Massentourismus kennt man auf Ikaria nicht. Dafür aber ein Rezept, sehr alt zu werden. „Insel der Hundertjährigen“, manchmal gar „Insel der Unsterblichen“, wird Ikaria gerne genannt. Und tatsächlich sieht man in den Straßen der griechischen Insel viele Menschen, die die 100 Jahre schon erreicht haben.
Ikaria kennt keinen Massentourismus
Ikaria, das zu den Südlichen Sporaden gehört und seinen Namen jenem Ikarus verdankt, der einst mit selbstgebauten Flügeln auf der Flucht aus dem Gefängnis auf Kreta ins Meer stürzte, liegt östlich von Mykonos und westlich von Samos, und obwohl sie mit immerhin 40 Kilometern Länge und bis zu acht Kilometern Breite nicht klein ist, blieb sie vom Massenandrang bisher verschont. Was möglicherweise daran liegt, dass Ikaria nicht ganz die Infrastruktur bietet, die Touristen gewöhnt sind. Es gibt keinen internationalen Flughafen, und die größte Sehenswürdigkeit ist die Natur – vielen ist das nicht genug. Andere wiederum suchen genau das und finden auf Ikaria Ruhe und begegnen Menschen, die äußerst entspannt auf ihren hundertsten Geburtstag hinleben.
Die schönsten Strände
Action sucht man auf Ikaria vergeblich. Dafür gibt es wunderschöne, ruhige Strände in kleinen oder größeren Buchten, mit hellem Sand und türkisfarbenem Wasser. Die berühmtesten Strände heißen Nas (er liegt an der Mündung des Flusses Chalaris), Livadi (bei Armenistis gelegen, hier kann man auch Wasserschildkröten beobachten), Mesachti (bei Gialiskari, der längste Strand von Ikaria) und Kambos. An der Südküste, bei Magganatis, gibt es noch einen ziemlich unbekannten Strand, an dem man beinahe alleine ist. Auch Seychelles Beach (Foto) gehört dazu. Ihn erreicht man am besten mit dem Wassertaxi vom Fischereihafen in Magganitis aus.
Besuch in Armenitis und Gialaskari
Auf dem Weg zum Wasser lohnen sich Abstecher in die Dörfer auf der Insel. Armenistis im Nordwesten, zum Beispiel. Nicht einmal 150 Menschen wohnen hier. Es gibt einige Pensionen und Hotels, viele Tavernen, in denen man fangfrischen Fisch genießen kann, einen Supermarkt, eine Bäckerei und sogar eine Disko. Gialiskari ist etwa genauso groß und noch ruhiger. Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist die wunderschöne weiß-blaue Kapelle, die auf einer felsigen Landzunge steht.
Heiße Quellen in Therma
Hauptort auf Ikaria ist Agios Kirykos, der im Südosten der Insel liegt und immerhin knapp über 2000 Einwohner hat. Hier kommen die meisten Fähren an und hier gibt es die meisten Geschäfte und Unterkünfte. Richtig aktiv wird man aber erst am Abend, wenn es alle Einwohner in Tavernen oder zumindest auf die Straßen treibt. Von Agios Kirykos lohnt sich ein Abstecher ins nahegelegene Dörfchen Therma. Grund sind die heißen Quellen, die gegen Arthrose, Rheuma und andere Krankheiten helfen. Auch die Ruinen der antiken Stadt Drakanos ganz in der Nähe sind sehenswert. Ebenfalls etwas größer und als Hafenstadt von Bedeutung ist Evdilos im Norden der Insel. Hier kommen Fähren aus Samos, Mykonos und Paros an.
Christos Raches wird erst am späten Abend wach
Besonders interessant schließlich ist der Ort Christos Raches. Das hübsche, von Pinienwäldern umgebene Bergdorf war 1947 der Ort, in den der Komponist und Politiker Mikis Theodorakis verbannt wurde. Wer „Raches“ besucht, erlebt selbst in der Hochsaison eine Zeitverschiebung der besonderen Art: Tagsüber schläft der Ort und kaum jemand ist auf den Straßen zu sehen. Erst um 21 Uhr öffnen die ersten Geschäfte, um Mitternacht die restlichen. Straßenmusiker bringen sich in Stellung, und die Tische in den Tavernen füllen sich. Schluss ist frühestens um drei Uhr nachts.
Das Geheimnis der Hundertjährigen
Wer das Rezept für gesundes Altwerden sucht, sollte die Ikarioten fragen. Honig, werden sie sagen, Gemüse, Früchte, Vollkorn, Wildkräuter und der einheimische Rotwein. Und sie verraten vielleicht auch, dass sie täglich Mittagsschlaf halten, mit Nachbarn schwatzen und lange Spaziergänge über die hügelige Insel unternehmen. Manche tanzen sogar – dafür ist man nie zu alt.
Was immer die Gründe sind: Tatsächlich gibt es auf Ikaria viele Menschen, die deutlich über 90 Jahre alt sind, außerdem weniger Krebserkrankungen, Herzinfarkte und Fälle von Demenz als in den meisten Gebieten der Welt. Wenn das kein Grund ist, diese Insel kennenzulernen!
Ikaria – Infos
- Anreise: Flug bis Athen, mit dem Bus E96 bis Piräus und weiter mit dem Schiff nach Evdilos oder Agios Kirikos. Schneller ist der Weiterflug mit Olympic Air oder Aegean von Athen nach Ikaria (der kleine Flughafen liegt im Südosten der Insel)
- Klima: mediterran. Zwischen Mai und September sehr trocken, Temperaturen im Sommer bei knapp 30 Grad
- Unterkünfte: Infos zu Unterkünften finden Sie auf https://island-ikaria.com
Weitere Artikel über Griechenland
Anzeige:
![]()


Kommentar hinterlassen