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Montmartre: „Ich liebe Dich“ in 250 Sprachen

Er ist der charmanteste Hügel in Paris: der Montmartre. Das liegt an den Bauwerken, die auf ihm stehen. An den verwinkelten Gassen. Und an der Place du Tertre mit den Karikaturisten, kleinen Geschäften und Cafés. Die Künstler wissen das schon lange – und bei Touristen ist das Viertel, das im Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ eine Rolle spielte, auch längst kein Geheimtipp mehr. Dem Charme hat die Zuneigung nicht geschadet. Zum Glück.

Montmartre im Schatten von Sacré Coeur

Manche sagen einfach 18. Arrondissement zum Montmartre – das Gebiet im Norden von Paris, dessen Name sich vermutlich aus „Mons Martis“ (Marshügel) entwickelt hat, umfasst den Hügel und die Straßen drumherum. Aber Montmartre klingt besser – nach Geschichte und Lebenskunst. Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist die schneeweiße Kirche Sacré Coeur, von der aus man einen grandiosen Blick über die Stadt hat. Passenderweise ist sie auch noch die romantischste Kirche der Stadt.

Nur im Hochsommer hält sich die Romantik schon sehr in Grenzen, denn der Andrang der Menschen erdrückt die Kirche dann beinahe. Nur am Vormittag und gegen Abend ist es leerer.

Funiculaire oder steile Treppe

Ja, man kann mit einer Standseilbahn (Funiculaire de Montmartre) auf den Berg fahren. Das dauert etwa anderthalb Minuten, aber das ist nur das halbe Vergnügen. Der Aufstieg über die steilen Treppen (237 Stufen) lohnt sich nämlich sehr, auch wenn er ziemlich anstrengend ist.

Fahrt mit der Funiculaire – und viel Musik

Oben kann man auf den Stufen vor dem Gotteshaus eine Pause einlegen und ist in guter Gesellschaft: Im Sommer ist der Platz bevölkert von jungen Leuten, die den unterschiedlichsten Musikanten zuhören. Wer doch lieber mit der Seilbahn fahren möchte: Infos Funiculaire de Montmartre: tgl. 6 bis 0.45 Uhr, ab Metrostation Anvers ausgeschildert, Verbindung zwischen Place St. Pierre und Place Suzanne Valadon. Für die Nutzung der Seilbahn gelten Metrotickets (T+-Ticket, 1,70 Euro).

Die Place du Tertre und ihre Karikaturisten

Das Herz von Montmartre schlägt auf der Place du Tertre, einem Platz, der nur wenige hundert Meter von der Sacré Coeur entfernt liegt. Kleine Geschäfte, Cafés und Restaurants säumen den Platz, auf dem viele Zeichner ihre Staffeleien aufgestellt haben und Karikaturen von Besuchern anfertigen.

Genuss am frühen Morgen: französisches Frühstück

Wer vor elf Uhr morgens kommt, umgeht den Ansturm der Touristen und kann ein gemütliches französisches Frühstück mit Café au Lait und Croissant genießen, während er dem Treiben auf der Straße zusieht. Abends sind viele Touristen wieder verschwunden – auch dann wird es gemütlich auf dem Platz.

Besuch bei Salvador Dalí

Wer dann noch bleibt, der hofft auf einen freien Tisch in einem der vielen Lokale und genießt die Atmosphäre des Viertels mit Musik und rauer Freundlichkeit – wer hier keinen Kontakt knüpft, dem ist wirklich nicht zu helfen. Kunstliebhaber machen noch einen Abstecher zum Espace Dalí, wo 300 Werke von Salvador Dalí ausgestellt sind (Adresse: 11 Rue Poulbot, geöffnet tgl. 10-18 Uhr, Juli/August bis 20 Uhr. Eintritt 11,50, erm. 6,50 Euro, Info: daliparis.com/en).

