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Volkspark Friedrichshain: Berlins verlängertes Wohnzimmer

Wenn es heiß wird in Berlin, hält es niemanden mehr in der Wohnung. Dann geht es raus in den Park. Einer der beliebtesten: der Volkspark Friedrichshain, Berlins älteste öffentliche Grünanlage. Der wird für die Menschen im dichtbesiedelten Bezirk gleichen Namens dann zum verlängerten Wohnzimmer. Mit Komfort. Denn es gibt nicht nur Grün, sondern auch Cafés, Wasser und sogar ein Kino. Aber der Reihe nach.

Volkspark Friedrichshain mit Märchenbrunnen

Der schönste Eingang in den Volkspark Friedrichshain findet sich an der Ecke Friedenstraße und Am Friedrichshain: Dort nämlich steht der Märchenbrunnen (Foto), der mit Stein-Figuren aus den Grimmschen Märchen geschmückt ist. Der Berliner Stadtbaurat Ludwig Hoffmann entwarf die 90 mal 172 Meter große Anlage, die 1913 eröffnet wurde.

Froschkönig und der gestiefelte Kater

Es gibt Wasserbecken, in denen wasserspeiende Frösche und ein Froschkönig sitzen. Drumherum sieht man Figuren wie Hänsel und Gretel, Hans im Glück, den gestiefelten Kater, Aschenputtel und einige mehr. Den Rahmen des Märchenbrunnens bilden halbkreisförmige Arkaden. Die Anwohner lieben den Brunnen, um den herum viele Bänke stehen. Zerstörungen gab es leider trotzdem, und so musste der Märchenbrunnen bis 2007 für etwa 1,3 Millionen Euro saniert werden.

Klassiker und mehr im Freiluftkino

Ein Lieblingsziel im Sommer ist die Freilichtbühne, in der Kinofilme vom Blockbuster bis zum Klassiker gespielt werden. Saison ist alljährlich von Mitte Mai bis in die erste Septemberwoche hinein. Es gibt 1500 Plätze auf Bänken mit Rückenlehne und weitere 300 an Tischen, außerdem eine Picknick- und Liegewiese. Tickets kosten 7,50 Euro (Stand 2018). Das Kino erreicht man von der Landsberger Allee aus auf dem Ernst-Zinna-Weg (Orientierungsplan unter dem rot unterlegten Link).

Besuch bei der Friedensglocke

Sehenswert ist die Weltfriedensglocke, die auf Initiative der japanischen World Peace Bell Association im Park aufgestellt wurde: ein klingendes Symbol gegen den Atomkrieg. Enthüllt wurde sie am 1. September 1989, zum 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges. Nebenan wurde ein japanischer Garten angelegt.

Ein Park fürs Volk

Dass es den Volkspark Friedrichshain überhaupt gibt, ist dem Gartenkünstler Peter Joseph Lenné zu verdanken. Der brachte die Berliner Stadtväter auf die Idee, auf dem Gelände eines einstigen Weinberges einen öffentlich zugänglichen Park anzulegen. Als Anlass wurde 1840 der 100. Jahrestag der Thronbesteigung Friedrichs des Großen gewählt – der Monarch wurde Namenspate.

Gestaltet von einem Lenné-Schüler

Die Gestaltung des 52 Hektar großen Areals überließ Lenné seinem Schüler Gustav Meyer, der viel Liebe fürs Detail in seinen Entwurf steckt. Zwischen 1846 und 1848 entstand der Park als hügeliges Gelände mit Spazierwegen und vielen einzelnen Grünflächen. Auch an ein Denkmal für Friedrich den Großen wurde gedacht. 1848 kam der Friedhof der Märzgefallenen dazu – eine Ruhestätte für die Opfer der Märzrevolution vom 18. März 1848.

Neuer Hain und der Märchenbrunnen

Nur 20 Jahre behielt der Volkspark Friedrichshain seine anfängliche Größe, dann wurde ein Teil der Fläche für den Bau des Krankenhauses am Friedrichshain abgezwackt. Immerhin wurde Ersatz geschaffen: Gustav Meyer durfte den Park bis 1875 um den Neuen Hain erweitern. Der schon erwähnte Märchenbrunnen entstand 1913.

Joggingrunde auf den Mont Klamott

Und wer bisher immer der Meinung war, dass Berlin flach ist, der sollte mal die Jogger fragen, die im Volkspark Friedrichshain unterwegs sind. Sie wissen es besser, denn auf ihrer Strecke liegt der Mont Klamott, der offiziell Großer Bunkerberg heißt. 78 Meter hoch ist er, was eher nach Hügel klingt, bis man mal selbst nach oben ächzt. Und sein kleiner Bruder kommt immerhin auf 48 Meter Höhe. Die beiden Anhöhen bringen Berg-Gefühl in die sonst überwiegend platte Großstadt.

Das Geheimnis der Flaktürme

Um zu erklären, wie die Berge entstanden sind, muss ich ein bisschen ausholen. Im Zweiten Weltkrieg wurden zwei Flaktürme in den Park gesetzt. Im kleineren Turm wurden wichtige Werke der Berliner Gemäldegalerie untergebracht, von denen allerdings bei Luftangriffen viele verbrannten. 1946 sprengte die Rote Armee die Türme, aber es gelang ihr nicht, sie vollkommen zu zerstören. Deshalb wurden sie mit 2,1 Millionen Tonnen Trümmerschutt aufgefüllt und überhäuft: Die beiden Bunkerberge entstanden. Auf der Kuppe des Großen Bunkerberges kann man Reste der Türme noch sehen.

Freilichtbühne und Gedenkstätten

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Schäden im Volkspark Friedrichshain beseitigt. Und es kam Neues dazu: 1950 entstand die Freilichtbühne und ab 1969 wurden Sport- und Spielflächen eingerichtet. Zu DDR-Zeiten wurden noch Kriegs-Mahnmale erbaut, etwa die „Gedenkstätte der 3000 Interbrigadisten im Spanischen Bürgerkrieg“ (entstanden 1968) und das „Denkmal des gemeinsamen Kampfes polnischer Soldaten und deutscher Antifaschisten“ (1972).

Heute ist der Volkspark Friedrichshain vor allem ein Ort zum Entspannen. Es gibt viele Wege zum Spazierengehen und Joggen, Wiesen und See-Ufer für Picknicks und Sonnenbäder ebenfalls. Sportfans toben sich auf dem Beachvolleyballfeld, dem Kletterfelsen und der Skate-Anlage aus.

Café Schönbrunn im Volkspark Friedrichshain

Ein Lieblingsort im Park ist das nahe des Großen Teichs gelegene Café Schönbrunn (erreichbar von der Straße am Friedrichshain aus, Tel.: 030/ 453 056 525, Restaurant: tgl.  ab 10 Uhr, Garten in der warmen Jahreszeit. Info: www.schoenbrunn.net). Es wurde in einem ehemaligen DDR-Pavillon eingerichtet und ist von einem Rosengarten umgeben. Im Sommer genießt man hier Kaffee, Cocktails oder österreichisch-mediterrane Speisen. Typisch verlängertes Wohnzimmer eben…

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