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Lehde: Spreewaldgurken und Kahnanschluss

Eine Tour nach Lehde ist wie eine Reise in eine andere Zeit. Denn in dem Spreewalddorf gibt es nicht nur fast keine Autos, sondern Häuser, in denen es zugeht wie zu Urgroßmutters Zeiten. Der kleine Ort nämlich ist ein lebendiges Museum, das den Spreewald in seiner ursprünglichen Form zeigt. Und lebendig stimmt im Wortsinn: In Lehde wird noch immer gelebt und gearbeitet.

Lehde: erst seit 1929 per Straße zu erreichen

Etwa 130 Menschen wohnen in Lehde, das 1315 zum ersten Mal erwähnt wurde. Ihr Alltag sieht ein bisschen anders aus als der in Nachbardörfern. Eine Straße gibt es erst seit 1929, vorher war Lehde nur per Kahn zu erreichen. Wer genau guckt, sieht das noch heute, denn die Eingänge der Häuser sind immer noch zum Wasser hin ausgerichtet, und der Kahn ist auch nach wie vor das wichtigste Verkehrsmittel. Mit ihm werden nicht nur Menschen transportiert, sondern auch Kühe, die Heu-Ernte und die Post. Die kommt stilecht in einem gelben Kahn mit aufgemaltem Posthorn.

Wohnen auf kleinen Inseln

Leicht hatten es die Menschen in Lehde früher nicht. Denn das Gebiet wurde regelmäßig überschwemmt. Die  Häuser stehen deshalb auf den vielen Inseln des Dorfes, den Kaupen. Nasse Füße gab es trotzdem immer wieder, und auch die Äcker, Gärten und Weiden standen oft unter Wasser. Und genauso oft mussten die Menschen mit Dürre leben, die ihre Ernte ebenfalls gefährdete und oft genug zerstörte.

Eine Lagunenstadt im Miniformat

Erst der Tourismus änderte einiges für die Menschen. Lehde hat sich zu einer der Hauptattraktionen des Spreewaldes entwickelt, und das verdankt der Ort auch Theodor Fontane. Der „märkische Wanderer“ nannte Lehde nicht ohne Grund eine „Lagunenstadt im Taschenformat, ein Venedig, wie es vor 1500 Jahren gewesen sein mag.“ Wer diesen Ort betritt, empfindet genauso.

Blicke in Urgroßmutters Schlafzimmer

Wenn man Lehde besucht, kommt man – natürlich – mit dem Kahn. Das Dorf ist seit 1973 Ortsteil von Lübbenau, und von dort aus kann man es auch erreichen. Und geht dann auf Entdeckungstour. Zu sehen gibt es viel. Die Kahnbauerei, die Carl Richter 1884 erbaute, zum Beispiel, die heute Teil des Freilandmuseums ist. Oder die drei Höfe mit Wohnbereichen, Ställen und Kahnschuppen. Sie sind liebevoll eingerichtet wie zu Urgroßmutters Zeiten, mit vielen Details, über die man manchmal schmunzeln muss (von der Bettpfanne bis zur altmodischen Wärmflasche).

Auf den Spuren der Spreewaldgurke

Natürlich geht es in Lehde auch um die Nationalspeise des Spreewaldes, die Gurke. Ihm wurde ein eigenes Gurkenmuseum gewidmet. Hier erfährt man, welche Rolle der Anbau und die Verarbeitung der Gurke im Spreewald spielt. Kosten darf man natürlich auch (Adresse: An der Dolzke 4+6, Lehde, Info: spreewald-starick.de). Und wer noch mehr mit der Gurke zu tun haben möchte, der sollte eine Tour auf dem Gurkenradweg machen, der an Lehde vorbeiführt.

Die Küche des Spreewaldes

Unbedingt aber sollte man durch das Dorf selbst wandern. Über schmale Brücken gelangt man von Ufer zu Ufer, zu Wohnhäusern mit Schilfdach und üppigen Gärten drumherum. Viele Bauwerke stehen unter Denkmalschutz und sind zauberhafte Fotomotive. Einkehren kann man natürlich in Lehde auch. Zum Beispiel im Gasthaus „Fröhlicher Hecht“ (Dorfstraße 1; April bis Nov., tägl. ab 9 Uhr, Dezember bis März je nach Wetter), im Café Venedig (An der Lischka 1; tgl. geöffnet oder dem Gasthaus „Kaupen No. 6“ (Kaupen 6; April bis Oktober, unterschiedliche Öffnungszeiten), alles Lokale, die Spreewälder Spezialitäten wie Gurkensalat, Kartoffeln mit Quark und Leinöl oder Hecht mit Spreewaldsauce anbieten.

Meerrettich vom Kahnbauern

Wer sehen möchte, wie ein Spreewaldkahn entsteht, der kann Blicke in die Werkstatt von Karl Koal werfen, der die Boote nach alter Technik herstellt und die Frage beantwortet, wie man ein Holzbrett biegen kann, ohne es zu zerbrechen. 600 Kähne hat er schon gebaut. Meerrettichverarbeiter ist Koal auch noch. Und ein Spreewälder Original. Kaufen kann man die pikante Leckerei zum Beispiel in Schwerdtners Spreewaldmarkt (Dammstraße 81 in Lübbenau).

Eine Region mit zwei Sprachen

Wer sich in Lehde über das Wort „Ledy“ auf dem Ortsschild wundert, der kann im Dorf viel über die sorbischen Traditionen lernen. Das Wort ist nämlich die sorbische Form des Ortsnamens. Heutzutage sorgen die Menschen im Spreewald behutsam dafür, dass die Sprache nicht aus der Erinnerung verschwindet – viele Orte in der Region haben deshalb heute die sorbische und die deutsche Version des Ortsnamens auf dem Straßenschild. Ähnlich wichtig ist die Tracht, die man manchmal noch auf den Straßen sieht und die zu Festen ausgeführt wird. Auch Traditionen und Handwerke wie das Gestalten sorbischer Ostereier (traumhaft schön!!) und das Weben von Stoffen, die Produktion von Körben und Holzschuhen werden in Lehde lebendig gehalten.

Lehde – Infos für Besucher

  • Anfahrt: ab Lübbenau auf den Straßen Schlossbezirk und Lehdischer Weg nach Lehde (Achtung: nur wenige Parkplätze im Ort) oder vom Großen Hafen in Lübbenau per Kahn
  • Spreewaldmuseum Lehde: An der Giglitza 1a, Lübbenau OT Lehde, geöffnet April (bzw. Ostern) bis September, tgl. 10-18 Uhr; Oktober, tgl. 10-17 Uhr; Eintritt 5, erm. 3,50 Euro, Kinder bis 16 J. 1 Euro. Führungen tgl. 11.30 und 15.30 Uhr
  • Lehde im Internet: www.spreewald-lehde.de (mit Unterkünften, Gastronomie, Kahnfahrten)

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