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Vancouver – Multikulti-Stadt mit viel Natur

Ich gebe zu: Es fällt mir schwer, neutral über Vancouver zu schreiben. Denn die westkanadische Metropole ist so schön und vor allem so großartig gelegen, dass man Superlative gar nicht vermeiden kann.

Vancouver: Vorn das Meer, hinten die Berge

Vor der Tür liegt der Pazifische Ozean, hinterm Haus erheben sich bis zu 1450 Meter hohe Berge. Und dazwischen liegt die Stadt, in der etwas über 600.000 Menschen leben. Multikulti ist hier Alltag – beinahe die Hälfte der Einwohner hat Vorfahren aus England, Deutschland, Skandinavien, China und Japan, hinzu kommen die sogenannten First Nations, wie die indigenen Völker in Kanada genannt werden.

Sie alle leben friedlich zusammen und üben ungestört ihre Religion aus. All das trägt mit dazu bei, dass Vancouver in Sachen Lebensqualität immer wieder auf vorderen Plätzen landet.

Gelassene Atmosphäre in einer jungen Stadt

Tatsächlich verströmt die Stadt, die übrigens erst 1860 gegründet wurde, eine gelassene Atmosphäre. Zwar gibt es auch hier Hochhäuser – etwa das 201 Meter hohe Living Shangri-La (1120 West Georgia Street), das zum Teil als Luxushotel dient, und die Skyline wirkt typisch amerikanisch. Immerhin achtet man mittlerweile darauf, dass Häuser nicht zu hoch werden dürfen, damit die Berge immer noch zu sehen sind.

Treffpunkt: der Stanley Park

Aber beim Spaziergang durch die Stadt sieht man auch das andere Vancouver, das an einigen Stellen beinahe kleinstädtisch wirkt. Grün ist es auch – etwa elf Prozent der Stadt sind Parks und Gärten. Der größte ist der 404 Hektar große Stanley Park – er ist der größte Stadtpark überhaupt in Kanada und bedeckt die Nordspitze einer Halbinsel. Wald, ein See, ein Aquarium und unzählige Wege für Spaziergänger, Radler und Skater machen den Stanley Park zum Treffpunkt der Einheimischen. Spektakulär ist die Ansammlung von Totempfählen, mit denen an die einstigen Bewohner der Halbinsel erinnert wird.

Klein-China zwischen Hochhäusern

Gegen den Stanley Park wirkt der Dr. Sun Yat-Sen Classical Chinese Garden, ein wunderhübscher Park, der zur Weltausstellung 1986 eingerichtet wurde, geradezu winzig. Das chinesische Idyll mit Tempeln, Teichen, schmalen Pfaden und üppigem Grün liegt mitten zwischen hohen Häusern und ist erstaunlich still. Geöffnet ist der Garten, der an der 578 Carrall Street in Chinatown liegt, das ganze Jahr über (1. Mai-14. Juni, 10-18 Uhr; 15. Juni bis 31. August, 9.30-19 Uhr; 1. bis 30. September, 10-18 Uhr und 1. Oktober bis 30. April, 10-16.30 Uhr; zwischen November und Ende April ist der Garten montags geschlossen). Der Eintritt kostet 14 Dollar. Info: www.vancouverchinesegarden.com.

Sehenswert: die Kunstgalerie im Gerichtsgebäude

Wer Museen liebt, sollte die Vancouver Art Gallery an der 750 Hornby Street besuchen, die sich schon wegen des Gebäudes lohnt, in dem sie residiert: Es war früher ein Gerichtsgebäude und wurde 1906 in neoklassizistischem Stil erbaut. Geöffnet ist das Museum, das neben Malerei (u.a. von Emily Carr und Marc Chagall) und Fotografie auch indigene Kunst aus der Region zeigt, täglich zwischen 10 und 17 Uhr, sonnabends ab 9 Uhr. Der Eintritt kostet 24 Dollar. Info: www.vanartgallery.bc.ca.

“Gassy Jack” und das historische Viertel Gastown

Unbedingt besuchen sollte man den historischen Stadtteil Gastown. Der verdankt seinen Namen dem britischen Dampfschiffkapitän John “Gassy Jack” Deighton, der ab 1862 in der Metropole mehrere Bars eröffnete, eine davon im heutigen Gastown. Wer sich über den Spitznamen wundert: Gassy Jack bedeutet soviel wie “geschwätziger Jack”. Das Viertel setzt noch heute auf historisches Flair, hier fahren sogar historische Omnibusse.

