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Nordkap: Besuch am gefühlten Ende der Welt

Das Nordkap in Norwegen, das gefühlte Ende der Welt, hüllt sich gern in Nebel. Was schon ziemlich enttäuschend sein kann, denn jeder Urlauber kommt mit einer ganz bestimmten Vorstellung, wie es denn wohl am offiziell nördlichsten Punkt Europas aussieht. Nebelwände gehören nicht dazu. Wer aber das Glück hat, einen sonnigen Tag zu erwischen, der genießt einen Anblick, den er so schnell nicht vergessen wird.

Das Nordkap und andere nördliche Punkte

Um es gleich mal vorwegzunehmen: Das Norkap ist gar nicht der wirklich nördlichste Punkt Europas. Es gibt nämlich drei andere Stellen in der Nähe, die noch etwas weiter nördlich liegen –  abgesehen davon, dass man dort nicht gut hinkommt, sind das Kleinigkeiten, mit denen sich kein Tourist befasst. Auf ein paar hundert Meter mehr oder weniger kommt es hier oben nun wirklich nicht mehr an. Touristisch erschlossen ist ohnehin nur das Nordkap.

Ein Felsplateau, 2100 Kilometer vom Nordpol entfernt

Wenn man es ganz streng nimmt, ist das Kap im äußersten Norden Norwegens einfach nur ein Schieferplateau, das 300 Meter aus dem Eismeer ragt. Wer an diesem Punkt steht, befindet sich 1400 Kilometer (Luftlinie) nördlich von Oslo, 514 Kilometer nördlich des Polarkreises und 2100 Kilometer vom Nordpol entfernt. Und wirklich gemütlich ist es hier nicht: Das Nordkap ist ein windiger und unwirtlicher Ort aus Stein, an dem es nur ein paar Moose, Grasbüschel und Flechten aushalten. Und die 200.000 Touristen im Jahr, die lange Wege in Kauf nehmen, um im unglücklichsten Fall direkt auf die Nebelschwaden zu gucken.

Das gefühlte Ende der Welt

Egal wie karg es ist, und egal, ob Nebelschwaden wabern: Vom Nordkap geht eine eigenartige Faszination aus. Wenn man vom Plateau aus in die Tiefe guckt (oder bei klarem Wetter in die unendliche Weite des Meeres), spürt man tatsächlich so ein Ende-der-Welt-Gefühl. Das nächste Stück Land, der Nordpol, ist schließlich mehr als 2000 Kilometer entfernt. Viel zu weit, um es sich bildlich vorzustellen. Aber weit genug, um die Phantasie anzuregen.

Der erste Tourist kam 1664

Kein Wunder, dass dieser Punkt die Menschen schon immer fasziniert hat. 1664, so heißt es, kam der erste Tourist, ein italienischer Priester. Aber es dauerte noch bis 1893, bis die Besucherzahlen größer wurden. Grund waren die (Post-)Schiffe der Hurtigruten, die seit jenem Jahr an der Küste Norwegens entlang Richtung Norden fuhren.

Unterwassertunnel und Nordkapstraße

Heute ist die Anreise immer noch lang, aber man kann mit dem Auto fahren. Seit 1956 gibt es eine Straße, die vom Städtchen Honningsvåg zum Nordkap führt. 1999 wurde zudem ein 6,8 Kilometer langer Unterwassertunnel in Betrieb genommen, der das Festland mit der Nordkap-Insel Magerøya verbindet.

Eine schmale Straße mit vielen Kurven

Spannender aber ist der altmodische Weg mit der Fähre vom Festland nach Honningsvåg – so fühlt man sich tatsächlich auf einer Insel, wenn man von Bord geht. Von der kleinen Stadt aus sind es auf der Nordkapstraße noch einmal 33,3 Kilometer bis zum Nordkap. Die Fahrzeit von etwa einer halben Stunde erklärt sich dadurch, dass die Straße zum Ende hin schmal, steil und kurvig ist. Also doch noch ein kleines Abenteuer.

Die Nordkaphalle wurde in den Fels gebaut

Das Besucherzentrum Nordkaphalle wurde im Jahr 1958 erbaut. Seit 1978 markiert außerdem eine Weltkugel-Plastik, der sogenannte Globus, das geographische Ende Europas. Mittlerweile ist das Nordkap-Plateau touristisch voll erschlossen. In der modernen, teilweise in den Fels gebauten Nordkaphalle gibt es das nördlichste Postamt der Welt mit sehr begehrten Briefmarken, eine Kapelle und einen Souvenirshop.

Nordkap-Sekt und thailändisches Museum

Außerdem gibt es Restaurants und Cafés, die Grotten- und die Aurora-Borealis-Bar, in denen man Nordkap-Sekt genießt (und damit die seit 1861 bestehende Tradition des Champagnergenusses am Nordkap pflegt) und ein Thailändisches Museum, das an den Besuch des thailändischen Königs Chulalongkorn von Siam im Jahr 1907 erinnert.

Bei Nebel genießt man die Landschaft im Film

Wer bei ungünstigem Wetter kommt und die Aussicht nicht in natura genießen kann (also nur Nebelschwaden sieht), der sollte sich unbedingt den Panoramafilm ansehen, der die Landschaft zu allen Jahreszeiten zeigt – nebelfrei. Natürlich kann man von der Halle aus auch aufs und übers Nordkap schauen. Das wahre Abenteuer aber erlebt man draußen, mit dem Blick aufs Meer und dem wilden Wetter, das am Anorak zerrt und daran erinnert, dass man hier dem Nordpol näher ist als an den meisten Punkten der Welt.

Nordkap – Infos

  • Öffnungszeiten Nordkaphalle: 18. Mai-17. August, tgl. 11-1 Uhr; 18.-31. August, tgl. 11-22 Uhr; 1. September-17. Mai, tgl. 11-15 Uhr
  • Eintritt: 270 NOK (knapp 30 Euro) für alle Angebote am Nordkap (Parken, Panoramafilm Ausstellungen, Besuch der Grotte), Kinder bis 15 J. 95 NOK (10,50 Euro), Info: www.visitnordkapp.net/de
  • Übernachtung: Hotel Scandic Honningsvag (Info: rica-hotels.com); Nordkap-Camping (Info: nordkappcamping.no)
  • Anreise: Flughäfen gibt es in Alta und Lakselv (werden angeflogen von SAS und Norwegian), von dort weiter mit dem Bus. Man kann auch mit der Bahn nach Narvik fahren und mit dem Bus weiter. Vom 1. Mai bis 21. August gibt es tägliche Busverbindungen zum Nordkap. Fahrpläne und Infos: www.177finnmark.no
  • Auto: E 96, die Insel Mageroya erreicht man durch den Unterwassertunnel, weiter auf der Nordkapstraße. Parkplätze sind am Nordkap vorhanden

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