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Pippi Langstrumpf – 75 Jahre und immer noch weise

Jeder hat so seine Helden aus der Jugend – Geschöpfe, die ihm in schweren Zeiten beigestanden haben oder einfach Vorbilder waren. Meine Heldin war ein sommersprossige Mädchen aus Schweden: Pippi Langstrumpf. Dass sie in diesem Jahr 75 Jahre alt wird, sieht man ihr nicht an, sie schafft es auch heute noch, mich zum Lächeln zu bringen und daran zu glauben, dass man alles schaffen kann.

Pippi Langstrumpf und der Limonadenbaum

Es kümmert sie nicht, was andere über sie denken – wozu auch? Dabei ist sie perfekt in Plutimikation, baut Flugschiffe und besitzt einen Baum, in dem Limonade wächst. Sie liebt es, rückwärts zu gehen, verschenkt Goldstücke und ist auch sonst sehr, sehr ungewöhnlich.

Ein Leben mit Pferd und Herrn Nilsson

Das schwedische Gör, dessen Lebensstil Kinder zum Träumen bringt und so manchen Pädagogen immer noch in Aufruhr versetzt, haust ohne Eltern in der Villa Kunterbunt, zusammen mit einem Pferd und dem Affen Herr Nilsson. Von Schule will sie nichts wissen – lieber reitet sie mit ihren Freunden Tommi und Annika durch die Welt.

Astrid Lindgrens Traumfigur

Erfunden wurde Pippi Langstrumpf, die mit vollem Namen Pippilotta Viktualia Rollgardina, Pfefferminza, Efraimstochter Langstrumpf heißt (im Film wurde „Pfefferminza“ gegen „Schokominza“ eingetauscht), von der Kinderbuchautorin Astrid Lindgren, deren Phantasie auch weitere Helden wie Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter, Karlsson auf dem Dach, Lotta und viele andere entstammen. Die Bücher wurden in über 60 Sprachen übersetzt und stehen in so ziemlich jedem Kinderbuchregal.

Heldin in Buch und Film

Ich habe ihre Abenteuer als Kind verschlungen und auch die Fernseh-Serie mit Inger Nilsson in der Hauptrolle geliebt. Weil Pippi Langstrumpf auf Konventionen pfeift, Regeln für Vorschläge hält und sich ihre Welt so gestaltet, wie sie ihr gefällt. Sie fühlt sich Erwachsenen nicht unterlegen – im Gegenteil, sie treibt auch Schabernack mit ihnen. Und ist gleichzeit so warmherzig und liebenswürdig, dass man nicht anders kann als sie tief ins Herz zu schließen. Und sie zum Vorbild zu machen. Jedenfalls ein bisschen.

Wildes Mädchen mit Herz für Schwache

Ich bewundere sie für ihren Gerechtigkeitssinn und das große Herz für Schwache, dafür, dass sie ohne Vorschriften lebt und dabei alles andere als egoistisch ist. Dass sie wild und stark ist und die beste Freundin, die man sich nur wünschen kann.

Geschichten für Astrid Lindgrens Tochter

Geboren wurde Pippi im Herbst 1941, an einem Tag, der eigentlich traurig war. Denn Astrid Lindgrens Tochter lag mit Lungenentzündung im Bett. Und forderte die Mutter irgendwann auf: „Erzähl’ mir von Pippi Langstrumpf!“ Der Name war ihr gerade eingefallen. Astrid Lindgren überlegte eine Weile und dachte sich dann zu dem Mädchen mit dem ulkigen Namen eine ulkige Geschichte aus. Auch wie Pippi selbst aussah, wusste sie genau: freche rote Zöpfe, ein kurzes Kittelkleid, Strümpfe in unterschiedlichen Farben. Dazu erschuf sie die Villa Kunterbunt und Mitbewohner wie das Pferd, das auf der Veranda wohnt, und den Affen Herr Nilsson.

Von der Erzählung zum Manuskript

Der kranken Tochter gefiel die Geschichte so gut, dass sie fortan immer mehr von Pippi hören wollte. Und später auch ihre Freunde. Ihre Mutter erzählte und erzählte, aber dabei wäre es womöglich geblieben, wenn sie nicht am 28. März 1944 bei Eisglätte ausgerutscht wäre und sich am Fuß verletzt hätte.

Der erste Verlag lehnte ab

So musste sie zwei Wochen zuhause im Bett verbringen und nutzte die Zeit, um die Abenteuer von Pippi Langstrumpf aufzuschreiben. Damals plante sie nicht, die Geschichte irgendwann zu veröffentlichen, sondern wollte sie nur als Schriftstück ihrer Tochter schenken. Aber dann beschloss sie doch, das Manuskript an einen Verlag zu schicken. Dieser lehnte ab.

Auszeichnungen und das erste Buch

Astrid Lindgren hatte soviel Freude am Schreiben, dass sie das nächste Buch in Angriff nahm („Britt-Mari erleichtert ihr Herz“) und bekam dafür einen Preis. In der Jury saß die Bibliothekarin Elsa Elenius, die so begeistert war, dass sie die Autorin kennenlernen wollte – sie war es auch, die Astrid Lindgren ein Jahr später dazu brachte, das Pippi-Langstrumpf-Manuskript an den Verlag Rabén und Sjögren zu schicken. Mit Erfolg: Das erste Buch erschien am 1. September 1945 (in Deutschland bei Oetinger ein Jahr später). Der Rest ist Geschichte. 

Pippi Langstrumpf macht Kindern Mut

Heute ist Pippi ein Weltstar. Die 75 Jahre sieht man ihr wirklich nicht an. Sie ist immer noch die liebenswert-kecke Rothaarige, die den Mädchen (und Jungen) auf dieser Welt Mut macht, immer sie selbst zu sein.

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