Prachtvolle Schlösser und wilde Natur an der Loire

Loire Chenonceau
Chenonceau an der Loire

Chenonceau und Blois, Chambord, Azay le Rideau und Amboise – die Schlösser an der Loire tragen Namen, die wie Schmuckstücke klingen. Und wer sie sieht, braucht eine Weile, bis er sich sattgesehen hat an den vielen Details, den Türmchen, Giebeln, Fenstern und Mauern. Deshalb braucht man Zeit für diese Region an Frankreichs längstem Fluss.

Die Quelle der Loire liegt im Zentralmassiv

Vorab ein kleiner Abstecher zur Quelle der Loire, die im Zentralmassiv an den Hängen des Mont Gerbier-de-Jonc liegt. Dort ist sie kaum mehr als ein Rinnsal, aber sie braucht nicht lange, bis sie breit und eindrucksvoll wird. Bis sie nach 1012 Kilometern in den Atlantik mündet, passiert sie Städte wie Saint-Etienne und Orléans, Tours, Angers, Nantes und Saint-Nazaire. Sie durchfließt Landschaftsparadiese wie der Naturpark Loire-Anjou-Tourraine und verändert immer wieder ihre Form. Wild ist sie und darf es sein – es gibt nur bei Rouanne einige Hochwasserschutzdämme.

Könige bauten Sommerschlösser in der schönen Landschaft

Die Landschaft ist so lieblich, dass man die Könige, die einst ihre Schlösser bauen ließen, sofort verstehen kann. Denn die Loire, so scheint es, ist immer genau dort, wo es am schönsten ist. Es gibt steile Ufer und verträumte grüne Bereiche, mal fließt sie breit und behäbig, mal eilig dahin. Auf 800 Kilometern Länge kann man sie auf dem Loire-Radweg begleiten – eine herrliche Strecke, die so beliebt ist, dass sich Pensionen ganz selbstverständlich auf radelnde Gäste eingestellt haben. Fachsimpeleien am Frühstückstisch gehören dort zum Alltag, und man bekommt alles vom Flickzeug bis zum Lunchpaket. Einen trockenen Abstellplatz sowieso.

Wohnen mit Blick aufs Wasser

Die Könige hatten natürlich andere Verkehrsmittel. Und es scheint, dass sie sich gegenseitig übertrumpfen wollten mit ihren Schlössern. 400 gibt es zwischen Orléans und Nantes, die meisten liegen direkt an der Loire oder an einem der Nebenflüsse wie Indre und Cher. Ursprünglich standen an der Loire, die einst Grenzfluss zwischen englisch und französisch besetzten Gebieten war, viele Festungen – ein Großteil davon wurde zum Fundament für die heute noch bestehenden Schlösser.

Mildes Klima lockte den Adel an

Der Adel hatte nämlich bemerkt, wie mild das Klima in der Loire-Region ist, und er verliebte sich in die liebliche Landschaft. Mondäne Sommersitze entstanden, die noch heute die Besucher in ihren Bann ziehen.

Die schönsten Schlösser

Einige davon sind spektakulär. Amboise etwa, das direkt an der Loire auf einem Felsplateau steht und in dem sich einst eine Verschwörung gegen den 16jährigen Franz II. abspielte. In der Nachbarschaft entstand das Schlösschen Clos Lucé, das durch einen unterirdischen Gang mit Amboise verbunden ist und in dem lange Zeit Leonardo da Vinci lebte (Info/Adresse Amboise: 37400 Amboise, tgl. geöffnet, www.chateau-amboise.com/de).

Verschwörung in Blois

Mit Verschwörungen kennt man sich auch in Blois aus. Im Schloss, in dem im Laufe der Jahrhunderte sieben Könige und zehn Königinnen lebten, wurde 1588 der Herzog von Guise ermordet. Auftraggeber war Heinrich III. (Info/Adresse Blois: 6 Place du Château, 41000 Blois, tgl. geöffnet, www.chateaudeblois.fr).