Zeitreise ins alte Paris

Mit seinen schmalen Gassen, den vielen Treppen und hübschen Plätzen wirkt Paris am Montmartre ein bisschen wie zu alten Zeiten. Kein Wunder, dass das Viertel schon im 19. Jahrhundert Künstler wie Pablo Picasso, Henri Matisse, Vincent van Gogh, Auguste Renoir, Henri de Toulouse-Lautrec, Georges Braque und Amedeo Modigliani magisch angezogen hat. Ein bisschen konnte das Viertel diese Atmosphäre bewahren – noch heute lieben auch Künstler den Montmartre.

Eine Legende: Moulin Rouge

Eines der Überbleibsel aus der Künstlerzeit ist Moulin Rouge. Das legendäre Kabarett ist auch von außen spektakulär – die 1889 erbaute rote Mühle kann man von weitem sehen.

Die Mühlen vom Montmartre

Übrigens ist Moulin Rouge nicht die einzige Mühle am Montmartre. Früher standen zehn davon auf dem Hügel, heute gibt es neben Moulin Rouge (die jünger ist als die ursprünglichen Mühlen) immerhin noch zwei: Le Moulin Blûte-Fin von 1622 (sie wurde auch schon von Vincent van Gogh im Gemälde festgehalten und heißt heute Le Moulin de la Galette) und Le Moulin Radet von 1717. Sie stehen an der Rue Lepic bzw. der Rue Girardon und sind sehr sehenwert.

Friedhof der Künstler

Wer Montmartre besucht, sollte unbedingt einen Abstecher zum Friedhof Cimetière de Montmartre an der Avenue Rachel (Hausnummer 20, nächste Metro-Stationen: La Fourche und Blanche) machen. Der ist vielleicht nicht ganz so berühmt wie Père Lachaise, aber als letzte Ruhestätte von Künstlern wie Heinrich Heine, Jacques Offenbach, Hector Berlioz, Francois Truffaut, Edgar Degas, Stendhal und Emile Zola trotzdem sehr bedeutend.

„Ich liebe Dich“ – in 250 Sprachen

Und dann gibt es noch einen Ort für all jene, die mit einer neuen Liebe in Paris sind und nicht so richtig wissen, wie sie ihre Gefühle äußern sollen: Le Mur des Je t’aime – die Ich-liebe-dich-Mauer. Die steht an der Square des Abbesses in einem Park (Square Jehan Rictus) und wurde von Fréderic Baron und Claire Kito erschaffen.

612 Emaille-Kacheln und ein paar rote Splitter

Die beiden haben auf 612 Emaille-Kacheln 311mal „ich liebe dich“ an eine Mauer geschrieben – in 250 Sprachen und Dialekten. Einige rote Splitter finden sich auch – sie würden zusammengelegt ein Herz bilden – die Splitter stehen für die auseinandergerissene Menschheit, die durch die Mauer vereint werden soll. Man muss allerdings ein bisschen suchen, bis man die Mauer findet – aber die Suche lohnt sich! Denn Montmartre hat viel mit Liebe zu tun.

Besuch bei Amélie Poulain

Das liegt auch an Amélie Poulain, der Hauptfigur aus dem zauberhaften Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Wer rund um den Montmartre unterwegs ist, erkennt viele Gassen und Gebäude. Der Obst- und Gemüseladen „Maison Collignon“ in der Rue Ravignan, zum Beispiel (dort erinnert sogar eine Tafel an den Film). Und wer das Café les deux Moulins in der Rue Lepic betritt, der ist erwartet beinahe, dass ihm Amélie den petit café serviert – das Lokal hat sich kaum verändert. Auch das macht den Montmartre so besonders.

Montmartre – so kommen Sie hin

Metrostationen in der Nähe: Abbesses, Blanche (nahe Moulin Rouge), Pigalle, Anvers und Lamarck-Caulaincourt (im Norden). Kürzester Weg ab Station Anvers, hinter dem Boulevard de Rocheouart in die Rue de Steinkerque bis zur Place Saint-Pierre

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