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Pfaueninsel: Wo Berlin magisch ist

Inseln gibt es einige in Berlin, aber nur eine lockt mit einem schneeweißen Schloss, exotischen Vögeln und sogar einem bisschen Magie: die Pfaueninsel. Zwar kann man hier nicht übernachten, aber ein Ausflug lohnt sich. Schon weil man hier ganz und gar vergessen kann, dass man in einer Weltstadt ist. Infos für den Besuch finden Sie am Ende dieses Textes.

Die Pfaueninsel ist nur per Fähre zu erreichen

67 Hektar ist die wald- und wiesenreiche Pfaueninsel groß, und schon früher diente sie als Sommerfrische. Abstand von der großen Stadt bekommt man ganz automatisch, denn wer die Havel-Insel besuchen will, der muss eine Fähre besteigen. Empfangen wird er von einem dichten Schilfgürtel, 300 uralten Eichen (eine davon mit Tür – siehe Foto -, die die Phantasie anregt) und überhaupt sehr viel Grün.

Lenné schuf den Landschaftspark am Schloss

In der Nähe des Schlosses gibt es einen Landschaftspark, den Peter Joseph Lenné ab 1821 erschaffen hat, außerdem ist die Insel seit 1924 Naturschutzgebiet mit den schon erwähnten alten Eichen, seltenen Pflanzen- und Tierarten. Sogar der überaus seltene Pirol, ein leuchtend gelber Vogel mit eindrucksvoller Stimme, ist auf der Pfaueninsel zu hören.

Die Pfauen laufen frei herum

Die namengebenden Pfauen gibt es auch auf der Insel, die früher Kaninchenwerder hieß (der Große Kurfürst hatte dort eine Kaninchenzucht angelegt). Aber es gibt auch Dokumente aus der Zeit des Kurfürsten, in denen der Name „Pfau-Werder“ oder auch „Pau-Werder“ steht, obwohl damals noch keine Pfauen auf der Insel lebten. Heute kann man ihnen begegnen – die großen Vögel laufen frei auf der Pfaueninsel herum.

Das Wahrzeichen der Insel

Für die passende Romantik sorgt das schon erwähnte Schloss, das Friedrich Wilhelm II. 1794 im Stil einer Ruine erbauen ließ. Der Monarch, so heißt es, soll schon als Kronprinz romantische Abenteuer mit Wilhelmine Encke, der Tochter eines Hoftrompeters, auf der Insel erlebt haben. 1793 kaufte er das Einland und beauftragte den Hofzimmermeister Johann Gottlieb Brendel mit dem Bau des Schlosses, das der König selbst entworfen hatte.

Festsaal in der Meierei

Wilhelmine, später Wilhelmine Gräfin von Lichtenau, kümmerte sich um die Innengestaltung. Die Ausstattung von einst ist heute noch erhalten. Er soll es auch gewesen sein, der die Pfauen auf die Insel brachte. Das Schloss ist nicht das einzige Gebäude auf der Pfaueninsel. Etwas entfernt steht die Meierei, die an die Ruine eines gotischen Klosters erinnert. Blickfang ist ein wunderschöner stuckverzierter Festsaal.

Ein Iglu für verderbliche Lebensmittel

Aus späterer Zeit stammt das Küchenhaus mit der pyramidenförmigen „Eiskute“, einem Holz-Iglu, in dem verderbliche Lebensmittel aufbewahrt wurden. Das Kavalierhaus im spätgotischen Baustil steht seit 1804 auf der Insel, 25 Jahre später schuf Karl Friedrich Schinkel ein Schweizerhaus.

Borkenhaus und “Royal Louise”

Zu den weiteren Bauwerken gehören ein Portikus, das Kastellanhaus am Fähranleger, der Beelitzer Jagdchirm (ein Unterstand, der vollständig mit Borke verkleidet ist und aus dessen Schutz heraus früher Wasservögel gejagt wurden), ein Fregattenschuppen, in dem ein Nachbau des prachtvollen Segelschiffes „Royal Louise“ den Winter verbringt, und eine Menagerie, in der die Tiere untergebracht wurden, die Friedrich Wilhelm III. auf die Insel bringen ließ.

