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Château d’If: Wo der Graf von Monte Christo im Gefängnis saß

Auf den ersten Blick sieht die Insel vor der Küste Marseilles ganz friedlich aus. Aber wenn man die Geschichte kennt, die über das Château d’If, das darauf steht, überfällt einen ein leiser Schauder. Die trutzige Festung war der Ort, an dem Edmond Dantès, die Hauptfigur in Alexandre Dumas‘ Roman „Der Graf von Monte Christo“, 14 Jahre lang unschuldig in einem Gefängniskerker einsaß. 

Das Château d’If ist eine Touristen-Attraktion

Der Schriftsteller beschreibt die zugig-feuchte Zelle, den trostlosen Alltag und die Hoffnungslosigkeit, das Gemäuer jemals lebendig verlassen zu können, so intensiv, dass jeder, der die Festung von außen sieht, diesen Grusel spürt. Auf alle Fälle gelang es Alexandre Dumas, die Insel mit seinem Roman berühmt zu machen. Heute ist sie eine wichtige Attraktion in Marseille.

Anreise mit der Fähre 

20 Minuten dauert die Fahrt mit der Fähre von der Stadt auf die Île d’If  (Infos im Abspann) und bei einem 90 Minuten langen Rundgang über die Insel kann man tief in die schaurige Geschichte eintauchen. So erfährt man, dass der französische König Franz I. im Jahr 1516 Marseille besuchte und auf der vorgelagerten Insel Halt machte. Er beschloss, dort zum Schutz der Hafeneinfahrt eine Wehranlage zu errichten. Die war 1536 tatsächlich stabil genug, um einen Angriff der Truppen Karls V. abzuwehren.

Die meisten Häftlinge lebten nicht lange

Schon Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Festung zum Gefängnis. Ein Gefängnis, das – ähnlich wie Alcatraz in San Francisco – als ausbruchssicher galt. Tausende Menschen saßen im Château d’If ein, vor allem Staatsgefangene. Ihre Situation war fürchterlich, mit so schlechten hygienischen Bedingungen, dass die meisten Häftlinge nicht länger als neun Monate überlebten.  Edmond Dantès, der spätere Graf von Monte Christo, überstand diese Qual (wenn auch nur literarisch) sogar 14 Jahre lang, und auch der Abbé Faria, dem Dantès den gewaltigen Schatz verdankte, saß sehr lange ein.

In der Zelle von Edmond Dantès 

Die Kalksteininsel, auf der die Festung steht, ist etwa drei Hektar groß. Eine dicke Ringmauer mit Schießscharten umgibt das Gebäude mit den drei Türmen. Betreten kann man das Gelände durch das Florentiner Tor. Wer ins Chateau d’If kommt, sieht innen die Innenhöfe mit Küchen, Brunnen und einem Getreidelager. An einer Seite sind die Gemeinschaftszellen, und auch die Zelle von Edmond Dantès im einstigen Pulverturm (inklusive Loch, durch das man ins Nachbar-Verlies kommt) und das Verlies von Abbé Faria kann man besuchen. Dadurch wirkt der Roman noch realistischer. In der Zelle des Abbé wurde eine Videoanlage installiert, mit deren Hilfe man sich selbst mal wie ein Gefangener „fühlen“ kann.

Der Mann mit der eisernen Maske

Im oberen Stockwerk ist der Raum des Mannes mit der eisernen Maske zu sehen – über diese Person, deren Existenz nicht sicher bewiesen ist, hat Alexandre Dumas ebenfalls einen Roman geschrieben. In dem Raum findet sich auch eine Seilwinde, mit der das Fallgitter am Eingangstor bedient wurde. Außerdem findet sich dort die Zelle, in der der Leichnam von General Kléber gelegen haben soll (er wurde in Kairo ermordet, der Leichnam nach Marseille gebracht und sollte dort beerdigt werden, was sich aus politischen Gründen 18 Jahre verzögerte – in dieser Zeit wurde er im Chateau d’If aufbewahrt). Wer im Obergeschoss unterwegs ist, kann auch den Kerker für Todeskandidaten besuchen – er liegt unter einer Treppe.

Besuch im Gemüsegarten

Weitere Besonderheiten sind die schon erwähnten drei Türme – Wohn-, Saint-Jaume- und Maugouvert-Turm. Auf der Insel gibt es außerdem auch noch ein Gebäude, das als Gouverneurssitz diente, den sogenannten Cabanon – einen Gemüsegarten -, eine Zisterne und den Leuchtturm.

Anreise mit dem Boot

Erreichen kann man Insel und Château d’If mit einem Boot vom Alten Hafen in Marseille. Es ist eine genussvolle Fahrt mit schönem Weitblick, den der berühmte Gefangene Edmond Dantès nicht genießen konnte. Sein Weg von der Insel war ungemütlicher: Er hatte in monatelanger Kleinarbeit mit seinem Freund Abbé Faria einen Fluchttunnel gegraben. Doch Faria starb, bevor der Tunnel vollendet war. Dantès einziger Weg in die Freiheit war, den Platz des Toten im Leichensack einzunehmen. Die Wärter warfen den Sack ins Meer, Dantès befreite sich und wurde von einem Schmugglerboot gerettet. Wenig später verwandelt er sich in den Grafen von Monte Christo…

Château d’If – Infos

  • Anfahrt: Alter Hafen Marseille, Pier Frioul-If-Express, 1, Quai de la Fraternité; Fahrplan unter dem blau unterlegten Link); Preis: Hin- und Rückfahrt: 11,10 Euro, Tickets unter dem blau unterlegten Link
  • Schloss: geöffnet 2. Januar bis 1. April sowie 1. Oktober bis 31. Dezember, Di-So, 10-17 Uhr, 2. April bis 30. September, tgl. 10-18 Uhr).
  • Eintritt: 6 Euro; erm. 4,50 Euro
  • Château d’If im Internet
  • weitere Infos (PDF über die Sehenswürdigkeiten)

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