Chenonceau, das Schloss der Frauen

Ein wundervolles Bauwerk ist Schloss Chenonceau, das auf einer Brücke über dem Fluss Cher thront und sich auf eindrucksvolle Weise im Wasser spiegelt. Hauptsächlich Frauen wohnten in Chenonceau, darunter Katharine de Medici – sie alle haben ihre gestalterischen Vorlieben einfließen lassen. Besucher staunen heute über flämische Tapisserien und über Gemälde von Tintoretto, Rubens und anderen großen Meistern. (Info/Adresse Chenonceau: 37150 Chenonceau, tgl. geöffnet, www.chenonceau.com)

Zauberhaftes Azay-le-Rideau

Mein persönliches Lieblingsschloss ist Azay-le-Rideau. Honoré de Balzac beschrieb es einst als „geschliffener, facettenreicher Diamant, gepresst im Indre, auf durch Blumen verborgenes Pfahlwerk erhoben…“ – die Schwärmerei ist völlig berechtigt, finde ich. Das Schlösschen, das nach seinem Bauherrn, dem Ritter Ridel d’Azay benannt ist, verströmt mediterrane Leichtigkeit und Pracht zugleich. Und wer einmal die Spiegelung des Bauwerks im Wasser gesehen hat, der ist sowieso verliebt… (Info/Adresse Azay-le-Rideau: Rue de Pineau, 37190 Azay-le-Rideau, unterschiedliche Öffnungszeiten, www.azay-le-rideau.monuments-nationaux.fr).

Märchenschloss in XXL: Chambord

Gewaltig und prachtvoll ist Schloss Chambord, das mit seinen unzähligen Türmchen und Schornsteinen den Vorstellungen eines Märchenschlosses schon sehr nahe kommt. 440 Zimmer gibt es auf Chambord, das eines der größten Schlösser an der Loire ist und nicht unbedingt Bescheidenheit ausstrahlt: 1800 Arbeiter, so heißt es, sollen 25 Jahre mit dem Bau beschäftigt gewesen sein. Dabei hielt sich der jeweilige König immer nur ein paar Wochen im Jahr dort auf und nahm die Möbel immer wieder mit. Die Zeit nutzte aber zumindest der Sonnenkönig Ludwig XIV. gut – mit gewaltigen Festlichkeiten.

Eine Treppe, auf der man sich nicht begegnet

Spektakulärstes Detail von Schloss Chambord ist die doppelläufige Treppe, die aus zwei ineinandergreifenden Wendeltreppen besteht. Wenn zwei Besucher die unterschiedlichen Treppenläufe betreten, begegnen sie sich nicht. Die Idee zur Treppe soll, wie es heißt, der große Leonardo da Vinci geliefert haben. Aber auch der Rest des Schlosses ist großartig, und wer Zeit hat, sollte auch noch den riesigen Park besuchen, der Chambord umgibt. (Info/Adresse Chambord: 41250 Chambord, tgl. geöffnet, www.chambord.org/de).

Schlösser, Spitzenweine und Sternen-Küche

Das waren natürlich längst nicht alle Schlösser der Loire. Saumur und Beauregard, Chaumont, Cheverny, Langlais, Ussé – man könnte sich monatelang in der Region aufhalten und immer wieder neue Schlösser entdecken. Aber man sollte sich auch noch Zeit nehmen für das, was die Region ebenfalls berühmt gemacht hat: die Gastronomie. Es gibt Spitzenweine (Regionen Anjou-Saumur, Pays Nantais, Touraine und Coeur de France), einen extrem begehrten Schaumwein namens Crémant de Loire, der der Grund dafür ist, dass die Region heute auf Platz zwei der Schaumwein-Produzenten hinter der Champagne steht. Und es gibt Restaurants, die Gourmets selig machen, etwa Les Frères Troisgros in Ronne, das seit 1968 drei Michelin-Sterne trägt.

Ein Urlaub in der Region lohnt sich also aus ziemlich vielen Gründen – und wer kommt, fühlt sich an der Loire auch heute noch ein bisschen wie ein König. Bloß ohne eigenes Schloss…

Loire – Infos

  • Anfahrt: ab Paris auf der A10 bis Orléans, D951 oder D2152 in Richtung Blois
  • Karte der Schlösser: unter dem rot unterlegten Link
  • Schlösser der Loire im Internet: http://schloesser-der-loire.com/
  • Unterkünfte: u.a. www.chateaux-de-la-loire.fr, www.france-voyage.com


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