Als die Brücke Pont du Gard entstand, sah die Welt noch vollkommen anders aus. So ziemlich alles, was wir heute kennen, war noch nicht erfunden. Aber das Bauwerk in Südfrankreich, das vermutlich im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt erbaut wurde, ist ein Meisterwerk der Bau- und Ingenieurskunst, die heute noch selbst Bau-Experten beeindruckt. Ein Besuch lohnt sich.
Pont du Gard ist 50 Meter hoch
Schon der erste Blick zeigt, dass Pont du Gard etwas Besonderes ist. Denn eine Brücke mit drei Etagen ist auch heute eine Seltenheit. Insgesamt ist sie 50 Meter hoch und teilt sich auf in die untere Ebene mit sechs Bögen und 22 Metern Höhe, die mittlere mit elf Bögen und 20 Metern Höhe und die obere mit 35 Bögen und sieben Metern Höhe. Jede Ebene ist ein Kunstwerk für sich.
Eine Wasserleitung von Uzès nach Nîmes
Das Bauwerk war ursprünglich Teil einer Wasserleitung, die insgesamt 50 Kilometer lang war und das Wasser von Uzès nach Nîmes transportierte. Alles hatten die Bauherren berechnet, vor allem natürlich das Gefälle, das das Wasser in Bewegung hielt. Heute ist das einfach, in der Antike aber war es eine technische Meisterleistung.
Meisterwerk aus 21.000 Kubikmeter Stein
21.000 Kubikmeter Stein wurden für den Bau verwendet, überwiegend sind es gelbe Kalksteinblöcke aus einem nahegelegenen Steinbruch. Und wenn man bedenkt, dass es damals ein gewaltiger Aufwand war, die Steine von dort zur Baustelle zu transportieren, staunt man umso mehr über dieses Meisterwerk.
Wasser aus dem Fluss Eure
Die 360 Meter lange Brücke überspannt die Garrigue, das Flusstal von Nîmes mit dem Fluss Gardon (früher Gard, daher der Name). Und sie wurde wie die gesamte Wasserleitung erbaut, um die wachsende Stadt Nîmes zu versorgen. Das Wasser kam aus der Quelle der Eure. Der größte Teil der Leitung verlief unter der Erde, der eindrucksvollste Teil aber wurde das Aquädukt. 1000 Bauarbeiter waren drei Jahre lang beschäftigt, die Brücke zu bauen – sie arbeiteten mit Flaschenzügen, Meißeln und Kränen, die von Hand betrieben waren. Eine gewaltige Leistung!
Seit 1985 auf der Unesco-Welterbeliste
In Betrieb war das Aquädukt bis etwa 500 n. Chr., seither diente es nur noch als Brücke. Eine Zeitlang diente die untere Etage des Pont du Gard als Straßen-, die mittlere als Fußgängerbrücke. Heute aber ist das Bauwerk ausschließlich Denkmal und steht seit 1985 auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes.
Inspiration für Künstler
Kein Wunder, dass ein solches Bauwerk auch Inspiration für weitere Bauten lieferte. Der berühmte Pont d’Avignon zum Beispiel entstand nach dem Vorbild des Pont du Gard. Außerdem nutzten viele Künstler die Brücke als Motiv für Gemälde. Jean-Jacques Rousseau, Stendhal und Hubert Robert gehörten zu den berühmtesten.
Museum informiert über die Geschichte des Bauwerks
Wer die Brücke besucht (was pro Jahr hunderttausende von Menschen tun), muss sich Zeit nehmen. Der Weg von einem Ende zum anderen dauert etwa eine Dreiviertelstunde. Natürlich sollte man auch das große, moderne Museum im Besucherzentrum ansehen, in dem man viel über die Geschichte des Bauwerks lernen kann. Und erfährt, wie es sich in einer römischen Stadt so lebte. Es ist eine Zeitreise mit einem Hauptdarsteller: dem Pont du Gard. Aber es gibt noch viel mehr zu erleben. Es gibt Führungen, bei denen man auch zum höchsten Teil der Brücke kommt – er ist nur im Rahmen dieser Führungen zugänglich. Lohnenswert ist auch der etwa 1,5 Kilometer lange Rundweg Les Memoires de Garrigue auf der linken Uferseite. Er führt durch die Landschaft der Garrigue
Tipp: Im Sommer wird die Brücke abends beleuchtet, dann kommen viele Menschen zum kleinen Strand unterhalb der Brücke und genießen eine Lichtshow.
Pont du Gard – Infos
- Adresse: La Bégude, 400 Route du Pont-du-Gard
- Lage: zwischen Remoulins und Vers-Pont du Gard
- Telefon: +33 (0)04 66 37 50 99
- Anreise: A 9 bis Ausfahrt 23 bei Remoulins in Richtung Uzès, Beschilderung zum rechten bzw. linken Ufer folgen. Die Brücke ist von beiden Seiten zugänglich. Das rechte Ufer (Rive droite) ist etwas weniger trubelig, von hier aus erreicht man auch den Badestrand. Das Museum befindet sich auf der linken Uferseite. Tipp: Wer die Parkgebühren sparen möchte, kann im Dorf Saint-Bonnet-du-Gard einen Parkplatz suchen und wandert dann dreieinhalb Kilometer bis zur Brücke (Ausschilderung ab dem Rathaus)
- Parkplätze: bewacht, geöffnet von 7 bis 1 Uhr, Gebühr: 9 Euro. 800 Parkplätze am linken, 600 am rechten Ufer des Flusses
- Eintritt: Besucherzentrum – Entdeckungsräume (Museum, Ludo, Expo, Mémoires de Garrigue) 6,5 Euro pro Person
- Führungen: (englisch, französisch) kosten 15, erm. 6 Euro, sie beginnen um 10.30 und 15.30 Uhr. Reservierung empfehlenswert
- Geöffnet: das ganze Jahr über;Nov-Feb., tgl. 9-17 Uhr; März-Oktober, 9-18 Uhr, April/Mai, Juni,September, 9-19 Uhr, Juli/August, 9-20 Uhr
- Pont du Gard im Internet: www.pontdugard.fr
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