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Rügens Wahrzeichen: die Kreidefelsen

Unablässig nagen Wind und Wetter an den Kreidefelsen auf Rügen. Ihrer Anziehungskraft schadet das nicht – sie sind eines der beliebtesten Ziele auf der Insel. Und eine Wanderung auf dem schönen Weg oben an der Steilküste lohnt sich wirklich sehr.

Die Kreidefelsen, wie Caspar David Friedrich sie sah

Schon früher zogen die weißen Felsen Künstler in ihren Bann. Einer davon war Caspar David Friedrich, und das Gemälde, das er schuf, zählt heute zu den wichtigsten Werken der Romantik.

Die Wissower Klinken haben sich verändert

Allerdings kann man den Blick, den er um 1818 hatte, heute nicht mehr genießen. Denn seither sind immer wieder Stücke der Steilküste abgebrochen. 2010 traf es auch die markanteste Felsformation, die Wissower Klinken zwischen Sassnitz und dem 118 Meter hohen Königsstuhl.

Königsstuhl und Buchenwald

Sehenswert sind die weißen Felsen aber immer noch. Sie erstrecken sich auf 15 Kilometern Länge zwischen Sassnitz und Lohme – als Teil des Nationalparks Jasmund. Die Felsen ragen bis zu 120 Meter empor, der berühmteste ist der  Königsstuhl, über den man im Nationalparkzentrum Königsstuhl viel erfahren kann. Informiert wird dort aber nicht nur über die Kreidefelsen Rügens, sondern auch über den eindrucksvollen Buchenwald in dem Gebiet, der (wie der Grumsin in Brandenburg oder der Kellerwald in Hessen) zum Unesco-Weltnaturerbe gehört.

Reizvoller Hochuferweg

Auf dem wunderschönen Hochuferweg kann man die Steilküste besonders gut erkunden, und man hat einen herrlichen Blick auf die Felsen und das teilweise türkisfarbene Wasser der Ostsee. Der Weg startet in Sassnitz (am Parkplatz Tierpark, Stubbenkammerweg). Zum Königsstuhl sind es etwa acht, bis nach Lohme 13 Kilometer. Markiert ist der Weg mit einem blauen Querstreifen auf weißem Grund. Infos mit Wegführung unter dem rot unterlegten Link.

Immer am Strand entlang

Auch einen Stranduferweg gibt es, der vom Hafen oder der Altstadt von Sassnitz aus erst auf der Strandpromenade und dann am Strand entlang Richtung Norden führt – bei schlechtem Wetter sollte man allerdings vorsichtig sein, denn immer wieder brechen Felsteile ab.

Geführte Wanderungen ab Sassnitz und Lohme

Wer nicht so gern alleine wandert, für den sich die geführten Wanderungen rund um die Kreidefelsen ein gutes Angebot.  Zwischen 1. Mai und 30. September gibt es immer sonntags „Panoramawandern auf den Kreidefelsen“. Treffpunkt ist um 11 Uhr am Buswendeplatz Wedding am Ortsende von Sassnitz, die Wanderung dauert etwa anderthalb Stunden.

Durch den Buchenwald

Außerdem werden zwischen 1. Mai und 30. September täglich um 13.30 Uhr Rundwanderungen in der Stubbenkammer angeboten – Start ist die Infostele am Königsstuhl (am Zugang zur Viktoriasicht). Von Lohme aus führen im gleichen Zeitraum mittwochs Wanderungen durch den Buchenwald zum Königsstuhl (Treff: 11 Uhr am Haus des Gastes, „Haus Linde“ in Lohme), und donnerstags gibt es geführte Wanderungen vom Parkplatz in Hagen durch den Buchenwald zum Königsstuhl (Treffpunkt: 11 Uhr).

Spektakuläre Schiffstour

Eine weitere Möglichkeit ist eine Tour mit dem Schiff entlang der atemberaubenden Kreidefelsenküste vor der Insel Rügen – eine bessere Sicht kann man sich kaum vorstellen. Und wer lieber wandern möchte, aber den Rückweg scheut, der kann einen Bus nehmen – es gibt regelmäßige Verbindungen zwischen Sassnitz und dem Königsstuhl. Dafür lohnt sich z.B. das Königsstuhl-Ticket.

Guter Service: der Wanderbus

Der Pendelbus verbindet den Großparkplatz Hagen mit dem Nationalpark-Zentrum Königsstuhl und Sassnitz. Alle Haltestellen werden im Sommer zwischen 9 und 19 Uhr etwa alle 30 Minuten angefahren, im Winter einmal pro Stunde. Auch die Linie 20 fährt regelmäßig den Parkplatz Waldhalle nahe des Nationalparkzentrums an. Das Shuttleticket Königsstuhl kostet 11,50, für eine Familie bzw. Minigruppe 25 Euro. Wer ein Königsstuhl-Ticket für 18 (Familien 36 Euro) kauft, fährt kostenlos mit den VVR-Bussen auf Rügen, auch der Eintritt ins Nationalparkzentrum ist inbegriffen.

