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Memleben: alte Kaiserpfalz an der Straße der Romanik

Nicht einmal 1000 Menschen wohnen in Memleben, und wer durch den kleinen Ort an der Unstrut in Sachsen-Anhalt hindurchfährt, könnte glatt an der wichtigsten Sehenswürdigkeit vorbeifahren, ohne sie überhaupt wahrzunehmen. Wer hätte auch gedacht, dass sich hinter hohen Mauern die Reste eines Bauwerks verbergen, in diesem Ort früher Kaiser und Könige ein- und ausgingen? Ein Besuch in der historischen Kaiserpfalz lohnt sich.

Memleben: Wohnort der Könige

Memleben
Memleben Foto: Silke Böttcher

Memleben liegt an der Straße der Romanik, und wer den um das Jahr 800 herum zum ersten Mal urkundlich erwähnten Ort heute besucht, der braucht viel Vorstellungskraft. Die Kaiserpfalz, in der die Könige Heinrich I. und Otto I. (Letzterer war ab dem Jahr 962 römisch-deutscher Kaiser) ein- und ausgingen, ist verschwunden, aber es gibt noch Spuren einer aus dem zehnten Jahrhundert stammenden Abteikirche.

Die hatte Kaiser Otto II. erbauen lassen, nachdem sein Vater Otto I. (der Große) 973 in Memleben gestorben war. Im Gedenken an den Vater gründeten Otto II. und seine Frau Theophanu in Memleben ein Benediktinerkloster.

Auch Heinrich I. starb in Memleben, der König erlag 936 vermutlich einem Schlaganfall. Sein Leichnam wurde im Vorgängerbau der heutigen Stiftskirche St. Servatius in Quedlinburg beigesetzt.

Bedeutendes Benediktinerkloster

Das Benediktinerkloster in Memleben wurde zu einer bedeutenden Reichsabtei. Das änderte sich unter Heinrich II. Der Nachfolger von Otto III. entzog dem Kloster im Jahre 1015 sämtliche Rechte – der Niedergang begann.

Führung über das Klostergelände

Wer Memleben besucht, sollte unbedingt an einer Führung teilnehmen. Dabei nämlich erfährt man nicht nur sehr viel über den Ort, sondern sieht auch Dinge, die man beim Durchstreifen auf eigene Faust gar nicht wahrnehmen würde. Auch eine Einführung in königliche Gewohnheiten gibt es: Die Bezeichnung “Pfalz” zum Beispiel erklärt, dass die gekrönten Häupter nicht ständig in Memleben wohnten – sie reisten durch ihr Reich und hatten an verschiedenen Orten Königs- oder Kaiserpfalzen, in denen sie während des Aufenthaltes an einem Ort wohnten.

Reste einer Kirche aus dem 10. Jahrhundert

Grundriss der Kirche aus dem 10. Jahrhundert
Grundriss der alten Kirche

Bei der Führung über das Gelände kommt man auch zu den Überresten der Kirche aus dem zehnten Jahrhundert. Von einem Aussichtspunkt auf dem Klostergelände aus haben Besucher eine gute Sicht auf die wenigen erhaltenen Mauerfragmente.

Der Grundriss des historischen Bauwerks wurde mit Steinen nachgezeichnet (siehe Foto links), und so kann man die gewaltigen Dimensionen des einstigen Gotteshauses gut nachempfinden: Es maß stolze 82 mal 39,5 Meter und ist mit dem Vorgängerbau des Kölner Doms vergleichbar!

Eindrucksvoller Klostergarten

Auf dem Gelände stehen auch noch die Reste einer kleinen Klosterkirche, die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut wurde, übrigens mit Steinen aus der älteren Kirche. Die Seitenwände sind erhalten, das Dach fehlt. Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche abgetragen und die Steine für den Bau von Nebengebäuden genutzt. 

Umgeben ist die Ruine von üppigem Grün des Klostergartens, der einem mittelalterlichen Garten nachempfunden wurde – Erinnerung daran, dass viele Klöster unabhängig lebten und sich mit Lebensmitteln selbst versorgten. Auch die Rohstoffe für Farben und Tinten wurden im Garten angebaut.

Stille in der spätromanischen Krypta

Krypta in Memleben
Krypta in Memleben

Reizvollstes Detail der Klosteranlage ist die spätromanische Krypta, die vollständig und original erhalten ist. Zeitweise wurde der Raum als Kartoffel-Lager genutzt. Das mag jetzt respektlos klingen, aber die ständige Nutzung sorgte dafür, dass der Raum noch in gutem Zustand ist.

Heute wird die Krypta als Ort der Stille genutzt, an dem gelegentlich auch Konzerte oder Hochzeiten stattfinden. In dem nur durch kleine Fenster (und Kerzen) beleuchteten Raum mit den schlanken Säulen herrscht eine beinahe meditative Stimmung.

Mönche zu Gast in Memleben

Von der Krypta aus geht es in Richtung Klausur (der Begriff bezeichnet den abgegrenzten Bereich der Ordens-Angehörigen). Vorbei an einer großen alten Kastanie und hinein in die Gebäude, in denen noch einige mittelalterliche Substanz steckt. In der Sakristei wird über die Baugeschichte des Klosterbezirks informiert, in anderen Gebäudeteilen gibt es Ausstellungen über Otto den Großen, den Klosteralltag und die Buchherstellung in ottonischer Zeit. Im Klosterladen kann man Produkte aus der Region kaufen.

Wer beim Besuch der Klosteranlage plötzlich glaubt, Mönche singen zu hören, der könnte Recht haben: Heute ist Memleben kein Kloster mehr, aber regelmäßig sind Benediktiner aus Münsterschwarzach bei Würzburg zu Besuch. Wenn sie nicht singen, laden sie zu Gebeten und Gesprächsrunden ein.

Memleben: Infos

  • Adresse: Thomas-Müntzer-Str. 48, 06642 Kaiserpfalz OT Memleben
  • Telefon:  034672/60274
  • Öffnungszeiten: 15. März bis 31. Oktober, tgl. 10-18 Uhr, 1. Nov. bis 14. März, tgl. 10-16 Uhr (nur Außenanlage)
  • Führungen: sonnabends, 11.30 Uhr
  • Anfahrt: A 38 Richtung Leipzig bis Ausfahrt Eisleben, weiter B180 Richtung Querfurt, hinter Querfurt auf die B250 nach Nebra und weiter bis Memleben. Bahn: Bahnhof Naumburg, mit der Burgenlandbahn weiter nach Nebra (die Arche Nebra erinnert an den spektakulären Fund der Himmelsscheibe von Nebra)  und von dort mit einem Bus der Kupfer-Wein-Linie nach Memleben
  • Eintritt: 8, Schüler/Studenten 5 Euro
  • Internet:  www.kloster-memleben.de

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