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Auszeit auf Hiddensee

„Sötes Länneken“ – süßes Ländchen – nennen die Einheimischen ihre Insel Hiddensee. Und wer einmal dort war, der wird ihnen Recht geben. Denn das knapp 17 Kilometer lange und teilweise handtuchschmale Stückchen Land mit der lieblichen Landschaft, den wunderschönen Stränden und den winzigen Dörfern ist wirklich ein Stück heile Welt. Hektik scheint ein Fremdwort zu sein, und Krach machen allenfalls die Möwen oder die Wellen, wenn es so richtig stürmisch ist. Ansonsten herrscht eine himmlische Ruhe – perfekt für einen Erholungsurlaub.

Hiddensee: Ein „entschleunigter“ Urlaubsort

Dass es so still ist auf Hiddensee, liegt auch daran, dass auf der Ostsee-Insel keine Autos fahren. Abgesehen vom Rettungswagen sind hier nur Elektrokarren und Pferdefuhrwerke unterwegs. Urlauber müssen ihr Auto auf Rügen zurücklassen (in Schaprode gibt es bewachte Parkplätze). Vorwärts kommt man trotzdem, aber langsamer. Und das bringt auch den eiligsten Großstädter erstaunlich schnell zur Ruhe.

Eine der sonnenreichsten Regionen

Was zur Entspannung beiträgt, ist das Wetter. Denn Hiddensee gehört zu den sonnenscheinreichsten Orten Deutschlands. Im Schnitt 1850 Stunden lang scheint die Sonne pro Jahr, Regen ist eine seltene Erscheinung. Allerdings sorgt der Wind dafür, dass es auch selten richtig heiß wird. 

Geformt wie ein Seepferdchen

Aus der Luft betrachtet, erinnert die Form der Insel ein bisschen an ein Seepferdchen: Schmal und langgezogen, mit einem „Bauch“ in der Mitte und dem Dornbusch samt der Halbinseln Neubessin und Altbessin als Kopf. Gerade einmal 250 Meter  liegen die Ufer an den schmalsten Stellen auseinander, aber auch an den breitesten misst Hiddensee nur 3,7 Kilometer.

Woher die Insel ihren Namen hat

In der altnordischen Edda wurde die Insel als „Hedinsey“ bezeichnet, was soviel wie „Insel des Hedin“ bedeutet. Der Legende nach soll der Norwegerkönig Hedin hier um eine Frau oder um Gold gekämpft haben – was genau es war, weiß man nicht. Die Dänen, die Hiddensee ab 1168 für etwa 100 Jahre regierten, nannten die Insel Hedins-Oe – was schon fast so klingt wie der heutige Name. Vor den Dänen waren die Ranen Herrscher der Insel, nach ihnen Rügenfürst Wizlaw II.

Leuchtturm auf dem Dornbusch

Vier kleine Orte (Kloster, Vitte, Neuendorf und Grieben) gibt es auf Hiddensee, dazu Dünen, lange Sandstrände, viel Natur und einen schier endlosen Horizont. Außerdem gibt es einige kleinere Yachthäfen und den berühmten weißen Leuchtturm auf dem Dornbusch. Alles kann man bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden.

Refugium für Künstler und Intellektuelle

Wer Action sucht, ist auf Hiddensee definitiv am falschen Ort. Hier findet man stattdessen Ruhe und Abgeschiedenheit, was spätestens seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts viele Berliner und auch zahlreiche Intellektuelle zu schätzen wussten. Zu den bekanntesten Gästen bzw. Bewohnern Hiddensees gehörten Gerhart Hauptmann, Käthe Kollwitz, Hans Fallada und Albert Einstein. Gerhart Hauptmann verdankt die Insel auch eine seiner wichtigsten Sehenswürdigkeiten: das Gerhart-Hauptmann-Haus und das Grab des Dichters.

Besuch im Gerhart-Hauptmann-Haus

Das einstige Haus Seedorn in Kloster, in dem Hauptmann seit 1926 Sommergast war und das er 1930 kaufte, ist seit 1956 Gedenkstätte (Gerhart-Hauptmann-Haus). Regelmäßig finden darin Lesungen, Konzerte und Vorträge statt, außerdem kann man die Wohnräume des Dichters besichtigen. Geöffnet ist das Gerhart-Hauptmann-Haus von Mai bis Oktober zwischen 10 und 17 Uhr, Sonntag, 13 bis 17 Uhr, November bis Ende April: montags geschlossen, Di-So, 11 bis 15, ab 8. April bis 16 Uhr. Adresse: Kirchweg 13 in 18565 Kloster, Tel. 038300-397.

Hauptmann starb 1946 in Schlesien, und wurde auf dem Inselfriedhof Hiddensee begraben. Der Grabstein aus Granit trägt nur seinen Namen.

Naturbelassene Traumstrände

Wer Hiddensee besucht, kommt natürlich auch wegen der Strände. Die Westküste ist ein langgkezogener Naturstrand mit feinem Sand. In Vitte, Kloster und Neuendorf gibt es auch bewachte Badestrände. Das Wasser ist sauber, gelegentlich aber wird Seegras angespült. An den bewachten Stränden wird es entfernt, aber an den Naturstränden bleibt es liegen – zur Freude der Strandspaziergänger, die häufiger Bernsteine, Muscheln und andere Fundstücke aus dem Gras ziehen.

