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Was es mit den Eisheiligen auf sich hat

Das mit den Eisheiligen ist eine merkwürdige Sache. Sie sind eine Bauernregel – und an sowas glauben wir ja heutzutage nicht. Oder? Immerhin gibt es im Mai fast immer ein paar Tage, an denen es richtig unangenehm kalt ist. Woran liegt das?

Bischöfe und Märtyrer als Eisheilige

Ein Abstecher in die Heiligengeschichte. Es gibt fünf Eisheilige, denen diese Tage gewidmet sind. Sie waren Bischöfe und Märtyrer und lebten im vierten bzw. fünften Jahrhundert.

Nummer 1: Mamertus 

Der erste heißt Mamertus. Er war Bischof von Vienne an der Isère (Frankreich) und führte die Bittprozessionen an den Tagen vor Himmelfahrt ein. Man sagt ihm nach, dass er durch Gebete eine schreckliche Feuerkatastrophe verhindert hat. Er gilt als Schutzpatron der Hirten und der Feuerwehr und die Menschen riefen ihn um Hilfe, wenn Dürre drohte. Sein Gedenktag ist der 11. Mai – der erste „offizielle“ Tag der Eisheiligen.

Pankratius ist der zweite

Ihm folgt am 12. Mai Pankratius, ein römischer Märtyrer, der wegen seines christlichen Glaubens um das Jahr 304 unter der Herrschaft Diokletians enthauptet wurde. Heute gibt es überall auf der Welt Kirchen, die nach ihm benannt sind, und in London erinnert der Stadtteil St. Pancras an ihn. Landwirte und Gartenbesitzer behalten Pankratius im Auge – denn sie kennen die Bauernregel: „Wenn es an Pankratius gefriert, wird im Garten viel ruiniert.“ Oder: „Ist Sankt Pankratius schön, wird guten Wein man seh’n.“

Servatius ist am 13. Mai an der Reihe

Nummer drei ist Servatius, dem der 13. Mai gewidmet ist. Er heißt mit vollem Namen Servatius von Tongern und man ruft ihn unter anderem bei Frostschäden zu Hilfe. Servatius soll den Einfall der Hunnen vorausgesehen haben. Es gelang ihm, die Menschen seiner Heimatstadt rechtzeitig zu warnen.

Der Märtyrer: Bonifatius

Es folgt Bonifatius (14. Mai). Bonifatius von Tarsus war ein römischer Märtyrer. Er erlebte im türkischen Tarsus die Christenverfolgung und ließ sich daraufhin taufen. Deshalb wurde Bonifatius mit siedendem Pech ermordet. Reliquien des Heiligen finden sich in der Basilika dei Santi Bonifacio e Alessio in Rom und in Wittichenau (Sachsen).

Finale mit der Kalten Sophie

Die letzte Eisheilige ist Sophie (15. Mai), die gern auch als Kalte Sophie bezeichnet wird. Wobei sich das „kalt“ aufs Wetter bezieht. Denn die Heilige, Sophia von Rom, war eine frühchristliche Märtyrerin, die während der Christenverfolgung durch Kaiser Diokletian ermordet wurde. Als Eisheilige wird sie gegen späte Fröste und für das Gedeihen von Feldfrüchten angerufen.

Julianischer und Gregorianischer Kalender

Oft halten sich die Fünf nicht streng an den Kalender. Was teilweise daran liegt, dass sich die alten Bauernregeln auf den Julianischen Kalender beziehen. Der aber wurde 1582 durch den Gregorianischen Kalender abgelöst und so kommt es oft zu einer Verschiebung um etwa zehn Tage. Aber tatsächlich ist es in dieser Zeit oft für ein paar Tage lang kühler als sonst im Mai.

Warum es noch einmal kalt wird

Ein Grund für die Temperaturschwankungen ist, dass es im Mai auf dem europäischen Festland meistens schon ziemlich warm ist. Das Meer indessen erwärmt sich langsamer und so gibt es Temperaturunterschiede zwischen Ozean und Festland. Die Folge: Tiefdruckgebiete. Duch Verschiebung der Luftmassen ziehen die warmen Luftströmungen nach Norden und frostige Luftströmungen aus den Polargebieten werden aufs Festland gedrückt. In sternenklaren Nächten kann es sogar noch Bodenfrost geben.

Schutz für kälteempfindliche Pflanzen

Ob man nun daran glaubt oder nicht – wer einen Balkon oder Garten hat, sollte kälteempfindliche Pflanzen lieber erst nach den Eisheiligen nach draußen bringen. Oder Sommerblumen, die schon draußen stehen, vor Kälte schützen. Zum Beispiel durch Gartenvlies oder Glasglocken, die über die Pflanzen gestülpt werden – oder indem man empfindliche Gewächse, die im Topf stehen, für diese Zeit nach drinnen bringt.

Diese Pflanzen später nach draußen stellen

Frostempfindliche Kräuter- und Gemüsepflanzen sind zum Beispiel Basilikum, Bohnen, Gurken, Paprika, Tomaten und Zucchini, und bei den Sommerblumen sind es Dahlien, die meisten Lilienarten und Margeriten. 

Gewächse wie Zwiebeln, Kohlrabi, Blattsalate und Radieschen kommen mit leichtem Frost zurecht, wenn es mal länger unter minus drei Grad sein sollte, leiden aber auch sie.

Eisheilige in diesem Jahr

In diesem Jahr scheinen sich die Eisheiligen tatsächlich an den Kalender zu halten. Denn während es gestern zumindest in Berlin noch 23 Grad warm war, herrschen heute Temperaturen deutlich unter zehn Grad. Und auch in den kommenden Tagen soll das Thermometer auf maximal 16 Grad klettern. Erst am Wochenende wird es wieder etwas wärmer.

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