Entdecken, my little luxury, Reisen, Schweden

Glasreich: Wo Schweden magisch ist

Das Glasreich in der südschwedischen Provinz Småland ist für mich ein Ort der Magie. Hier nämlich werden aus ganz gewöhnlichen Zutaten wie Sand die schönsten Kunstwerke. Und wer bisher meinte, Glas sei Glas, der wird hier eines Besseren belehrt. Denn im Zentrum der Glaskunst entstehen Dinge, die eines Königs würdig wären. Namen wie Kosta Boda und Orrefors finden sich längst auch in den Edelboutiquen der Welt. Grund genug, diese Region mal zu besuchen.

Glasreich: Die erste Hütte wurde 1628 erbaut

Vorab ein bisschen Geschichte:. Die Provinz ist reich an Holz und Quarzsand, den Rohstoffen, die für die Glasproduktion benötigt werden. Arbeitsplätze dagegen gab es wenig, und so ist es kein Wunder, dass um 1628 die erste Glashütte erbaut wurde. Der Erfolg war so groß, dass bald weitere dazukamen. 100 Hütten gab es zeitweise, heute sind es noch 14.

Trinkgläser, Vasen und Skulpturen

Hergestellt wird vor allem Glas, das man im Haushalt nutzen kann. Trinkgläser und Schalen, Teller und Vasen, zum Beispiel. Aber auch Skulpturen, Schmuck und anderes entsteht im Glasreich, zu dem auch eine Schule gehört, an der künftige Glasbläser und Glaskünstler ausgebildet werden.

Künstler von Bertil Vallien bis Kjell Engman

Was das Glasreich mit seinen Glaskünstlern wie Bertil Vallien und seine Frau Ulrica Hydman-Vallien, Signe Persson-Melin, Kjell Engman, Malin Lindahl und Martti Rytkönen.so besonders macht, ist, dass man viele der Glashütten besuchen kann. Orrefors Kosta Boda zum Beispiel, ein Zusammenschluss der einstigen Hütten Orrefors (gegründet 1898), Kosta (gegründet 1742) und Boda ( gegründet 1864).

Wo man den Glasarbeitern über die Schultern sehen kann

Hier kann man in der „Hytta“ die Glasarbeiter dabei beobachten, wie sie aus dem dickflüssigen Glas mit geschickten Handbewegungen eindrucksvolle Figuren zaubern. Hier ein Tupfer – eine Wölbung entsteht. Dort ein bisschen Ziehen – und ein Krug bekommt einen Henkel.

Einer der wärmsten Arbeitsplätze in Schweden

Die Werkshalle der Hütte ist riesig, mit Abzugsrohren an den hohen Decken, mit Betonfußboden und vielen Gerätschaften. Heiß ist es hier, ein Geruch nach Feuer, heißem Metall und Asche liegt in der Luft. Im Winter, wenn draußen der Schnee meterhoch liegt und die feinen Härchen in der Nase zusammenfrieren, sind die Hütten besonders beliebte Arbeitsplätze. Pullover braucht hier drin niemand. Je näher man an den Öfen und den glühenden Glasbrocken steht, desto heißer wird es.

Wo formlose Masse zum Leben erwacht

Abstand halten mag man trotzdem nicht. Zu faszinierend ist es, dem Glaskünstler dabei zuzusehen, wie die formlose Masse scheinbar zum Leben erwacht. Und wenn er am Ende sein Werk mit einer riesigen Zange von seinem Arbeitsstab abzwackt, dann beginnt die Veränderung. Noch ist das Stück glühend heiß, doch je mehr es abkühlt, desto stärker entwickeln sich die Farben.

Glaskunst von hauchzart bis intensiv

Manche Künstler bemalen ihre Stücke. Ulrica Hydman-Vallien zum Beispiel ist bekannt für ihre Tulpen, Gesichter und Herzen, mit denen sie zarte Teller verziert – und für ihre eigenwillig geformten Vasen aus unterschiedlich gefärbtem Glas. Einige ritzen Figuren ins Glas.

Moderne Schalen von Martti Rytkönen

Zu meinen persönlichen Lieblingsstücken gehört ein zartes Glas von Martti Rytkönen, das einen stilisierten Wolf zeigt. Ursprünglich waren es mal zwei – leider wird die Serie nicht mehr produziert. Martti Rytkönen gestaltet Vasen, Schalen und anderes in sehr modernen Formen.

