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Rovaniemi und der Weihnachtsmann

Die Kleinstadt Rovaniemi ist nur ein kleines Stück vom Polarkreis entfernt. Dafür liegt die Hauptstadt der finnischen Region Lappland eine gefühlte Weltreise (über 800 Kilometer) von der Hauptstadt Helsinki entfernt. Dass Rovaniemi von der Fläche (8017 Quadratkilometer) her die größte Stadt Europas ist, fällt Besuchern nicht auf – sie wirkt wie eine Kleinstadt, in der sich die 61.500 Einwohner gut verteilen – Platz ist ja genug. Einer von ihnen macht einmal im Jahr auf sich aufmerksam: der Weihnachtsmann. Er wohnt nämlich in der Nähe von Rovaniemi. Doch dazu später.

Rovaniemi: Besuch am Polarkreis

„Napapiiri“ sagen die Finnen, und meinen damit den acht Kilometer von Rovaniemi entfernten Polarkreis, den jeder anguckt, der die Stadt besucht. Zu sehen ist eigentlich nur eine Linie im Asphalt, auf der der Breitengrad eingezeichnet ist.

Einmal über die Linie hüpfen

Ganz korrekt ist die Linie heute nicht mehr, denn der wirkliche Polarkreis hat sich inzwischen 120 Meter nach Norden bewegt (das tut er, weil sich die Neigung der Erdachse verändert, inzwischen verläuft er auf der Breite 66°33′45.9″ nördlich des Äquators). Aber wen interessieren schon solche Banalitäten? Eine Lieblingsbeschäftigung der Touristen ist es, die Linie zu überspringen. Und natürlich ein Foto davon zu machen. 

Wo der Weihnachtsmann wohnt

Ein Ort, durch den der Polarkreis verläuft, ist das “Santa Claus Village” (Foto oben), das glitzerbunte Weihnachtsmanndorf – die wichtigste Attraktion von Rovaniemi. Und das Dorf liegt nicht zufällig an diesem Ort: In Finnland ist man davon überzeugt, dass der Weihnachtsmann ein Landsmann ist.

Vom Berg nach Rovaniemi

Eigentlich heißt es, er wohne im Berg Korvantunturi, der wie ein Ohr geformt ist und die Wünsche der Kinder in aller Welt hören kann. Aber der Berg liegt weit ab von Siedlungen dicht an der russischen Grenze, und deshalb machte man kurzerhand Rovaniemi zum Zweitwohnsitz des Weihnachtsmannes.

Besuch im Weihnachtsmann-Postamt

Seit 1995 gibt es das Weihnachtsdorf, das das ganze Jahr über geöffnet ist und je nach Saison unterschiedliche Angebote hat. Beliebt ist das Weihnachtsmann-Postamt, in dem alljährlich bis zu 700.000 Briefe von Kindern aus der ganzen Welt ankommen. 

Wichtelfabrik und Elfenschule

Das Dorf mit dem dazugehörigen Santa-Park ist ein wunderbares Ziel für Menschen mit Phantasie. Man kann die Kammer des Weihnachtsmannes sehen, eine 400 Quadratmeter umfassende Ausstellung über Weihnachten, Bräuche und Traditionen besuchen und sich über die Spielzeugfabrik der Wichtel informieren.

Im Santa Park begegnet man dem Weihnachtsmann, geht in die Elfenschule, wirft Blicke in das Weihnachtsmann-Büro, bestaunt die Eisgalerie, geht in 50 Metern Tiefe unter dem Polarkreis hindurch und erlebt eine magische Schlittenfahrt.

Übernachten im Weihnachtsmanndorf

Im Weihnachtsmanndorf, zu dem auch ein Snowmobil- und ein Husky-Park gehören, kann man auch übernachten: Es gibt 74 Apartments, und wer mag, bucht den Aufenthalt gleich als Paket (Standard, Classic und Santa-Claus-Paket).

Weihnachtsgefühl und Kommerz

Ein Besuch im Santa Claus-Village verspricht das Weihnachtsgefühl im Schnelldurchlauf. Die Fremdenführer stecken in lustigen Elfenkostümen, dann geht’s ans Plätzchenbacken und Sternebasteln. „Hohohoho“ schallt es aus allen Ecken, und überall glitzert und funkelt es. Ordentlich Kommerz gehört auch dazu: In Souvenirshops bekommt man Plüsch-Rentiere und vieles mehr. Aber dass man dem Weihnachtsmann begegnen kann, fasziniert zumindest kleine Besucher am meisten. 

