Literatur, my little luxury

Otfried Preußler und die Phantasie

Otfried Preußler (Foto: Francis König) hat der Welt so zauberhafte Wesen wie das Kleine Gespenst, die Kleine Hexe und Krabat geschenkt. Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ein Mensch erwachsen werden soll, ohne den „Räuber Hotzenplotz“ oder „Krabat“ gelesen zu haben. Heute wäre der 2013 verstorbene Geschichtenerzähler, der am 20. Oktober 1923 als Otfried Syrowatka in Reichenberg (Tschechische Republik) geboren wurde, 94 Jahre alt geworden, und Google widmet ihm aus diesem Anlass ein „Doodle“.

Otfried Preußlers erstes „Kind“: der kleine Wassermann

Schuld daran, dass Preußler zum Schriftsteller wurde, waren Schüler. Die schwierigen, unruhigen, die er als Volksschullehrer in Oberbayern unterrichtete. Denn immer dann, wenn sie besonders unruhig waren, erzählte er ihnen Geschichten. Die schrieb er auf, und irgendwann begann er, sie zu veröffentlichen. Das erste hieß „Der kleine Wassermann“ – und beim ersten Verlag, dem er es anbot, stieß es auf wenig Begeisterung.

35 Bücher und viele Preise

Märchen, so sagte man ihm, seien nicht gefragt, er möge doch bitte Umweltgeschichten schreiben. Bei Thienemann hatte er Glück – und der Verlag ebenfalls. Denn das Buch wurde ein großer Erfolg, und im Laufe seines Lebens schrieb er noch 34 weitere, für einige wurde er mit Kinderbuchpreisen ausgezeichnet. Die Werke wurden in mehr als 50 Sprachen übersetzt und stehen seither in so ziemlich jedem Kinderzimmer.

Bücher gegen „Fertigware“

Action sucht man in den Büchern vergeblich, dafür findet man unendlich viel Phantasie.Und die ist heute besonders wichtig. Kinder, so sagte Otfried Preußler einmal, haben es schwerer, Phantasie zu entwickeln. Dies ist ein Gebiet, auf dem ich ihnen mit meinen Büchern helfen möchte, weil die Kinder heutzutage mit allzu viel Fertigware überschwemmt werden.“

Der Phantasie freien Raum geben

Eine Ursache sah Preußler im Fernsehen: „Alle Menschen, die Kinder liebhaben, sollten da gegensteuern, indem sie ihnen ausreichend Gelegenheit verschaffen, ihrer Phantasie freien Raum zu geben, sie spielerisch einzuüben. Ich für meinen Teil versuche das mit meinen Büchern.“

Spannende Verfilmungen

Viele davon wurden liebevoll verfilmt, etwa „Räuber Hotzenplotz“ mit Armin Rohde in der Hauptrolle, „Krabat“ mit David Kross, Daniel Brühl und Robert Stadlober und „Das Kleine Gespenst“ mit Uwe Ochsenknecht und Herbert Knaup.

Besonderes Lese-Erlebnis

Aber so schön die Filme sind: Das Lese-Erlebnis können sie nicht ersetzen. Denn Preußler hat einen ganz besonderen Erzähl-Stil, der es dem Leser ganz leicht macht, den Wassermann mit den grünen Haaren und der Fischschuppenhose, die mutige kleine Hexe und all die anderen vor dem geistigen Auge lebendiger werden zu lassen als es ein Film vermag.

Otfried Preußlers Bücher sind zeitlos

Zeitlos sind die Geschichten, die zum Teil ja schon 1956 entstanden sind, noch dazu. Und das gilt auch für die Illustrationen und Buchumschläge, die heute immer noch die gleichen sind. Viele davon stammen von Winnie Gebhardt-Gayler (1929-2014), die auch die Buchumschläge gestaltet hat, für den Räuber Hotzenplotz war Franz-Josef Tripp (1015-1978) zuständig.

 

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