Kjell Engmans magische Installationen

Kjell Engman erschafft große Installationen – von der gläsernen Säule über das Aquarium bis zur Skulptur. Alles in kräftigen Farben und zarten Formen. Mit Licht in Szene gesetzt werden sie zur reinen Magie. Sehen kann man seine Kunst unter anderem im Kosta Boda Art Hotel (Adresse am Ende dieses Textes).

Kunstobjekte mit Innenleben

Bertil Vallien, Ehemann von Ulrica Hydman-Vallien, erschafft großformatige Kunstobjekte, die er in Sand formt. Lieblingsformen sind Schiffe und Köpfe, in die er die unterschiedlichsten Gegenstände einbaut. Kein Wunder, dass seine Werke auch in Museen in Stockholm und New York ausgestellt werden.

Einmal selbst Glasbläser sein

„Darf ich mal…?“ ist eine der Fragen, die die Glaskünstler häufig hören. Und bei unterschiedlichen Ereignissen kann man tatsächlich selbst mal Glas herstellen. Nach einer zweistündigen Anleitung vom Experten kann man in der Glashütte Maleras selbst zum Werkzeug greifen und eine Schale modellieren (Teilnahme ab 15 Jahren, auf der Seite glasriket.se kann man einen Termin buchen. Kosten: 1650 SEK – knapp 180 Euro). Auch im Glascenter von Kosta kann man Glasbläserei ausprobieren (Kosten zwischen 200 und 700 SEK).

30.000 Objekte im Glasmuseum

Im Museum „The Glass Factory“ kann man viele der Glaskunstwerke bewundern, die im Glasreich entstanden sind. 30.000 Objekte stehen in den Räumen, in denen man sehr viel über das Glas, seine Bedeutung und die Kunst erfährt. Natürlich kann man die schönen Stücke im Glasreich auch kaufen. In allen Hütten gibt es Shops. Dass die Vasen, Gläser und anderen Werke nicht billig sind, kann man sich vorstellen – aber dafür bringt man sich ein echtes Stück Glaskunst mit nach Hause.

Unbedingt mitmachen: Hyttsill-Abend mit deftigem Essen

Zu den originellsten Veranstaltungen im Glasreich gehört der Hyttsill, auf Deutsch: Hüttenhering. Das ist ein Festmahl der Glaskünstler, mit Speisen, die in den Kühlrohren zubereitet werden, in denen tagsüber das Glas auskühlt.

Speisen in der Hütte

Gegessen wird an großen Tafeln direkt in der Hütte. Auf die Teller kommen gebackene Kartoffeln, Hering, Speck, Griebenwurst, Preiselbeerkompott und hochprozentige Getränke. Und wenn noch Platz ist im Magen, dann genießt man smaländischen Käsekuchen mit Erdbeerkompott und Schlagsahne.

Wenn die Stimmung nach einer Weile auf dem Höhepunkt ist, dürfen Mutige mal die Glasbläserei ausprobieren. Wer einmal einen Hytsill-Abend erlebt hat, wird ihn jedenfalls so schnell nicht vergessen. Und Glas später garantiert mit anderen Augen betrachten…

Glasreich – Infos

  • Anreise: Von Trelleborg auf der E6 bis Malmö, weiter auf der E22 über Karlskrona bis Kalmar, dort auf der Straße 25 bis Nybro. Die Glasorte liegen in der Umgebung
  • Öffnungszeiten: je nach Hütte unterschiedlich, Zeiten unter dem blau unterlegten Link
  • Kosta Boda Art Hotel: Stora vägen 75, 36052 Kosta, www.kostabodahotel.se. Zum Hotel gehört neben der von Kjell Engman gestalteten Glass Bar auch ein Spa. Die Zimmer sind mit Glaskunst bestückt.
  • Weitere Unterkünfte: unter dem blau unterlegten Link  auf
  • Hyttsill: Stora vägen 96, Bruksområdet, 360 52 Kosta. Preis: 445 SEK (48 Euro), Kinder bis 15 J. 100 SEK. Buchung unter dem blau unterlegten Link

 

https://www2.glasriket.se/de/todo?filter=c%3D1336

Museum The Glass Factory: Storgatan 5, 36065 Boda Glasbruk, geöffnet Mo-Fr, 10-18 Uhr, Sa/So, 11-17 Uhr. Mitte September bis Mitte April: Mi-So, 11-16 Uhr. www. Theglasfacroty.se/english

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.