Urlaub in der toskanischen Maremma

Von Silke 1. Juni 2020 Kommentare 4 Min. Lesezeit
Maremma Foto: Walter Frehner / PixelioMaremma Foto: Walter Frehner / Pixelio

Wer die Maremma heute besucht, kann sich nicht vorstellen, dass sie früher mal ziemlich berüchtigt war. Damals nämlich war die Landschaft in der Toskana so sumpfig, dass sie immer wieder von der Malaria heimgesucht wurde. Klar, dass das ihrem Ruf nicht besonders gut tat. Schon früh begannen die Menschen, sich darüber Gedanken zu machen, wie man das Gebiet trockenlegen kann, aber die Erfolge waren klein. Als erste versuchten es die Etrusker, die in Populonia, Vetulonia oder Roselle siedelten – sie legten ein erstaunlich effektives Kanalsystem an. Aber das hielt nicht lange an. Während der Römerzeit gab es wieder Sümpfe in der Maremma und sie war ein lebensfeindlicher Ort.

Maremma wurde erst im 19. Jh. entwässert

Erst viele Jahrhunderte später wurde wieder mit der Trockenlegung der Maremma begonnen. Dass es nicht vorher geschah, liegt daran, dass die nahegelegenen Städte Pisa und Siena kein Interesse daran hatten: Sie interessierten sich für die Küstenregionen nur, wenn sie zum Bau von Häfen geeignet waren. Deshalb wurde das Gebiet erst im 19. Jahrhundert von den Großherzögen der Toskana trocken. Auch sie legten Kanäle zur Entwässerung an.

Reiseziel für alle, die Ruhe und Natur lieben

Action sucht man vergeblich in der Maremma, die zwischen Follonica und Orbetello nahe der Halbinsel Monte Argentario am Meer sowie Castel’Azzara, dem Monte Amiata und Montieri liegt. Das Gebiet lockt vor allem Menschen an, die Ruhe suchen. Hier kann man auf dem Bauernhof übernachten und dort den typischen Haustieren der Maremma begegnen: dem kräftigen Maremmano-Pferd und dem mächtigen weißen Maremmaner Hirtenhund. Er ist ein Nachfahr der Hunde, die einst die Schafherden in der Region beschützten.

Wunderschöne Naturstrände

Aber auch wer gerne Strandurlaub macht, wird in der Maremma glücklich. Es gibt traumhafte Strände, die noch dazu besonders sauber sind. Zu den beliebtesten gehören der Naturstrand Maremma in Marina di Grosseto, die Cala Violina in Saclino, die Strände von Follonica, Castiglione della Pescaia, Talamone oder Prinicipina di Mare. Allerdings muss man an vielen Orten ordentlich Eintritt zahlen.

Rückzugsgebiet für seltene Vogelarten

Ein paar Sumpfgebiete gibt es glücklicherweise noch in der Maremma. Sie sind Rückzugsgebiete für viele teilweise selten gewordene Vogelarten. Zu ihrem Schutz wurde 1975 der Parco Regionale della Maremma, auch Parco dell’Uccelina genannt, gegründet. Er ist fast 10.000 Hektar groß und mit Weiden, Pinienwäldern, Sümpfen, den Bergen der Monti dell’Uccelina mit wilder Macchia-Vegetation und Steineichenwäldern sehr sehenswert. Einige Bereiche sind Totalreservat, andere kann man besuchen.

Spannendes über die Sumpflandschaft

Zu sehen gibt es viel: Stachelschweine, Wildkatzen, Uhus oder Steinmarder kann man sehen und sich über den alljährlichen Vogelzug freuen (Hinweis: Dann gibt es Einschränkungen für Wanderer). Auch Historie gibt es zu erleben: An der Flussmündung des Ombrone sind noch die antiken Anlagen zur Trockenlegung der Maremma erhalten. Es gibt einen Naturlehrpfad, auf dem man Spannendes über die Sumpflandschaft lernen kann. Besucher können mit dem Auto bis zu den Informationszentren in Alberese und Talamone fahren. Von Alberese aus gibt es außerdem eine Busverbindung für Wanderer.

Hinterlassenschaften der Etrusker

Und natürlich kann man hier auch noch die Orte sehen, die schon die Etrusker besiedelt haben. Populonia nahe Livorno etwa, wo heute ein Archäologischer Park samt Akropolis, Höhlengräber, antike Hochöfen für die Verhüttung von Eisenerz und vieles mehr zu sehen sind. Großartig ist die Totenstadt San Cerbone, in der Gräber aus dem 7. bis 6. Jahrhundert v. Chr. zu sehen sind. Auch die Stadt Populonia selbst ist reizvoll – umgeben von mittelalterlichen Mauern und mit einer Burg aus dem 15. Jahrhundert.

Amphitheater und Weinanbau

Vetulonia, das heute Ortsteil von Castiglione della Pescaia ist, ist ebenfalls sehr sehenswert. Hier sind die Reste der etruskischen Zeit mit Grabstätten und Hausruinen zu sehen, außerdem gibt es ein Archäologisches Museum mit spektakulären Grabfunden. Weitere Spuren der Etrusker sind in Roselle zu sehen – der Ort liegt etwa acht Kilometer nordöstlich von Grosseto entfernt. Kaum zu glauben: Dieser Ort war früher eine bedeutende etruskische Stadt, und ihre Spuren sind immer noch gut zu sehen. Ebenfalls erhalten blieben Bauwerke der Römer, vom Amphitheater über die Therme bis zum Tempel. Im Archäologischen Museum in Arezzo erfahren Sie mehr über die Etrusker. Denen verdankt die Toskana schließlich sogar den Weinanbau!

Die Maremma an der Via Aurelia

Auch die Römer haben in der Maremma Spuren hinterlassen. Berühmt ist die Via Aurelia, die Aurelische Straße. Gaus Aurelius Cotta hatte ihren Bau im Jahre 241 v. Chr. befohlen. Einst verband sie Rom mit Pisa. Viel übrig ist allerdings nicht, man erkennt die Straße nur noch am Namen. 

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