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Spreewald-Tour mit Kahn und Gurke

Der Spreewald ist eine Landschaft, die ein bisschen wie aus der Zeit gefallen wirkt. Wo sonst werden Gewässer zu Straßen und Kähne zu Fahrzeugen, mit denen von der Post über die Ernte bis zum Rindvieh alles transportiert wird? Im Spreewald, nur etwa 100 Kilometer von Berlin entfernt, ist das alles ganz normal. Sogar einen Kurfürstendamm gibt es – einen im XXS-Format, mit kleinen Häusern statt Nobelboutiquen und mit Katzen, die sich auf dem Asphalt wärmen. Der perfekte Ort für eine Auszeit. Finde ich.

Spreewald – erschaffen von Mensch und Eiszeit

Die Auenlandschaft mit den unzähligen Fließen liegt zwischen Alt-Schadow und Cottbus, Rietzneudorf und Peitz. Herzstück sind der Unter- und der Oberspreewald, die zum Biosphärenreservat Spreewald gehören (Foto oben: spreewald-info.com). Beim Blick auf die Landkarte sieht man sofort: Dieses Gebiet ist etwas Besonderes. Große, kleine und winzige Fließe durchziehen die Landschaft, die von der Eiszeit erschaffen und dann vom Menschen gestaltet wurde.

Wo Fließe als Straßen genutzt werden

Weil der Boden so feucht war, bauten die Menschen ihre Häuser auf den vielen kleinen Erhöhungen, den sogenannten Kaupen. Und nutzten die Fließe als Straßen. Das hat sich inzwischen zwar ein bisschen geändert, denn es gibt asphaltierte Wege, die die Orte verbinden. Aber die Haupteingänge der Häuser liegen nach wie vor meist am Wasser. Und man bewegt sich immer noch gerne mit dem Fließ vorwärts. Kein Wunder, dass es direkt neben dem Wasser Straßenschilder gibt.

Der Postbote kommt mit dem Kahn

Die Post kommt in einem gelben Kahn, und Bauern nutzen das beliebte Fahrzeug auch, um Heu, Kürbisse oder auch mal eine Kuh zu transportieren.

Eine Kahn-Tour bis in den Hochwald

Die Kähne liegen sicher im Wasser, und wer den Spreewald besucht, der kommt nicht drumherum, eine Tour zu machen. Vom großen Hafen in Lübbenau aus ins Museumsdorf Lehde, zum Beispiel, und ein Stück durch den Hochwald, der auch am belebtesten Sommertag still ist. Und angenehm kühl. Dass Mücken diese Gegend ganz besonders lieben, ist eine andere Geschichte, aber eine, die niemanden ernsthaft davon abhält, den Spreewald zu besuchen.

Sorben prägten die Region

Man schaut sich die Orte an, die oft kaum größer als Dörfer sind. Lübbenau und Lübben, Vetschau, Burg/Spreewald und Leipe – sie alle verdienen einen Besuch und werden auch Platz in diesem Blog finden. Und dann gibt es Orte mit Zungenbrechernamen wie Byhleguhre, Leibchel oder Müschen. Sie verdanken die Namen den Sorben, die diese Region geprägt haben und das auch heute noch tun. Sie haben ihre eigene Sprache und ihre eigene Kultur.

Ortsnamen in zwei Sprachen

Beidem kann man im Spreewald begegnen. Da gibt es Ortsschilder mit zwei Namen – sorbisch und deutsch. Und es gibt Traditionen vom Osterreiten bis zur Tracht, von den wunderschön bemalten Ostereiern bis zu den mythischen Gestalten wie der Mittagsfrau und dem Wassermann.

Besuch im Museumsdorf Lehde

Ein ganz besonderes Erlebnis ist die Fahrt mit dem Kahn nach Lehde. Dieses Dorf ist ein lebendiges Museum, mit historischen Holzhäusern, altem Handwerk und mit viel Liebe bewahrten Gerätschaften. Hier taucht man ganz tief ein in den einstigen Spreewald.

Unbedingt kosten: die Spreewälder Gurke

Natürlich begegnet man in Lehde auch der Nationalspeise der Region: der Spreewälder Gurke. Die gibt es in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen und ist so lecker, dass man schon deshalb wiederkommen möchte. In den Lokalen der Region kann man aber auch andere traditionelle Speisen kennenlernen. Hecht mit Spreewaldsoße, zum Beispiel. Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl. Oder süße Hefeplinsen.

Spannende Museen

Man muss sich Zeit lassen für den Spreewald, im Schnelldurchlauf gibt er seinen Zauber nicht preis. Denn zu sehen und zu unternehmen gibt es viel. Ob man sich nun die traditionellen Häuser ansieht oder sich mit der Küche beschäftigt, die Museen (vom Spreewaldmuseum Lübbenau über das schon erwähnte Freilandmuseum Lehde und die Slawenburg Raddusch bis zum Museum Schloss Lübben am Ernst-von-Houwald-Damm 14) besucht, die Schlösser Lübbenau und Lübben bewundert oder mit dem Fahrrad auf dem Gurkenradweg unterwegs ist – die Auswahl ist groß.

Reizvoll: die stillen Jahreszeiten

Die meisten Menschen kommen im Sommer, aber auch die anderen Jahreszeiten haben ihren Reiz. Im Winter, wenn die Fließe zugefroren sind und zu wunderschönen Schlittschuh-Strecken werden (und man sich hinterher in der Spreewald-Therme oder in der Therme des Hotels Zur Bleiche wieder aufwärmen kann), im Frühling, wenn der Wald ganz licht und hellgrün ist. Oder im Herbst, wenn die Blätter bunt werden und sich überall Kürbisse stapeln. Dann ist es still im Spreewald. Und so verträumt, dass man beinahe damit rechnet, dem Wassermann oder der Mittagsfrau zu begegnen….

Spreewald – Infos

  • Anreise: ab Berlin auf der A13 bis zum Dreieck Spreewald, weiter auf der A15. Ab Dresden: A 13 bis Dreieck Spreewald, weiter auf der A15. Bahn: ab Berlin mit dem RE2 in den Spreewald, Halt in Lübben, Lübbenau, Raddusch, Vetschau und Cottbus
  • Spreewaldmuseum Lübbenau: Topfmarkt 12, 03222 Lübbenau. Öffnungszeiten Winter (bis 24. März 2016): Di-So, 12-16 Uhr; Sommer: Di-So, 12-18 Uhr, Info: www.museum-osl.de
  • Freilandmuseum Lehde: An der Giglitza 1a, 03222 Lübbenau, OT Lehde; Öffnungszeiten: 25. März bis 30. September 2016:  tgl., 10-18 Uhr; Herbst: 1. bis 31. Oktober 2016: tgl. 10-17 Uhr, im Winter geschlossen. Info: www.museum-osl.de
  • Slawendorf Raddusch: Zur Slawenburg 1, 03226 Vetschau/Spreewald, OT Raddusch; Öffnungszeiten: tgl. 10-16 Uhr. Info: www.slawenburg-raddusch.de
  • Museum Schloss Lübben: Ernst-von-Houwald-Damm 14, 15907 Lübben. Öffnungszeiten: Sommer (1.4.-31.10.), Di-So, 10-17 Uhr, Winter (1.11.-31.3.), Mi-Fr., 10-16 Uhr, So, 13-17 Uhr. Infos: www.luebben.de/de/Kultur/Museum-Schloss-Luebben
  • Kahnfahrten: Infos unter www.spreewald.de/kahnfahrten/
  • Spreewald-Infos: www.spreewald.de, www.spreewald-info.de

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