Zelten – Urlaub im 1000-Sterne-Hotel

Zelten in der Natur
Zelten in der Natur Foto: Dietmar Meinert/pixelio.de

Zelten in der Natur – mit Gras unter den Füßen, einem See in Sichtweite und dem Himmel über dem Kopf – kann es etwas Schöneres geben? Wer jetzt an überfüllte Campingplätze und harte Isomatten denkt, der hat offenbar schlechte Erfahrungen gemacht. Aber ein zweiter Versuch lohnt sich. Wirklich!

Zelten mit viel Platz

Ja, eine gut gepolsterte Unterlage sollte schon sein, und vielleicht findet sich auch ein Campingplatz, auf dem das Wort „Platz“ eine wirklich wichtige Rolle spielt. In Skandinavien zum Beispiel gibt es die herrlichsten Plätze. Am See, mit eigenem Baum zum Wäsche-Aufhängen, oft mit Tisch und Bank aus Holz für das Menü im Freien. Mit Untergrund aus Gras oder Sand. Und mit reichlich Platz in alle Richtungen. Mein Lieblingssatz beim Einchecken: „Suchen Sie sich einfach einen freien Platz aus, der Ihnen gefällt.“

Amsel als Weckdienst

Den morgendlichen Weckdienst übernimmt die Amsel, die im Baum neben dem Zelt ihr Lied schmettert. Und dann sind es nur zwei Schritte nach draußen.

Plötzlich merkt man, wie wenig man braucht

Zelten ist ein Ausflug in die Einfachheit. Kein gemachtes Bett, kein bereitstehender Kaffee, kein Kleiderschrank, sondern das abendliche Ritual des Schlafsack-Vorbereitens, das Fabrizieren des Heißgetränks über dem offenen Feuer oder auf dem Campingkocher und die Minimal-Kleiderwahl. Und plötzlich merkt man, wie wenig man eigentlich braucht.

Tütensuppe wird zum feinen Genuss

Eine Hose, vielleicht zwei, drei, vier T-Shirts – sehr viel mehr benötigt man nicht für den Urlaub im 1000-Sterne-Hotel. Das Waschmittel aus der Tube kommt in Einsatz – Platz für die Wäscheleine gibt es ja genug. Und die Suppe aus der Tüte schmeckt nie besser als hier, auf dem Gaskocher zubereitet und mit frischem Brot, einer Handvoll Tomaten und ein paar Gewürzen veredelt.

Ein Bad im See

Der Badesee glitzert in der Sonne. Ja, in Skandinavien sieht das Wasser oft wärmer aus, als es ist. Aber wer einmal einen See durchkrault hat und sich danach auf einem sonnengewärmten Felsen ausgeruht hat, der weiß, was Luxus ist.

Abendstimmung am Lagerfeuer

Der größte Genuss ist das abendliche Lagerfeuer. Mit Stockbrot, das langsam knusprig wird (Rezeptvorschlag am Ende dieses Textes), mit Kartoffeln, die in Folie gegart werden, einem passenden Getränk und lustigen oder gruseligen Geschichten wird der Abend zum Abenteuer, den man so schnell nicht vergisst.

Geräusche der Nacht

Beim Zelten hört man sie noch, die Geräusche der Nacht. Das Rascheln einer Maus, das Flügelschlagen eines Vogels – manches klingt unheimlich. Wir sind nicht mehr an die wahre Dunkelheit gewöhnt und nicht mehr daran, Teil der Natur zu sein. Ein Zelturlaub ist immer auch ein bisschen eine Rückkehr zu unseren Wurzeln.

Ein paar Tipps für künftige Zelt-Fans

Das Zelt

Wenn man nicht gerade wandert und deshalb Platz und Gewicht sparen muss, sollte man ein Zelt kaufen, das für eine Person mehr ausgelegt ist. Es sei denn, es hat viel Platz im Vorzelt. Ansonsten kann es eng werden, wenn man auch noch sein Gepäck im Zelt unterbringen muss. Mit farbigen Stangen ist der Aufbau bei den meisten Zelten heute sehr einfach. Empfehlenswert ist eine Zeltunterlage, die einerseits isoliert und andererseits den Zeltboden vor Steinen schützt.

Die Schlafmatte

Die klassische Isomatte ist besonders auf harten Untergründen eine Herausforderung für den Rücken. Gute Alternativen sind selbstaufblasbare Matten, die sich sehr klein zusammenlegen lassen und nicht viel wiegen. Es gibt sie in unterschiedlicher Dicke. Billig sind sie nicht, aber die Anschaffung lohnt sich.

Der Schlafsack

Schlafsäcke sind eine Wissenschaft für sich. Es gibt sie für nahezu jede Außentemperatur und in unterschiedlichen Formen. Wer das normale „Bettgefühl“ liebt, sollte einen Deckenschlafsack nehmen, der besonders viel Platz bietet, aber eher für Sommertemperaturen geeignet ist. Mumienschlafsäcke wärmen stärker, weil sie dichter am Körper anliegen, mancher fühlt sich deshalb aber beengt darin.

Es gibt Modelle mit Daunen- und mit Kunstfaser-Füllung. Daune hält wärmer und reguliert die Temperatur besser, Kunstfaser trocknet schneller und ist preiswerter. Wer in kühlere Gebiete reist, ist zudem mit einer „Kapuze“ am Schlafsack gut beraten, weil sie den Kopf warm hält.

Kochen

Viele Campingplätze haben Küchen, in denen man kochen kann. Camping-Geschirr und Töpfe sollte man aber mitnehmen. Für Plätze ohne Küchen gibt es Campingkocher von ganz einfach bis exklusiv. Sie werden mit Butangas befeuert.

Campingplatz finden

Bücher wie die Campingführer von ADAC, ACSI (acsi.eu) oder ECC (ecc-campingfuehrer.de) listen Plätze auf, inklusive Ausstattung, Größe, Service usw.

Genuss beim Zelten: Stockbrot

Stockbrot-Rezept: 500 Gramm Mehl, eine Tüte Trockenhefe, 70 Milliliter Olivenöl, eine Tasse Milch und etwas Zucker und Salz, dazu Kräuter nach Wahl – alles durchkneten, bis ein weicher Teig entsteht, eine Stunde ruhen lassen und in lange Stücke schneiden, die dann um einen Stock gewickelt und über dem Lagerfeuer gedreht werden, bis es leicht braun geworden ist)


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