Besuch in Rovaniemi

Aber man sollte nicht wieder abreisen, ohne Rovaniemi selbst besucht zu haben. Die Stadt entstand  nach dem Zweiten Weltkrieg neu – deutsche Truppen hatten sie beinahe komplett zerstört. Die Bewohner waren vorher glücklicherweise in Sicherheit gebracht worden.

Alvar Aalto erbaute die Stadt neu

Der finnische Stararchitekt Alvar Aalto, der zum Beispiel auch die Finlandia-Halle in Helsinki und das Opernhaus in Essen entwarf, hat die Stadt mit zwei Kollegen 1945 praktisch neu aufgebaut – ihr Grundriss hat die Form eines Rentieres. Man braucht allerdings ein bisschen Phantasie, um das zu erkennen. Mehrere sehenswerte Gebäude in der Stadt stammen aus Aaltos Feder, darunter das Stadthaus und das Kongresszentrum Lappiahaus.

Arktikum informiert über die Samen

Eine weiter Sehenswürdigkeit ist das Arktikum. Das Gebäude, das wie ein Zeigefinger gen Norden weist, beherbergt das Provinzmuseum Lapplands und das Arktische Zentrum, in dem man viel über die indigene Bevölkerung Lapplands, die Samen, erfahren kann. Zu sehen sind die wunderschönen bunten Trachten und Objekte der Handwerkskunst. Adresse: Pohjoisranta 4, Rovaniemi, unterschiedliche Öffnungszeiten (im Schnitt 10-18 Uhr, im Sommer schon ab 9 Uhr. 

Unbedingt besuchen sollte man auch Finnlands älteste Hängebrücke. „Alt“ ist in diesem Fall allerdings relativ, denn die Jätkänkynttillä-Brücke überspannt erst seit 1989 den Ounasjoki. Nachts wird sie beleuchtet und bietet einen sehr romantischen Anblick.

Mitternachtssonne und Dunkelheit

Am Polarkreis kann man im Sommer die Mitternachtssonne erleben – am Tag der Sommersonnenwende geht die Sonne überhaupt nicht unter und in der Zeit davor und danach ist es auch sehr lange hell. Dafür hat man rund um den 21. Dezember das Gegenstück – Tage, an denen die Sonne gar nicht aufgeht. Der Himmel schafft es in dieser Zeit mit Mühe zu einem gelbstichigen Dunkelgrau.

Winter von Oktober bis April

Der finnische Winter ist lang und kalt. In Rovaniemi dauert er von Oktober bis in den April hinein. Minus neun bis minus 15 Grad sind im Januar und Februar ganz normal, aber auch im April und Mai steigt das Thermometer kaum auf zehn Grad, und im September sinkt es auch schon wieder auf zehn, im Oktober auf drei Grad. Juni bis August sind die wärmsten Monate, mit Temperaturen zwischen acht und 19 Grad. In dieser Zeit sind die Finnen ausgelassen wie Südländer.

Snowmobil und Aurora borealis

Dafür fällt im Winter genug Schnee zum Skilaufen, Snowmobil-Fahren und Schlittenhunde-Fahren. Und in dieser Zeit erlebt man mit etwas Glück auch das spektakuläre Polarlicht. „Aurora borealis“ wird das Lichtspektakel genannt, das den Himmel grün, rot und violett färbt. Wer es einmal gesehen hat, wird es nie wieder vergessen.

Rovaniemi: Infos

  • Anreise: Flug ab Helsinki nach Rovaniemi (Flughafen liegt etwa acht Kilometer vom Ort entfernt). Anfahrt auch mit dem Zug ab Helsinki und Turku
  • Info Weihnachtsmanndorf: www.santaclausvillage.info/de
  • Santa ParkTarvantie 1, 96930 Napapiiri, Finnland. Öffnungszeiten: Wintersaison vom 18. November bis 13. Januar, tgl. 10 bis 18 Uhr (24. Dezember bis 16 Uhr), Eintritt Santa Park: 33 Euro, Kinder 27,50 Euro.

Ein YouTube-Video zeigt die Eröffnung der Saison 2017 im Weihnachtsdorf:

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