Giverny: Besuch bei Claude Monet

Der japanische Teich in Giverny
Der japanische Teich in Giverny

Giverny in Frankreich ist ein Ort, an dem sich Kunst und Natur auf so besondere Weise verbinden, dass man ins Staunen gerät. Hier nämlich liegt der Garten, in dem der Maler Claude Monet viele seiner großartigen Werke schuf. Wer ihn besucht, verliebt sich. Garantiert.

Monet Giverny war 43 Jahre lang Monets Zuhause

Giverny liegt nur 70 Kilometer von Paris entfernt. Und doch ist es eine ganz andere Welt. Die Pracht des Gartens ist beinahe zuviel für den unvorbereiteten Besucher. Kein Wunder, dass Claude Monet, der dort zwischen 1883 und 1926 lebte und arbeitete, darin Inspiration für unzählige Gemälde fand.

Seerosenteich und Ziergarten

Oft war es der Seerosenteich mit einer grünen Brücke im japanischen Stil, an dem er saß und immer neue Winkel fand, um beides festzuhalten. Aber Monet legte auch einen Ziergarten an, dessen Blütenpracht im Sommer geradezu überwältigend ist.

Farben im Überfluss

Der Künstler werkelte selbst gern im Garten. Er schuf ihn so, dass es zwischen März und Oktober immer etwas zu sehen gibt. Blaukissen im März, Tulpen, Narzissen und Hyazinthen im April. Danach Rosen und Clematis, gefolgt vom Blumenmeer im Sommer. Später staunt man über Seerosen, Dahlien, Rosen und Astern und über die herbstbunten Blätter der Bäume.

Nichts wurde dem Zufall überlassen

Angefangen hatte alles mit dem Ziergarten, Clos Normand genannt. Er liegt direkt hinter dem Haus mit Atelier und ist teilweise nach Farben geordnet und mit Metallbögen gerahmt. Der Wassergarten kam später hinzu. Hier entstanden Teiche, Brücken und die Pflanzen, die dazu passen, von Seerosen über Azaleen und Bambuspflanzen bis zu Glyzinien. Nichts wurde dem Zufall überlassen und wirkt doch so, als sei es von der Natur erschaffen worden.

Ein Gärtner entfernte die abgefallenen Blätter

Monet liebte seinen Garten und empfing gern Gäste am Wasser. Und er liebte es, stundenlang mitten im Grün vor sich hinzuträumen und auf die Lichtreflexe auf dem Wasser zu schauen. Ein Gärtner war damit beauftragt, sämtliche abgefallenen Blätter zu entfernen, damit der Teich makellos blieb.

„Ich liebe Wasser“, sagte Monet einmal, „aber ich liebe auch Blumen. Deshalb habe ich, als der Teich mit Wasser gefüllt war, entschieden, ihn mit Blumen zu verschönern.“ Und genau das tat er.

Inspiration für unzählige weltberühmte Gemälde

Zahlreiche sehr berühmte Gemälde entstanden im Wassergarten. Der „Seerosenteich“ und seine Variationen, die „Nymphea“-Serie mit Seerosen, die Japanische Brücke aus unterschiedlichen Winkeln und in anderen Bereichen von Giverny blumenumsäumte Alleen, Szenen mit Menschen und vieles mehr. Wer die Kunstwerke betrachtet, spürt die Wärme und ahnt sogar das Summen der Bienen.

Man möchte selbst zum Pinsel greifen

Wenn man durch den Garten spaziert, erkennt man die Orte natürlich sofort, und so mancher möchte am liebsten selbst zum Pinsel greifen. Einige tun es auch und lassen sich selbst von Besuchermassen nicht stören.

Einblicke in Monets Leben

Unbedingt ansehen sollte man sich auch Monets Haus. Und sollte dann kurz innehalten und es sich zu Zeiten des Künstlers vorstellen: Acht Kinder tobten durch die Räume, Monet wanderte zwischen seinem Atelier und dem Garten hin und her, und in der Küche herrschte reger Betrieb.

Blauer Leseraum

Heute fehlen zwar die einstigen Bewohner, aber die Räume sind perfekt erhalten. Der blaue Leseraum mit einer kleinen Pantry-Küche oder das Studio, in dem Monet bis 1899 arbeitete und das später für gemütliche Teestunden genutzt wurde.

Die privaten Gemächer der Familie

In der ersten Etage liegen Schlaf- und Badezimmer, die mit Gemälden von Monets Freunden – Cézanne, Renoir, Signac und Caillebotte – geschmückt sind. Man schaut in Ankleidezimmer, den Raum von Monets Frau Alice und ein Zimmer, das seine Schwiegertochter Blanche Hoschedé-Monet bewohnt hat – es wurde erst 2014 erstmals öffentlich gezeigt.

Die Räume sind liebevoll eingerichtet

Auch die Küche und der gelbe Speiseraum sind zu sehen, alles liebevoll eingerichtet. Vom Speiseraum gibt es einen direkten Zugang in den Garten – im Sommer sind die Türen weit geöffnet. Die Regale sind mit Geschirr bestückt, an den Wänden hängen Bilder und auf dem Tisch stehen Blumen. Der Raum wirkt so bewohnt, dass sich niemand wundern würde, wenn der Künstler höchstselbst plötzlich den Raum betreten und sich mit einem Kaffee an den Tisch setzen würde.

Virtueller Besuch in Monets Haus

Übrigens kann man Monets Haus auch virtuell besuchen – unter dem rot unterlegten Link zeigt die Fondation Monet, was sich hinter den einzelnen Türen verbirgt. Den Garten aber, den muss man live erleben. Mit all seinen Geräuschen und Farben, mit den Brücken und Pfaden. Und mit den Orten, die man bisher nur von den Gemälden kannte.

Neuer Bildband über Monets Garten

Für alle, die Monets Kunst und seine Liebe für den Garten mögen: Vor kurzem ist ein wunderschönes Buch erschienen, das beides in Szene setzt: „Claude Monet in Giverny – Der Maler und sein Garten“ von Dominique Lobstein (Hirmer Verlag, 24,90 Euro) verbindet Fotografien von Jean-Pierre Gilson mit fiktiven Briefen von Weggefährten Monets – auf diese Weise lernt man den Künstler als Menschen kennen. Und betrachtet seinen Garten in Giverny später mit noch wacheren Augen.

Giverny – Infos

  • Adresse: 84 rue Claude Monet, Giverny
  • Anfahrt: Ab Paris mit dem Zug ab Gare Saint Lazare (45 Minuten, Fahrplan unter dem rot unterlegten Link). Von Vernon aus fahren regelmäßig Shuttle-Busse – sie fahren 15 Minuten nach Ankunft der Züge ab (Fahrplan)
  • Öffnungszeiten: vom 25. März bis 1. November tgl. 9.30 bis 18 Uhr, Haustiere nicht erlaubt
  • Eintritt: 9,50, Kinder ab 7 J. und Studenten: 5,50 Euro; Kinder unter 7 J. frei
  • Tipp: vor Monets Haus residiert das Restaurant Les Nymphéas in einem alten Farmgebäude, das liebevoll hergerichtet wurde. Auf der Karte stehen viele Speisen, die im Haus Monet serviert wurden. Reservierung: Tel. #33(0)2 32 21 20 31
  • Giverny im Internet: www.fondation-monet.com

Ein weiterer Künstlergarten:

Max Liebermann in Berlin


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