade dann, wenn die Orgel ertönt (zum Beispiel während der Messe). Das ist ein Moment für Genießer, die einfach ein paar Minuten dem Klang hinterherlauschen, den das Gotteshaus und die Orgel entstehen lassen. Das bestehende Orgelwerk stammt aus dem Jahr 1971 und hat vier Manuale, und der Klang ist so besonders, dass in der Kathedrale von Chartres regelmäßig ein bekannter Orgelwettbewerb, der Concours international d’Orgue – Grand Prix de Chartres, stattfindet. Nächster Termin: August und September 2018.

Mittelalterliche Stadt

Die Kathedrale ist die Hauptattraktion in Chartres, aber die mittelalterliche Stadt mit ihrer teilweise noch erhaltenen Stadtmauer, den schmalen Gassen und vielen historischen Häusern ist auch selbst sehr sehenswert.

Kathedrale von Chartres – Infos

  • Adresse: 16 Cloître Notre Dame
  • Anfahrt: von Paris auf der A10 bis Dreieck Ponthévrard, auf der A11 bis Chartres (etwa 80 Kilometer), Zugverbindung ab Bahnhof Paris-Montparnasse.
  • Parken: Parking Q-Park Chartres Cathedrale, Place Chatelet (Info: q-park.fr; 1 Stunde 2,40 Euro, 3 Stunden 7,20 Euro)
  • Öffnungszeiten: tgl. 8.30-19.30 Uhr (Di , Fr und So im Juli und August bis 22 Uhr); Messe: Sa, 18 Uhr (mit großer Orgel); Sonntagsmesse 11 Uhr (mit großer Orgel)
  • Führungen: mehrmals pro Tag, Teilnahme 3 Euro, Treffpunkt im Shop “La Crypte”
  • Anreise: von Paris über die Autobahn A6 Richtung Bordeaux-Nantes über die Porte d’Orléans, dann A10 und A11 Richtung Nantes und weiter Richtung Chartres-Centre. Zug: Paris-Montparnasse bis Chartres (Fahrzeit etwa eine Stunde)
  • Tourismus-Info Chartres: 8, rue de la Poissonnerie 
  • Kathedrale Chartres im Internet: www.cathedrale-chartres.org

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