Inselkirche und Goldschmuck

Zu den Sehenswürdigkeiten Hiddensees gehört die 1332 erbaute Inselkirche. Das Tonnengewölbe entstand allerdings erst 1781 und wurde 1922 mit einem Rosenmuster verziert. Auch das Hiddenseer Heimatmuseum ist einen Besuch wert. Es beherbergt unter anderem eine Replik des Hiddenseer Goldschmucks. Die Stücke aus Gold wurden von den Wikingern gefertigt und sind äußerst detailreich. Die Originale des bei einem Hochwasser entdeckten Schatzes liegen im Kulturhistorischen Museum in Stralsund.

Hiddensee und sein Dornbusch

Wahrzeichen der Insel ist der 27,5 Meter hohe Leuchtturm Dornbusch, der seine Berühmtheit auch der Tatsache verdankt, dass  sich gleich nebenan eine Wetterstation befindet, von der der Wetterbericht des NDR gesendet wird. Den 1887 erbauten Turm kann man zwischen Mai und Oktober bei trockenem Wetter, guter Sicht und maximal Windstärke 6 besteigen und genießt nach 102 Treppenstufen einen traumhaften Weitblick (Eintritt drei, Kinder ab sechs Jahren 1,50 Euro).

Blaue Scheune und Asta-Nielsen-Haus in Vitte

Zu den weiteren Attraktionen in Hiddensee gehört die Blaue Scheune in Vitte,  die früher Bäckerei war und schon lange als Ausstellungsort genutzt wird (im Sommer immer mittwochs und sonnabends geöffnet). Nicht weit entfernt  steht die Villa, in der Asta Nielsen in den 1920er Jahren viele Sommer verbracht hat. „Karusel“ (Karussell) nannte sie das Gebäude in der Straße Zum Seglerhafen, das zwei abgerundete Ecken hat. Heute ist es ein Ort zum Heiraten (der Trauraum hat Platz für ein Brautpaar und 18 Gäste) und ein Museum. Immer samstags um 16 Uhr gibt es Führungen durchs Haus.

Besuch in der Lietzenburg

Architekturliebhaber zieht es zur Lietzenburg in Kloster, einer Villa im Jugendstil, die der Maler Oskar Kruse  1940 erbauen ließ. Zu den berühmten Gästen gehörten die Künstler Max Reinhardt, Gerhart Hauptmann und Thomas Mann und der Wissenschaftler Albert Einstein. Nach Kruses Tod erbten sein Bruder Max (ein Bildhauer) und dessen Frau, die berühmte Puppenherstellerin Käthe Kruse, die Villa. Heute dient sie als Ferienunterkunft.

Naturparadies im Nationalpark

Hiddensee liegt im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Einige Flächen, darunter die Südspitze und der Neubessin, sind Schutzzone und deshalb nicht zugänglich. Hier finden vor allem unzählige Vogelarten Rückzugsgebiete. Besonders viel los ist im Herbst, wenn rund um Rügen und Hiddensee zehntausende Kraniche rasten.

Ausstellung über den Nationalpark

Naturliebhaber können sich im Nationalparkhaus am Ortsrand von Vitte (an der Straße nach Kloster) über das Schutzgebiet informieren. In dem reetgedeckten Gebäude gibt es eine spannende Ausstellung zu sehen. Adresse: Norderende 2. Öffnungszeiten: Januar bis März, tgl. 13 bis 16 Uhr, April bis Oktober, tgl. 10-16 Uhr, Nov./Dez., So-Fr, 10-15 Uhr. Im Haus kann man auch naturkundliche Wanderungen buchen.

So kommen Sie auf die Insel

Wer kommt, nimmt die Fähre, die zwischen Stralsund bzw. Schaprode (Rügen) und den Hiddenseer Häfen Kloster, Vitte und Neuendorf verkehrt. Fahrpreise der Reederei Hiddensee: Hin- und Rückfahrt 15,70 Euro, Kinder 4-14 J. 9,10 Euro. Familie (2 Erw. mit bis zu 3 Kindern) 40,40 Euro. Hund 9,10 Euro, Fahrrad 7 Euro. Fahrzeit: 45 Minuten. Schneller, aber deutlich teurer ist das Wassertaxi, das ebenfalls von der Reederei Hiddensee betrieben wird.

Urlaub auf Hiddensee

Die meisten Besucher Hiddensees sind Tagesgäste, es gibt aber auch einige Hotels und Pensionen. Zelten allerdings ist auf der Insel nicht erlaubt. 

Die meisten Vermieter auf Hiddensee stellen ihren Gästen im Hafen Handwagen zur Verfügung, in denen sie ihr Gepäck bequem transportieren können. Die Entfernung zwischen den Orten auf Hiddensee ist kurz – sein Auto wird also niemand vermissen. Das gemütlichste Gefährt auf der Insel ist das Pferdefuhrwerk, das individuellste das Fahrrad. Es gibt aber auch einen Linienbus, der die Ortsteile Grieben, Kloster, Vitte und Neuendorf miteinander verbindet. 

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