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Mont-Saint-Michel – ein Meisterwerk der Baukunst

So richtig gemütlich hatten es die Mönche nicht, die früher in der Abtei Mont-Saint-Michel gewohnt haben. Zugig und kalt muss es gewesen sein. Was einer Wärmeanbeterin wie mir natürlich sofort auffällt. Aber das großartige Bauwerk lenkt von solchen Gedanken sofort wieder ab. Und die Frage: Wie schafft man es, ein solches Meisterwerk auf eine Felseninsel zu setzen?

Mont-Saint-Michel: 3,5 Millionen Besucher pro Jahr

Mont-Saint-Michel ist aber nicht nur eine Abtei, sondern auch eine Siedlung. 41 Menschen leben hier, auch einige Mönche gehören dazu. Was einsamer klingt, als es ist: Pro Jahr kommen nämlich ungefähr 3,5 Millionen Menschen auf die Insel, die etwa einen Kilometer vom Festland entfernt liegt und zum Welterbe der Unesco gehört.

Abstecher zu La Mère Poulard

Die meisten Besucher wandern im Sommer durch die Häuser und Straßen – wer es also etwas ruhiger mag, sollte im Frühjahr oder Herbst kommen. Oder bei Regen. Dann hat man auch eine Ausrede, um vor der Besichtigung der Abtei einen kleinen Abstecher zu machen. Zu La Mère Poulard, einem Hotel-Restaurant mit Shop, in dem man die leckersten Biskuits bekommt, die man sich vorstellen kann.

Normannisches Gebäck und ein legendäres Omelette

Die Namensgeberin Mère Poulard hat 1888 ein Gasthaus auf dem Mont-Saint Michel eröffnet und dort unter anderem normannisches Gebäck kreiert – Galettes, Cookies, Palets Citron… Nebenbei, im Restaurant, gibt es die Spezialität des Hauses, das Omelette de la mère Poulard, das gefühlte eine Million Kalorien enthält, aber La Mère weltberühmt gemacht hat.

Ein Erzengel befahl den Bau der Abtei

Anschließend ist es aber Zeit, die schmalen Gassen zu erkunden und die Abtei kennenzulernen. Über deren Entstehung gibt es eine Legende. Die besagt, dass dem Bischof Aubert von Avranches im Jahr 708 der Erzengel Michael erschien und ihn mit dem Bau einer Kirche beauftragte.

Die Arbeiten dauerten über 500 Jahre

Was entstand, war ein vergleichsweise einfaches Gebäude. Im 11. Jahrhundert begann der Bau der heute noch bestehenden Abtei und der Gebäude drumherum. Die Arbeiten dauerten über 500 Jahre, und der Komplex wurde zeitweise zur Festung. Schließlich war die Lage der Felseninsel in der Baie de Mont-Saint-Michel auch strategisch bedeutend.

Eine Abtei mit drei Ebenen

Die Gebäude der Abtei erstrecken sich über drei Ebenen. Die gewaltige Abteikirche, das Dormitorium, das Refektorium, der Kreuzgang – ein Bauwerk ist eindrucksvoller als das andere. Und man sollte sich Zeit lassen, um sie zu besichtigen. Der Bau aber, der mich am meisten fasziniert hat, ist der Rittersaal, der möglicherweise mal das Skriptorium des Klosters war. Gewaltige Säulen stützen die Decke.

Tolle Sicht vom Festland auf die Insel

Genießen sollte man auch den Weg von und zur Insel. Denn sie ist von weitem zu sehen – mal wirkt es, als säße der Fels auf einer Wiese, mal weit im Meer. Überall finden sich Gelegenheiten, den großartigen Komplex zu fotografieren.

Die Bucht wird renaturiert

Seit 1969 führte ein Straßendamm auf die Felseninsel – mit ungeplanten Folgen: Die Bucht drohte zu verlanden, weil die Zirkulation des Wassers gebremst wurde. Deshalb begann 2006 die Renaturierung, zu der der Bau einer Stauanlage am Fluss Vouesnon gehört. Sie soll bewirken, dass der Fluss die Sedimente innerhalb der nächsten zehn Jahre aus der Bucht schwemmt.

Neuer Weg zum Berg

2014 entstand eine neue Verbindung zum Berg, die aus einem Damm, einer Brücke und einer Furt besteht. Besucher können miterleben, wie die Gezeiten den Blick auf Mont-Saint-Michel verändern. Bei Ebbe zieht sich das Meer bis zu 15 Kilometer zurück.

Mit dem Pendelbus zur Abtei

Seit 2013 gibt es außerdem eine neue Anfahrt samt neuem Parkplatz in zweieinhalb Kilometern Entfernung. Autos wurden also von der Insel verbannt, und Touristen können sich mit dem Pendelbus (Gebühren im Parkplatz-Preis inbegriffen, Mitnahme von Hunden nicht gestattet) oder der Pferdekutsche (gebührenpflichtig) zum Berg fahren lassen. Wer mag, erreicht den Mont-Saint-Michel auch zu Fuß – bei Ebbe wie bei Flut.

Wunderbare Fotomotive

Eile sollte man nicht haben, wenn man auf der Insel unterwegs ist. Sondern immer wieder und überall anhalten. Denn die Pespektiven und Winkel auf der ganzen Insel sind großartig. Man könnte hunderte Fotos machen, ohne sich zu langweilen. Einer, der das auf ganz besondere Weise getan hat, ist der britische Fotograf Michael Kenna. Seine Schwarz-Weiß-Aufnahmen entstanden ganz früh am Morgen oder in der Nacht, zu Zeiten, in denen keine Menschen unterwegs waren.

Wenn es still wird am Mont-Saint-Michel

Das sind vielleicht auch die Momente, in denen der Mont-Saint-Michel sein Geheimnis preisgibt. Ich hatte Glück: Bei meinem Besuch hingen die Wolken so tief, dass sich viele Touristen etwas anderes vornahmen. Und so konnte ich ein bisschen etwas von der besonderen Atmosphäre dieses Ortes spüren. Die Blicke über die Dächer aufs aufgewühlte Meer, auf Nebelschwaden und das nasse Pflaster lassen ahnen, wie es sich hier angefühlt haben muss – damals, als es noch ein kleines Abenteuer war, den Berg zu erreichen.

Mont-Saint-Michel – Infos

  • Anreise mit dem Auto: A11 Richtung Le Mans – Laval, Ausfahrt Fougères, Richtung Mont-Saint-Michel. A13 Richtung Caen und A84 Richtung Mont-Saint-Michel.
  • Parken: neuer Platz (ausgeschildert); von dort mit dem Pendelbus „Le Passeur“ bis 350 Meter vor die Befestigungsmauern. Fahrzeiten: 7.30 bis 1 Uhr nachts, Fahrzeit: zwölf Minuten. Parkgebühren: 11,70 Euro (Tagesticket), weitere Gebühren unter dem rot unterlegten Link
  • Touristeninformationszentrum: auf dem Parkplatz, geöffnet tgl. 9-19 Uhr
  • Unterkünfte: unter dem rot unterlegten Link
  • Informationen über die Abtei: www.abbaye-mont-saint-michel.fr

 

Ein weiteres faszinierendes Bauwerk in Frankreich: Pont du Gard

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