Sommerfrische für drei Tage

Die lebendige Sammlung diente übrigens nach dem Tod des Königs als Grundstock für den Zoologischen Garten Berlin. Schon früher ließen die blaublütigen Besitzer immer wieder Berliner auf die Insel. An drei Tagen pro Woche durfte jeder übersetzen und die Sommerfrische genießen

Die Insel gehört zum Unesco-Welterbe

Heute sind nur noch die Bauwerke der Könige vorhanden und die Insel, die seit 1990 zum Unsesco-Weltkulturerbe gehört, ist täglich zugänglich. Wer sie besucht, kann zwischen vielen Wegen wählen, die die Bauwerke miteinander verbinden. Vorbei an gestalteten Flächen geht es durch Wälder, vorbei an knorrigen Bäumen und dem 1989 wiederhergestellten Rosengarten zu Feuchtgebieten, in denen seit einigen Jahren Wasserbüffel das Gras kurz halten.

Der Alchemist Johann Kunckel

Wer genau guckt, der findet vielleicht auch noch die Spuren des geheimnisvollen Alchimisten Johann Kunckel*. Der lebte zwischen 1630 und 1703 und seine Geschichte liest sich wie ein Fantasy-Roman: Kunckel versuchte, so heißt es, im Auftrag des Kurfürsten von Sachsen Gold herzustellen. Er experimentierte mit Phosphor und schuf kostbares Rubinglas und war damit so erfolgreich, dass ihm der Kurfürst 1685 die Pfaueninsel schenkte – in der Hoffnung, dass irgendwann doch Gold entstehen könnte.

Ein Feuer, eine Anklage und ein Gedenkstein

In einer Glashütte machte sich Kunkel ans Werk. Dass dabei gelegentlich schwarze Rauchschwaden entstanden, die über der Insel schwebten, sorgte für Getuschel. Solange der Kurfürst seine schützende Hand über dem Alchimisten hielt, konnte Kunckel weiterarbeiten, aber als ein kurfürstlicher Nachfolger ins Amt kam, änderte sich der Lage. 1689 brannte die Glashütte ab und der Alchimist wurde angeklagt… Die Behauptung, dass Kunckel in mancher Nacht mit glühenden Augen über die Insel geistere, kann an dieser Stelle allerdings nicht bestätigt werden. Heute erinnern ein Gedenkstein und eine Tafel am einstigen Standort der Hütte an der Ostseite der Insel an den Alchimisten. 

Pfaueninsel: Infos für Besucher

  • Adresse: Nikolskoer Weg, Zehlendorf
  • Anfahrt: S-Bhf. Wannsee, weiter mit Bus 218 zur Station Pfaueninsel
  • Öffnungszeiten: Nov-Feb, tgl 10-16 Uhr; März/Oktober, tgl. 9-18 Uhr; April/September, 9-19 Uhr; Mai bis August, tgl. 9-20 Uhr – in der Zeit verkehrt auch die Fähre – ungefähr alle 15 Minuten
  • Preise Fähre: 4, erm. 3 Euro; Familienkarte (2 Erwachsene und bis zu 4 Kinder bis 18 J.) 8 Euro
  • Hörstationen: an fünf Orten kann man Toncollagen zu verschiedenen Themen hören. Info: luise.tomis.mobi (für Mobiltelefon – kostenpflichtig – und für den PC – kostenlos)
  • Internet: www.spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/pfaueninsel/

Ein weiterer Artikel über die Pfaueninsel

*Mein Kinder- und Jugendbuch über Johann Kunckel, einen Bankraub und drei ziemlich mutige Kinder

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