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Besuch beim Dukatenscheißer in Goslar

Besuch beim Dukatenscheißer in Goslar

Goslar hat schon Hollywood-Atmosphäre erlebt. Als 2013 in der Stadt am nördlichen Harz-Rand Szenen für den Film  „The Monuments Men“ gedreht wurden, ließ sich sogar Weltstar George Clooney blicken. Heute ist der Rummel natürlich vergessen, aber Goslar hätte ihn auch gar nicht gebraucht. Denn mit seiner gut erhaltenen Altstadt und vielen Attraktionen ist es auch ohne Hollywoodstars eine Reise wert.

Mit dem Zug nach Goslar

Goslar hat etwa 50.500 Einwohner, es liegt etwa 40 Kilometer von Braunschweig entfernt. Nach Wernigerode sind es 25 Kilometer. Wer von Braunschweig aus mit dem Zug anreist, in in weniger als einer Stunde da, von Hannover aus sind es auch nur wenig mehr als anderthalb Stunden. Das macht Goslar auch zum interessanten Ziel für Wochenend-Trips.

Verzierte Fachwerkhäuser 

Wer Goslar besucht, sollte sich für den Stadtbummel Zeitnehmen. Und gut aufpassen, denn viele der historischen Fachwerkhäuser tragen aufwändige Verzierungen – einige davon sind sogar richtig originell. Dazu gehört der Dukatenscheißer, der am Gewandschneidergildehaus (Kaiserworth) eine Hausecke ziert und seinen Namen wirklich zu Recht trägt. Oder die Figuren von Adam und Eva am gleichen Gebäude, die auf den ersten Blick beide ein bisschen wie Frauen aussehen.

Heinrich III. und die Kaiserpfalz

Man kann sich in Goslar fast wie in einer anderen Zeit fühlen. Jedenfalls wenn man sich die modernen Geschäfte wegdenkt. Das ist auch nicht abwegig, denn die Stadt ist tatsächlich sehr alt. Schon in römischer Zeit wurde in der Gegend Erz abgebaut, und ab 1040 entstand unter Heinrich III. in Goslar eine sehr bedeutende Kaiserpfalz (großes Foto, aus dem Lateinischen palatium = Palast, also eine Wohnstätte für reisende Könige) des Heiligen Römischen Reiches. Eindrucksvoll sind die Wandmalereien von Hermann Wislicenus.

Das Herz des Kaisers liegt in Goslar

Ein bisschen makaber: In der Pfalzkapelle St. Ulrich findet sich eine Grabplatte, unter der das Herz Heinrichs III. liegt (sein Herz, so heißt es, weilte schon zu Lebzeiten stets in Goslar). Der Leichnam selbst dagegen wurde in Speyer beigesetzt. In der sehr eindrucksvollen Kaiserpfalz erfährt man viel über das Wanderkaisertum und die vielen Reichsversammlungen, die in der Pfalz stattfanden (Adresse: Kaiserbleek 6, Tel. 05321/704437; geöffnet: April-Okt., 10-17 Uhr; Nov.-März, 10-16 Uhr, Führungen um 11, 13 und 15 Uhr, Eintritt 7,50, Kinder/Jugendliche 4,50 Euro).

Goldener Adler und Huldigungssaal

Der zentrale Punkt Goslars ist der Marktplatz mit dem Brunnen, auf dem ein goldener Adler, Wahrzeichen der Stadt, thront. Eines der auffälligsten Gebäude am Platz ist das gotische Rathaus, in dessen Innerem sich ein Meisterwerk verbirgt: der Huldigungssaal, einer der Ratssäle, ist vollständig mit Gemälden bedeckt. Die Namen der Künstler sind nicht bekannt, sie werden aber als Meister der Goslarer Sibyllen bezeichnet.

Heilige, Kaiser und Sibyllen

Die Gemälde sind zwischen 1501 und 1515 entstanden. Sie zeigen Heilige, Kaiser und Sibyllen (Prophetinnen). Der Saal ist öffentlich zugänglich (in diesem Jahr allerdings wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, im kommenden Frühjahr soll er wieder eröffnet werden).

Glocken- und Figurenspiel 

An der Ostseite des Marktes steht das einstige Kämmereigebäude, an dessen Giebel ein Figurenspiel thront. Täglich um 9, 12, 15 und 18 Uhr öffnen sich die Türchen und die Figuren „erzählen“ Bergbaugeschichte (hier können Sie das dazugehörige Glockenspiel hören).

Besuch beim Dukatenscheißer 

Nicht weit vom Rathaus entfernt steht das 1494 erbaute Gildehaus der Kaufherren, die Kaiserworth. Die wunderschöneFassade sollte man sich unbedingt genauer ansehen und nach den schon erwähnten Figuren von Adam und Eva und dem Dukatenscheißer suchen. Allerdings kann man nur als Hotelgast ins Haus:  Seit 200 Jahren residiert hier das Hotel „Kaiserworth“.

