Studio Ghibli: Traumfabrik für ganz besondere Zeichentrickfilme

Studio Ghibli
Der Katzenbus aus "Mein Nachbar Totoro"

Das Studio Ghibli ist ein Ort, an dem die wunderbarsten Zeichentrickfilme entstehen, die ich kenne. Oder vielmehr Anime-Filme, die japanische Form davon. Den Ort in Japan, an dem es steht (Konagei in der Präfektur Tokio), kennt kaum jemand – dafür aber den Namen dahinter umso besser: Hayao Miyazaki. Der Zeichentrickfilm-Regisseur, Jahrgang 1941, hat nie vergessen, wie es sich anfühlt, Kind zu sein. Und der Welt Filme beschert, die auch sie daran erinnern.

Das Studio Ghibli: liebenswerte, heldenhafte Filmfiguren

Dazu gehören Werke wie „Chihiros Reise ins Zauberland“, „Das Wandelnde Schloss“, Nausicaä“ aus dem Tal der Winde“, „Das Schloss im Himmel“, „Mein Nachbar Totoro“, „Prinzessin Mononoke“, „Ponyo“ und „Arrietty – die wunderbare Welt.

Märchenhafte Geschichten mit Tiefsinn

Wunderschön gezeichnete Filme mit liebenswerten und sehr heldenhaften Figuren, mit Schicksalen, die gemeistert und Herausforderungen, die angenommen werden. Märchenhaft, aber trotzdem mit Tiefsinn – Themen wie Krieg, Umweltzerstörung und Gier spielen eine wichtige Rolle. Eine heile Welt wird im Studio Ghibli nicht herbeigezaubert. Aber die Figuren lassen sich nicht beirren, sondern gehen ihren Weg, ganz egal, wie steinig er auch sein mag.

Herzzerreißend: „Die letzten Glühwürmchen“

Zu den ganz herausragenden Filmen, die im Studio Ghibli entstanden sind, gehört Isao Takahatas „Die letzten Glühwürmchen“, ein herzzerreißender Film über den Zweiten Weltkrieg in Japan. Einer ohne Happy End, der aber deshalb umso mehr aufrüttelt, weil er das Leid der Kinder im Krieg zeigt.

Frischer Wind

Seinen Namen verdankt das Studio Ghibli dem Wüstenwind Gibli, der auch Namenspate für ein Flugzeug im Zweiten Weltkrieg war. Miyazaki, der ein großer Fan der Luftfahrt ist, suchte sich diesen Namen aus, weil er, wie er sagte, „frischen Wind“ in die Anime-Branche bringen wollte. Das ist ihm und seinem Studio gelungen.

Kinderbücher als Vorlage

Der erste Film von Ghibli war „Das Schloss im Himmel“ (1986), manche zählen auch Nausicaä dazu, aber dieser Film entstand ein Jahr vor der Gründung des Studios im Jahr 1985.
Manchmal sind es bekannte Märchen, die das Studio Ghibli zu zauberhaften Zeichentrickfilmen macht. „Arrietty“ zählt dazu – der Film entstand nach der Kinderbuchreihe „Die Borger“ von Mary Norton. „Die Chroniken von Erdsee“ basieren auf der Fantasy-Geschichte „Das ferne Ufer“ von Ursula K. Le Guin und „Das wandelnde Schloss“ nach dem Kinderbuch „Sophie im Schloss des Zauberers“ von Diana Wynne Jones.

Geschichten und Figuren voller Phantasie

Was ich an den Studio-Ghibli-Filmen so liebe, ist die überschäumende Phantasie der Zeichner und Geschichtenerzähler. Bei „Totoro“ zum Beispiel gibt es nicht nur das liebenswerte Wesen gleichen Namens, das nur von Kindern gesehen wird und in einem magischen Baum lebt, sondern auch die Buskatze – eine Katze, deren Innenleben eine Bus-Kabine ist, und die auf vielen Beinen quer durchs Land flitzt. Und die Rußmännchen, die überall dort im Haus sind, wo lange nicht gefegt wurde und auseinanderstieben, sobald sich ein Mensch nähert.

Fluggeräte und ein Ohngesicht

Da gibt es das wandelnde Schloss, das aus unzähligen Schrott-Teilen besteht und auf dünnen Beinen herumstakst. Die wendigen Fluggeräte in Nausicaä. Und es gibt Gestalten wie den Gott des Waldes bei „Prinzessin Mononoke“ oder das „Ohngesicht“ in „Chihiros Reise ins Zauberland“.
Kein Wunder, dass viele der Werke Preise bekommen haben. Und „Chihiros Reise“ wurde 2003 sogar mit dem Oscar für den besten Animationsfilm ausgezeichnet.

Studio Ghibli: Museum und Schiffs-Replik

Solche wunderschönen Werke verdienen einfach ein Museum – und das gibt es tatsächlich. In der Tokioter Vorstad Mikata. Es ist so phantasievoll gestaltet wie die Welt des Studios Ghibli – bunt, rund und besonders. Natürlich gehört der plüschige Katzenbus zu den Attraktionen, und pünktlich zum 30. Geburtstag des Studios kann man in der Studio Ghibli Expo in Tokio eine riesige Replik des fliegenden Schiffes aus „Das Schloss im Himmel“ bewundern. Es schwebt mit rotierenden Propellern in der Mitte des Raumes. Ein Video bei Vimeo zeigt das Schiff (siehe Ende dieses Textes).

Die Filme laufen immer mal wieder im Fernsehen, aber echte Fans haben sie natürlich im DVD-Schrank, wo es die von Universum-Film herausgebrachten Werke in sehr liebevoll gestalteten Spezial-Editionen im Schuber und mit beigelegten Bildern im Postkartenformat gibt . Und auch wenn es gerade etwas still um das Studio Ghibli ist, weil es seit 2014 umstrukturiert wird: Noch in diesem Jahr könnte es einen neuen Film geben!

Studio Ghibli – Infos

Filmauswahl: „Mein Nachbar Totoro“ (DVD 8,99 Euro, Special Edition 13,99 Euro); „Chihiros Reise ins Zauberland“ (DVD 6,97 Euro, Special Edition 17,93 Euro); „Das Schloss im Himmel“ (DVD 8,99 Euro, Special Edition 34,95 Euro); „Das wandelnde Schloss“ (DVD 8,99 Euro, Deluxe Edition 17,85 Euro); „Nausicaä aus dem Tal der Winde“ (DVD 8,99 Euro); „Prinzessin Mononoke“ (DVD 9,99 Euro);  „Die letzten Glühwürmchen“ (DVD 17,49 Euro, Deluxe Edition 19,99 Euro); „Ponyo“ (DVD 8,99 Euro); „Arrietty“ (DVD 8,99 Euro)

  • Museum Ghibli: Adresse: 1 Chome-1-83 Shimorenjaku, Mitaka, Tokyo 181-0013, Japan
  • Internet: www.ghibli-museum.jp/en/

Ein kurzes Video mit der Replik des Schiffes aus „Das Schloss im Himmel“ auf Vimeo:

Einige Filme aus dem Studio Ghibli:

Eine weitere besondere Geschichte, die ebenfalls verfilmt wurde: „Die unendliche Geschichte“


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