Drama und Prunk beim Karneval in Venedig

Karneval in Venedig
Karneval in Venedig Foto: Bagal/Pixelio.de

Wer meint, es würde reichen, für den Karneval in Venedig bloß mal eben das Kleine Schwarze überzuwerfen und zum Kostüm erklären, der begeht einen Fauxpas. Einen wirklich, wirklich schlimmen. Denn in dieser Zeit setzt die italienische Stadt auf Drama. Glamour. Und Prunk. Und dazu gehören eben Maske und ein ordentliches Kostüm. Basta!

Karneval in Venedig: Einmal ein anderer sein

Dass die Venezianer unter der Maske mal für eine Weile ganz und gar unerkannt bleiben und Dinge tun können, die sie sonst nicht wagen würden, ist eine andere Geschichte. Eine, die sie von einem gewissen Giacomo Casanova abgeschaut haben.

Ein Fest mit langer Tradition

Früher brauchte man viel Durchhaltevermögen für das Fest – es startete am 6. Januar und ging am Aschermittwoch langsam zu Ende. Heute beschränkt man sich auf zehn Tage. Aber das heißt nicht, dass man weniger Glamour hätte – im Gegenteil. Die Venezianer sind geübt im Karneval-Feiern: Schon im 12. Jahrhundert wurde das Fest begangen und seither jedes Jahr gefeiert, mit Ausnahme der Zeit zwischen 1797 und 1867, als Venedig zu Österreich gehörte. Die Pause sorgte dafür, dass der Karneval in Venedig ein bisschen in Vergessenheit geriet.

Casanova liebte den Karneval

Vorher aber war er ein ausschweifendes Fest mit prachtvollen Kostümen und, nun ja, lockeren Sitten. Das lag nicht zuletzt an Giacomo Casanova, dem die Anonymität durch die Maske sicher sehr gefallen hat.

Neuauflage durch Fellini

Und irgendwie verdankt Venedig auch den heutigen Karneval dem legendären Frauenhelden. Indirekt jedenfalls. Denn er war Hauptfigur in Federico Fellinis Meisterwerk „Casanova“, das eine nie gekannte Begeisterung für den Karneval auslöste.

Die Masken, die dramatischen Kostüme und die mystische Umgebung machen das Fest zu etwas ganz Besonderem. Mit dem Fasching in Deutschland jedenfalls hat der Karneval nichts zu tun.

Spektakel auf dem Markusplatz

Ein Großteil der Festivitäten spielen sich auf dem Markusplatz ab. Zehn Tage vor Aschermittwoch wird das Spektakel mit dem sogenannten Engelsflug vom Campaninle der Markuskirche über den Platz eröffnet. Und danach wird gefeiert – mit Theater und Artistik.

Natürlich kommen auch die Besucher prachtvoll kostümiert, sie haben sich lange auf das Fest vorbereitet. Eindrucksvolle Hüte und die Masken sind das Wichtigste. Sie verbergen die Identität der Träger, und jeder kann sein, wer oder was er will. Alter oder sozialer Stand spielen keine Rolle – jeder darf König sein.

Ein Star für ein paar Stunden

Die Verkleidung macht die Menschen zu Stars, jedenfalls für eine Weile. Touristen stürzen sich auf sie, um sie vor der eindrucksvollen Kulisse zu fotografieren. Und wer richtig viel Glück hat, der ergattert vielleicht auch noch einen Preis für eines der schönsten Kostüme.

Ein weiterer Höhepunkt des Karnevals ist die Festa delle Marie, das Marienfest. Es wird in Erinnerung an den Dogen gefeiert, der einst jedes Jahr die schönsten Jungfrauen der Stadt einlud und ihnen Geschenke für ihre Hochzeit gab. Heute schlüpfen zwölf Mädchen in die Rollen dieser Jungfrauen und führen den Marienfest-Umzug an.

Ein Fest der Genüsse

Musik und Kostüme sind wichtig, aber was wäre ein Fest ohne Essen? In den Konditoreien bekommt man Karnevalsgebäck: bunte Hefekringel mit so schönen Namen wie „Buranelli“ oder „Fritelle“ Dazu genießt man „Spritz“, einen orangefarbenen, süßen Cocktails, den die Venezianer mit Hingabe zu sich nehmen.

Jungfrauen und Löwen

Nicht nur der Anfang des Karnevals in Venedig ist spektakulär, auch das Finale wird bombastisch. Die zwölf Jungfrauen empfangen den geflügelten Löwen, das Wahrzeichen der Stadt. Und der fliegt dann auf den Glockenturm.

Eine echte venezianische Maske zum Karneval in Venedig

Ursprünglich kommen die venezianischen Masken aus dem italienischen Theater, der Commedia dell’Arte. Die Technik hat sich kaum geändert, die Maskenmacher arbeiten immer noch nach historischen Vorbildern. Die schönen Stücke bestehen aus Pappe, Holz, Leder und Strass-Steinen und werden von Hand gefertigt. Kein Wunder, dass sie nicht billig sind. Kaufen kann man sie zum Beispiel im Atelier Marega (Campo San Rocco 3046/a), bei Mistero Buffo (Civic Dorsoduro 1645, misterobuffomask.com) oder bei Bluemoon Venice (Giudecca 607, bluemoonvenice.com). Einfach mal stöbern – und dann gleich ausprobieren: beim Karneval in Venedig.


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