Wie das Brusttuch zu seinem Namen kam

Goslar hat aber noch weitaus mehr zu bieten. Etwa den historischen Schuhhof (er ist der der älteste Platz der Stadt mit dem Schuhmacher-Gildehaus) und das Brusttuch. Hinter dem ungewöhnlichen Namen verbirgt sich ein 1521 erbautes Haus, das auf einem fast dreieckigen Grundstück steht (diese Form erinnert an ein Brusttuch, das die Frauen im Mittelalter trugen – so kam das Haus zu seinem Namen).

Interessante Bauwerke

Sehenswert ist das Fachwerk-Obergeschoss mit Figuren und Tiergestalten (Adresse: Hoher Weg 1, das Haus ist heute ein Hotel). Weitere interessante Bauwerke in der Stadt sind die Wallanlagen, die historische Lohmühle aus dem 16. Jahrhundert, das Siemenshaus von 1693 in der Schreiberstraße, das Ackerbürgerhaus aus der Zeit um 1500 und die nach dem Künstler Hans-Joachim Röver benannte Kemenate Röver (Frankenberger Straße 11).

Viel Geschichte im Rammelsberg

Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Goslar ist das Museum und Besucherbergwerk Rammelsberg. Wie auch die Altstadt gehört es um Weltkulturerbe der Unesco. Wer es besucht, erfährt viel über die 1000jährige Bergbaugeschichte der Stadt. Und kann außerdem einiges erleben: Man kann mit der Grubenbahn und dem  „Schrägaufzug“ fahren und mehrere Stollen angucken.

Christos verpackter Förderwagen

Nicht nur George Clooney besuchte Goslar, auch der am 31. Mai 2020 verstorbene Verpackungskünstler Christo war hier. Und zeigte sich so beeindruckt, dass er den letzten Förderwagen des Bergwerks verhüllte. Nach wie vor steht das Werk „Package on a hunt“ im Museumshaus K.

Christo war auch schon dort

Christo war 1987 übrigens Träger des berühmten Goslarer Kaiserrings. Dieser Kunstpreis der Stadt Goslar wird seit 1975  jährlich im Oktober an zeitgenössische Künstler verliehen, zu den Preisträgern gehören Henry Moore, Nam June Paik, Cindy Sherman und Ólafur Elíasson. Der Träger 2020 ist der deutsche Konzeptkünstler Hans Haacke. Infos über den Ring und die Künstler gibt es im Mönchehaus-Museum, Mönchestr. 1.

Führungen im Besucherbergwerk

Noch einmal zurück zum Besucherbergwerk: Führungen unterschiedlicher Art gibt es täglich, vom Besuch im Reeder-Stollen über die Fahrt mit der Grubenbahn bis zur Spurensuche für Familien.  Weitere Infos: Bergtal 1, Tel. 05321-750-0, www.rammelsberg.de. Und wenn wir schon mal beim Weltkulturerbe sind: Auch die Oberharzer Wasserwirtschaft, das größte vorindustrielle Energieversorgungssystem der Welt, gehört dazu. Sie besteht aus Teichen, Gräben und Wasserläufen.

Wandern auf dem Liebesbankweg 

Wer sich gerne bewegt, der sollte unbedingt mal den Liebesbankweg entlangwandern. Hier kommt man auf sieben Kilometern Länge an 25 ungewöhnlichen Sitzbänken vorbei – allesamt mit besonders romantischer Aussicht. Berühmt ist die Hochzeitsbank, an der schon einige Paare „Ja“ gesagt haben.  

Mit der Seilbahn auf den Bocksberg 

Goslar ist auch ein guter Ausgangspunkt für Touren mit dem Mountainbike. Der Bikepark lockt mit tollen Abfahrten, die man bequem mit der Bocksberg-Seilbahn (im Ortsteil Hahnenklee-Bockswiese) erreicht. Oben auf dem 726 Meter hohen Berg hat man die Wahl zwischen sieben Strecken. Zum Bikepark gehören auch ein Walderlebnispfad und eine Sommerrodelbahn.

Reizvoll: die Stabkirche in Hahnenklee

Wenn Sie schon mal in Hahnenklee sind, planen Sie unbedingt einen Besuch der Gustav-Adolf-Stabkirche ein. Sie wurde 1907 im Stil norwegischer Stabkirchen aus Holz erbaut (Mai-Okt., Mo-Sa, 10.30-17 Uhr, So, 11 bis 17 Uhr). Tipp: Samstags um 15 Uhr und sonntags um 11 Uhr (außer am 1. Sonntag im Monat) kann man dem Carillon (Turmglockenspiel) hören. 

Goslar – Tipps für Besucher

  • Anfahrt: A 7 bis AS Derneberg/Salzgitter/Goslar, weiter auf der B6 bis Goslar, oder A7 bis AS Rhüden/Goslar und B82 nach Goslar. Bahnverbindung ab Hannover bzw. Braunschweig
  • UnterkünfteGastgeberverzeichnis 
  • Tourist-Information Goslar: Markt 7, Tel. 05321/78060

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