Eine Landschaft, die Künstler inspiriert hat

Die Landschaft der Kreidefelsen auf Rügen begeisterte nicht nur Maler. Auch andere Künstler holten sich hier Inspiration: Gerhart Hauptmann zum Beispiel, an den auf Hiddensee ein Museum erinnert, hatte eine besondere Vorliebe für das Dorf Lohme und schrieb: „Ja, wer da flieht dem Lärm der Welt,/ wer Ruhe für das Beste hält,/ wer – wenn er durch die Wälder streift -/ die Schönheit der Natur begreift,/ wer – wenn die Sonne untergeht -/ auf hohen Ufern träumend steht,/ der hat gewiss in solchen Stunden/ was er in Lohme sucht – gefunden.“

„Effi Briest“ in Lohme

Der kleine Ort im Norden war nicht nur Urlaubsziel von Gerhart Hauptmann, sondern auch von Theodor Fontane. Der besuchte ihn bei der Recherche für sein Werk „Effi Briest“ und verglich ihn spontan mit dem italienischen Küstenort Sorrent – und die Sonnenuntergänge mit denen bei Capri. Ob der Vergleich passend ist, muss aber jeder für sich selbst entscheiden.

Orte für Maler

Lohme hat ebenfalls eine Steilküste, und von dort hat man sogar einen guten Blickk zum Kap Arkona. Kein Wunder, dass man auch hier häufig Malern begegnet, die die Aussicht bei Lohme auf Leinwand festhalten. Zu den beliebtesten Mal-Orten gehören die  Wissower Klinken, die Victoria-Sicht, die Ernst-Moritz-Arndt-Sicht, die Piratenschlucht und der Kieler Bach.

Wo sich Caspar David Friedrich inspirieren ließ

Lange glaubte man, dass die Wissower Klinken die Vorlage für Caspar David Friedrichs Gemälde „Kreidefelsen auf Rügen“ waren. Heute weiß man es besser: Zu Zeiten des Künstlers existierten die Klinken noch gar nicht. Man vermutet, dass das Gemälde an der Kleinen Stubbenkammer, südlich der Victoria-Sicht, entstanden ist.

Auf der Suche nach Hühnergöttern

Wer auf dem Hochweg entlangwandert, kann an einigen Stellen über Treppen zum Strand gelangen. Dort suchen Spaziergänger nach Hühnergöttern (Steine mit durchgehenden Löchern) und Donnerkeilen (versteinerte Tintenfische). Manchmal sogar mit Erfolg.

Großartiger Buchenwald

Angesichts der Felsküste kommt manchmal der Buchenwald im Nationalpark Jasmund, dem kleinsten Nationalpark Deutschlands, zu kurz. Aber man sollte auch ihn kennenlernen, denn er ist großartig. Er reicht von Sassnitz bis Lohme. Zum Schutzgebiet gehören neben dem Uferbereich auch noch die Buchenwälder  des Hochjasmunds und das Waldgebiet der Stubnitz mit Mooren und Bachläufen.

Romantisch und mystisch: der Herthasee

Unbedingt besuchen sollte man den verträumten Herthasee, den man vom Parkplatz Hagen aus gut erreichen kann. Am Nordostufer finden sich Reste der Herthaburg aus dem 8. bis 12. Jahrhundert, und wer den See bei trübem Wetter anschaut, um den sich Legenden über die Göttin Hertha ranken, der genießt die Gänsehaut, die das stille Gewässer verursacht.

Infos zum Parken

Wer die Kreidefelsen besuchen möchte, kann sein Auto auf dem großen (kostenpflichtigen) Parkplatz mit 500 Plätzen und 40 Wohnwagen-Stellflächen in Hagen (Stubbenkammerstraße 57) abstellen. Er liegt ungefähr drei Kilometer vom Königsstuhl entfernt. Parken kostet pro Stunde 1,50 Euro, das Tagesticket ist für 5,50 Euro zu haben. Wer auf dem Parkplatz in seinem Wohnmobil übernachten möchte, zahlt 10,50 Euro (es gibt auch Duschen: Marken: 1 Euro).

Wanderweg ab Parkplatz Hagen

Vom Parkplatz aus gibt es einen ausgeschilderten Wanderweg zum Königsstuhl, aber man kann auch mit dem schon erwähnten Pendelbus der Linie 19 bzw. mit den Bussen 14, 20 und 23 zum Nationalparkzentrum fahren. Die Busse dürfen direkt vor dem Zentrum halten, für Autos herrscht dort Parkverbot.

Von Sassnitz zu den Kreidefelsen

Auch in Sassnitz gibt es einen Parkplatz (kostenpflichtig, er heißt „Tierpark am Nationalpark“ und liegt am Ortsausgang). Die Busstation dort heißt Abzweig Waldhalle, Busse fahren direkt zum Nationalparkzentrum. Vor Ort sollte man sich Zeit lassen. Denn neben der großartigen Landschaft mit Buchenwald und Kreidefelsen ist auch das Nationalparkzentrumsehr sehenswert!

Infos über den Nationalpark Jasmund

Kurzfilm über den Buchenwald

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