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Weiße Stadt am Meer: Besuch in Heiligendamm

„Weiße Stadt am Meer“ wird Heiligendamm auch genannt, und wer sich die prachtvollen weißen Villen und Häuser in dem Ortsteil von Bad Doberan (etwa 24 Kilometer westlich von Rostock gelegen) ansieht, dem würde kein besserer Name einfallen. Weltberühmt wurde die Stadt durch den G8-Gipfel, der dort 2007 stattfand. Aber das älteste Seebad Deutschlands ist viel zu schön, um es auf dieses eine Ereignis zu beschränken.

Heiligendamm und die Flut

Urlauber lieben den Spaziergang an der Strandpromenade von Heiligendamm, von der aus man einige der wunderschönen Villen sehen kann. Seinen Namen verdankt der Ort einer Legende: Es heißt, Bad Doberaner Mönche hätten bei einer Sturmflut ein Gebet gesprochen, woraufhin sich ein hoher Damm aus Stein auftürmte und das Land vor Überflutung schützte – der Heilige Damm. Womit das nun geklärt wäre.

Ältestes deutsches Seebad

Seine Entwicklung zum Seebad verdankt der Ort einem mecklenburgischen Herzog. Friedrich Franz I. hatte gesundheitliche Probleme, die er im Jahr 1793 mit Bädern in der Ostsee kurierte. Begeistert von der heilenden Wirkung gründete er noch im gleichen Jahr das Seebad, das heute das älteste in Deutschland ist.

Wohnen in historischen Villen 

Noch heute profitieren Kurlauber von der staubarmen und feuchten Luft, dem heilsamen Seewasser und den geringen Temperaturschwankungen. Erholen kann man sich im Grand Hotel Heiligendamm (dessen Restaurant im klassizistischen einstigen Kurhaus der Stadt eingerichtet wurde) sowie in Pensionen und Villen, die zum Teil äußerst prachtvoll sind. Diese Unterkünfte und überhaupt der ganze Ort lockten schon früher Künstler an. So verbrachte der Lyriker Rainer Maria Rilke hier seinen Urlaub, und auch Franz Kafka und Marcel Proust sollen sich in Heiligendamm erholt haben.

Einige Bauwerke wurden restauriert

Erschaffen wurden viele der Häuser zwischen 1793 und 1870 von Johann Christoph Heinrich von Seydwitz, Carl Theodor Severin und Gustav Adolph Demmler. Fünf davon wurden ab 1996 von der Entwicklungs Company Heiligendamm restauriert und zum luxuriösen Grand Hotel Heiligendamm ausgebaut, das seither mehrfach den Besitzer wechselte. Die historische Villa Perle wurde für den G8-Gipfel abgerissen und bis 2012 originalgetreu wieder aufgebaut.

Die Heiligendammer Perlenkette

Inzwischen wurden weitere denkmalgeschützte und im Laufe der Jahre stark marode Villen restauriert, andere sollen im historischen Stil nachgebaut werden. Dazu zählt die sogenannte „Perlenkette“, von der inzwischen vier Villen wiederhergestellt wurden. Die Strandvillen-Reihe besteht aus der namensgebenden, bereits sanierten Villa Perle, der Villa Möwe (Prof.-Dr.-Vogel-Straße 8), der Villa Schwan (Prof.-Dr.-Vogel-Straße 11), Haus Greif (Prof.-Dr.-Vogel-Str. 8), Haus Seestern (Prof.-Dr.-Vogel-Str. 10), Haus Hirsch (Prof.-Dr.-Vogel-Str. 12) und Haus Anker (Prof.-Dr.-Vogel-Str. 13).

Eindrucksvolles Alexandrinen-Cottage

Zu den sehenswerten Bauwerken gehören auch das schon erwähnte Kurhaus (Prof.-Dr.-Vogel-Str. 5a) von 1796, das 1814 erbaute Haus Mecklenburg (es ist heute ebenfalls Teil des Grand Hotels Heiligendamm, Adresse: Prof.-Dr.-Vogel-Str. 5b) und das noch nicht sanierte Alexandrinen-Cottage (Prof.-Dr.-Vogel-Str. 1), das Gustav Adolph Demmler im Auftrag des Großherzogs Paul Friedrich 1839 im mediterranen Stil direkt am Meer erbaute. Es war ein Geschenk des Herzogs an seine Frau, die preußische Prinzessin Alexandrine von Preußen.

Traumstrand mit Seebrücke

Die Zahl der reizvollen Bauwerke in Heiligendamm ist groß, aber der Ort bietet noch mehr. Hauptattraktion ist natürlich der Strand mit der 200 Meter langen Seebrücke, von der aus man einen wunderschönen Blick auf die historischen Villen hat. Der Strand selbst ist breit, ein bisschen grobkörnig und sanft abfallend, was ihn für Familien mit Kindern interessant macht. Ein Teil trägt sogar offiziell den Namen Kinderstrand.

Feiern auf dem „Deck“

Auch das Partyvolk findet in Heiligendamm Platz. Ihr Treffpunkt heißt „das Deck“ und ist eine hölzerne Lounge mit Restaurant, Bar und viel Platz zum Sitzen und Genießen (neben Cocktails auch die dramatischen Sonnenuntergänge). Abends wird zu Elektro-Beats getanzt (Adresse: Am Kinderstrand 3, im Sommer geöffnet 10-22 Uhr, bei Veranstaltungen open End).

Attraktion in Heiligendamm: die „Molli“-Fahrt

Bäderbahn Molli
Bäderbahn Molli F.: Erich Westendarp/pixelio

Was jeder Urlauber auf seine Wunschliste setzt, ist eine Fahrt mit der Schmalspurbahn „Molli“, die dem Rasenden Roland auf Rügen an Attraktion durchaus Konkurrenz macht. Sie verbindet Heiligendamm mit Bad Doberan und Kühlungsborn. Eine Fahrt nach Bad Doberan (dessen Ortsteil Heiligendamm ist) lohnt sich, schon wegen berühmter Bauwerke wie dem Kloster und dem Doberaner Münster.

Die Bahn selbst ist die älteste Schmalspur an der Ostseeküste und startete 1886 zu ihrer ersten Fahrt. Knapp 40 Minuten braucht Molli für die 15,4 Kilometer lange Gesamtstrecke. Aber wer hat schon Eile, wenn er im Urlaub ist?

Anreise: A9 bis Rostock-Ost, links auf die L22, weiter bis Kreuzung B103 und B105, auf der B105 weiter bis Bad Doberan, dort rechts in die Straße „An der Krim“ abbiegen, der Straße bis Heiligendamm folgen

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