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Altmodisch? Von wegen: Spannendes über Kneipp-Kuren

Eisiges Wasser ist nicht jedermanns Sache, aber es kann richtig gesund sein. Und wer bisher der Meinung war, dass eine Kneipp-Kur nur etwas für Senioren und ansonsten langweilig sei, der sollte das Wassertreten mal ausprobieren. Ja, der erste Moment, wenn die strumpfwarmen Füße ins Wasser tauchen, ist brutal. Aber nach einer Weile geschieht etwas Erstaunliches: Der ganze Körper wird warm.

Kneipp-Kur, der gesunde Kältereiz

Der Kältereiz soll die Durchblutung fördern, das Immunsystem stärken (was in Corona-Zeiten besonders wichtig ist) und den Kreislauf anregen. Sebastian Kneipp, der Erfinder dieser Kur, hat die Wirkung selbst ausprobiert. 1894 erkrankte der bayerische Priester an Tuberkulose. Irgendwann fiel ihm ein Buch über Wassertherapie in die Hände und er begann, regelmäßig in der eiskalten Donau zu baden – immer nur ein paar Sekunden. Wenig später war er geheilt.

Sebastian Kneipp und die Cholera

Das brachte Kneipp dazu, sich immer mehr Wissen über diese Therapie anzueignen. Er behandelte seine ersten Patienten und hatte so großen Erfolg damit, dass er sogar Ärger mit Apothekern bekam – sie fürchteten um ihr Geschäft. Das ging so weit, dass er sogar eine Erklärung unterschreiben musste, dass er auch solche Kranke nicht behandeln dürfe, die keine ärztliche Hilfe mehr fanden. Aber dann gab es in Oberbayern eine Cholera-Epidemie, und Kneipp setzte sich in dieser Notlage über das Verbot hinweg. Mit seiner Methode soll er 42 Menschenleben gerettet haben. Er war es auch, der die ersten Kurgäste nach Bad Wörishofen im Allgäu lockte.

Empfang beim Papst

Kneipp wurde international bekannt, sogar der Papst empfing ihn. Noch heute ist er als Wasserdoktor eine Institution, Kneipp-Kuren gibt es überall in Deutschland, inzwischen haben sich sogar Schulen und Kindergärten zertifizieren lassen und lassen Kinder zum Beispiel barfuß durch Schnee laufen. In Bad Wörishofen gibt es ein Kneippmuseum, das an den Wasserdoktor erinnert. Und natürlich ist Kneippen wie viele Wellnessformen auch bei Prominenten beliebt.

 Güsse, Bäder und Barfußlaufen

Übrigens ist das Wassertreten nur eine der Anwendungen einer Kneipp-Kur. Auch Güsse und Teilbäder, Wechselbäder, Wickel, Dampfbehandlungen, Vollwertkost, Barfußlaufen und die Behandlung mit Heilpflanzen gehören dazu. Und wer beim Gedanken an nackte Füße im Schnee oder Eiswasser zu bibbern beginnt, dem sei gesagt: Nach kurzer Zeit werden die Beine wohlig warm – vorausgesetzt, der Kältereiz ist kurz und man trocknet die Füße danach gut ab.

Hilfe bei Abwehrschwäche

In vielen Kurorten gibt es Kneipp-Angebote, darunter in Bad Wörishofen, wo die Methode auch als erfolgreiche Anti-Aging-Form angeboten wird. Generell hilft Kneippen gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Abwehrschwäche, Bronchitis und orthopädische Probleme, Ärzte verordnen die Therapie aber auch bei Zuckerkrankheit, Übergewicht, Bluthochdruck oder Venenentzündungen.

Kneipp-“Kur” für zuhause

Wer nicht gleich eine komplette Kur machen möchte, kann auch zuhause kneippen. Einfach die Füße für einen Augenblick in eine Schüssel mit eiskaltem Wasser tauchen und danach in warmes Wasser wechseln. Etwas Mut braucht man für heiß-kalte Wechselduschen – aber auch sie sind ein gutes Mittel, um (fast) erkältungsfrei durchs Jahr zu kommen.

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