Allerdings stehen von den einstigen Gebäuden nur noch zwei – der Rest fiel 1886 einem großen Feuer zum Opfer. Hip ist Gastown aber trotzdem – es gibt unzählige kleine Restaurants und Geschäfte. Und es gibt ein eigenes Wahrzeichen: “The steam clock”, die Dampfuhr. Sie wird tatsächlich mit Dampf angetrieben und lässt alle 15 Minuten einen lauten Pfiff los.

Strände und Skipisten

Was Vancouver so reizvoll macht, ist auch das Klima. Es ist vergleichsweise mild, unter null Grad fällt das Thermometer nur etwa einen Monat lang. Skiläufer kommen trotzdem auf ihre Kosten, denn die Berge sind schnell zu erreichen, und dort liegt im Winter immer Schnee. Die Sommer wiederum sind mit durchschnittlich 22 Grad eher frühlingshaft.

Der Pazifische Ozean ist auch im Sommer kalt

Das hält die Einheimischen aber nicht davon ab, sich am Strand in die Sonne zu legen. Gebadet wird allerdings nur selten – wer einmal den Fuß in den Pazifischen Ozean gehalten hat, der weiß, warum. So beschränkt man sich aufs Sonnenbaden und andere sommerliche Vergnüglichkeiten am Strand. Zu den beliebtesten gehört das allgegenwärtige “Sehen und gesehen werden”, an dem sich auch Touristen gerne beteiligen.

Die bekanntesten Strände der Stadt sind der Jericho Beach im Stadtteil West Point Grey, Spanish Banks gleich daneben und Kitsilano Beach, der von seinen Fans “Kits Beach” genannt wird und mit einem angenehm warmen Outdoor-Pool lockt.

Besuch in Hollywood North

Weniger bekannt ist, dass Vancouver auch als “Hollywood North” bezeichnet wird. Denn die Stadt ist eine echte Filmmetropole. In den Studios am Trans Canada Highway sind Filme wie “I Spy”, “Battlestar Galactica”,”New Moon” und “Eclipse” entstanden. Außerdem “50 Shades of Grey”, die Serien “Arrow” und “Bates Motel”. Die Liste ließe sich noch fortführen, und man könnte vergessen, dass Vancouver stolze 1725 Kilometer von Hollywood in Kalifornien entfernt liegt!

Wildnis auf Vancouver Island

Naturliebhaber halten sich nicht so mit Filmen auf, sie zieht aus der Stadt hinaus nach Vancouver Island. Die größte Insel in British Columbia, 450 Kilometer lang und 100 Kilometer breit, ist per Fähre ab Horseshoe Bay in ein bis zwei Stunden zu erreichen (Buchung und Preise unter dem rot unterlegten Link). Sie ist ein Paradies mit Küstenregenwäldern, Gebirgen, einem Gletscher, Fjorden und sehr vielen Tieren, darunter Schwarzbären, Pumas und Wölfen.

Mit dem Rocky Mountaineer in die Berge

Wen es ins Gebirge zieht, der kann bequem mit dem Zug fahren. Ausflugszüge des Rocky Mountaineer verkehren regelmäßig zwischen Vancouver und Calgary, Jasper im Banff Nationalpark und Whistler. Es ist ein teures Vergnügen, aber garantiert auch ein unvergessliches. Übernachtet nämlich wird in Hotels, die Züge fahren nur am Tage, damit man auch wirklich nichts von der überwältigenden Landschaft verpasst. Infos und Preise: www.rockymountaineer.com/de/

Mit dem Greyhound nach Whistler

Wer ins etwa 115 Kilometer von Vancouver entfernt gelegene Ski- und Wandergebiet Whistler fahren möchte, der kann ab Vancouver Airport auch einen Shuttlebus nehmen (Infos: www.whistlershuttle.com) oder fährt mit dem legendären Greyhound-Bus (www.greyhound.ca).

Man sollte sich aber trotzdem unbedingt ein paar Tage Zeit nehmen für Vancouver. Um all die Sehenswürdigkeiten zu besuchen und die Atmosphäre zu spüren. Aber Vorsicht: Sie könnten sich verlieben!

Vancouver – Infos

 

2 thoughts on “Vancouver – Multikulti-Stadt mit viel Natur

  1. Deine Begeisterung für Vancouver kann ich sehr gut verstehen. Ich habe dort ein Jahr lang gelebt, und seither lassen mich die Stadt und Kanada nicht mehr los. Was mir an Vancouver so gut gefällt, ist, dass die Natur quasi vor der Haustür liegt. Einerseits hat man alle Annehmlichkeiten, die eine Großstadt bietet – wenn auch ohne das Großstadtfeeling, das ich z.B. aus New York, Toronto oder auch München kenne. Andererseits ist man in wenigen Minuten mitten in der Natur, die mit dem Stanley Park sogar direkt in der Stadt liegt. Ein toller Bericht.

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