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Drama und Prunk beim Karneval in Venedig

Wer meint, es würde genügen, für den Karneval in Venedig einfach das Kleine Schwarze überzuwerfen und zum Kostüm erklären, der begeht einen Fauxpas. Einen wirklich, wirklich schlimmen. Denn in dieser Zeit setzt die italienische Stadt auf Drama. Glamour. Und Prunk. Und dazu gehören eben Maske und ein ordentliches Kostüm. Ganz egal, wie fein das Kleine Schwarze auch sein mag.

Karneval in Venedig: Einmal ein anderer sein

Dass die Venezianer unter der Maske mal für eine Weile ganz und gar unerkannt bleiben und Dinge tun können, die sie sonst nicht wagen würden, ist eine andere Geschichte. Und, nebenbei bemerkt, sehr genießen. In dieser Zeit nämlich verwischen die Grenzen zwischen Arm und Reich, Mann und Frau, mutig und Mauerblümchen – man entscheidet einfach selbst, wer man sein will.

Ein Fest mit langer Tradition

Früher brauchte man viel Durchhaltevermögen für den Karneval – er startete am 6. Januar und ging erst viele Wochen später am Aschermittwoch zu Ende. Heute beschränkt man sich auf zehn Tage (2018: 27. Januar bis 13. Februar unter dem Motto “Creatum Civitas ludens” – lasst uns die spielende Stadt bauen). Aber das heißt nicht, dass man weniger Glamour hätte – im Gegenteil.

Viel Übung im Feiern

Die Venezianer sind geübt im Karneval-Feiern: Schon im 12. Jahrhundert wurde das Fest begangen und seither jedes Jahr gefeiert, mit Ausnahme der Zeit zwischen 1797 und 1867, als die Stadt zu Österreich gehörte. Die Pause sorgte dafür, dass der Karneval in Venedig ein bisschen in Vergessenheit geriet.

Casanova liebte den Karneval

Vorher aber war er ein ausschweifendes Fest mit prachtvollen Kostümen und, nun ja, lockeren Sitten. Das lag nicht zuletzt an Giacomo Casanova, dem die Anonymität durch die Maske sicher sehr gefallen hat.

Neuauflage durch Fellini

Und irgendwie verdankt Venedig auch den heutigen Karneval dem legendären Frauenhelden. Indirekt jedenfalls. Denn er war Hauptfigur in Federico Fellinis filmischem Meisterwerk “Casanova”, das 1976 eine neue Begeisterung für den Karneval auslöste und dafür sorgten, dass die Stadt während des Karnevals von Touristen noch mehr als sonst überrannt wird.

Aber ein Besuch lohnt sich. Denn die Masken, die dramatischen Kostüme und die mystische Umgebung machen das Fest zu etwas ganz Besonderem. Mit dem Fasching in Deutschland jedenfalls hat der Karneval nichts zu tun.

Spektakel auf dem Markusplatz

Besonders viel los ist am Markusplatz. Schon am 27. Januar gab es einen Umzug mit geschmückten Booten, eine Woche später findet die Festa delle Marie statt. Und zehn Tage vor Aschermittwoch wird der Karneval in Venedig mit dem sogenannten Engelsflug vom Campanile der Markuskirche über den Platz offiziell eröffnet. Und danach wird gefeiert – mit Theater und Artistik.

Masken und Hüte sind das Wichtigste

Natürlich kommen auch die Besucher prachtvoll kostümiert, sie haben sich lange auf das Fest vorbereitet. Eindrucksvolle Hüte und die Masken sind das Wichtigste. Sie verbergen die Identität der Träger, und jeder kann sein, wer oder was er will. Alter oder sozialer Stand spielen keine Rolle – jeder darf König sein.

Ein Star für ein paar Stunden

Die Verkleidung macht die Menschen zu Stars, jedenfalls für eine Weile. Touristen stürzen sich auf sie, um sie vor der eindrucksvollen Kulisse zu fotografieren. Und wer richtig viel Glück hat, der ergattert vielleicht auch noch einen Preis für eines der schönsten Kostüme.

Festa delle Marie mit zwölf jungen Mädchen

Ein Höhepunkt des Karnevals ist die schon erwähnte Festa delle Marie, das Marienfest. Es wird in Erinnerung an den Dogen gefeiert, der einst jedes Jahr die schönsten Jungfrauen der Stadt einlud und ihnen Geschenke für ihre Hochzeit gab. Heute schlüpfen zwölf Mädchen in die Rollen dieser Jungfrauen und führen den Marienfest-Umzug an.

Ein Fest der Genüsse

Musik und Kostüme sind wichtig, aber was wäre ein Fest ohne Essen? In den Konditoreien bekommt man Karnevalsgebäck: bunte Hefekringel mit so schönen Namen wie „Buranelli“ oder „Fritelle“. Dazu genießt man “Spritz”, einen Cocktail aus weißem Schaumwein, Sodawasser und Campari, Cynar oder Aperol, den die Venezianer mit Hingabe zu sich nehmen.

Jungfrauen und Löwen

Nicht nur der Anfang des Karnevals in Venedig ist spektakulär, auch das Finale wird bombastisch. Die zwölf Jungfrauen empfangen den geflügelten Löwen, das Wahrzeichen der Stadt. Und der fliegt dann beim “Volo de Leone”, dem Abflug des Löwen, auf den Glockenturm.

Masken nach historischen Vorbildern

Die venezianischen Masken kommen ursprünglich aus dem italienischen Theater, der Commedia dell’Arte des 16. bis 18. Jahrhunderts. Die Technik hat sich kaum geändert, die Maskenmacher arbeiten immer noch nach historischen Vorbildern. Die schönen Stücke bestehen aus Pappe, Holz, Leder und Strass-Steinen und werden von Hand gefertigt.

Maskenkauf für den Karneval in Venedig

Kein Wunder, dass sie nicht billig sind – für eine aufwändige Maske kann man schon mal 170 Euro und mehr zahlen, einfachere gibt es für knapp 60 Euro. Kaufen kann man sie zum Beispiel im Atelier Marega (Campo San Rocco 3046/a), bei Mistero Buffo (Civic Dorsoduro 1645) oder bei Papiermache (Castello 5174/b – 5175). Einfach mal stöbern – und dann die neue Maske gleich ausprobieren: beim Karneval in Venedig.

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