Unterschätzte Ausdauersportart: Nordic Walking

Von Silke 12. August 2023 Kommentare 4 Min. Lesezeit
Nordic Walking Foto: W.R. Wagner / PixelioNordic Walking Foto: W.R. Wagner / Pixelio

Nordic Walking ist eine dieser Sportarten, zu denen es nur zwei Meinungen gibt. Entweder belächelt man es als Seniorensport oder man ist begeistert. Wobei das mit den Senioren gar nicht verkehrt ist. Aber genauso gut könnte man es als Ausdauersport für alle Leistungs- und Altersgruppen bezeichnen. Tatsächlich lieben auch Leistungssportler diese Bewegungsform. Denn jeder findet sein Tempo. Was sicher einer der Gründe ist, warum Nordic Walking zur Trendsportart geworden ist. Zu einer mit erstaunlichen Auswirkungen auf Fitness und Gesundheit.

Nordic Walking: gut auch für Sporteinsteiger

Man braucht nicht lange, um die Bewegungsabläufe zu lernen. Wer bisher keinen Sport gemacht hat, der findet im Nordic Walking einen guten Einstieg ins Bewegen. Das gilt auch für Übergewichtige, denn dadurch, dass immer ein Fuß auf dem Boden ist, müssen die Gelenke keinen harten Aufprall mit dem ganzen Körpergewicht aushalten. Unterschätzen aber sollte man den Sport nicht, denn er ist sehr dynamisch und trainiert neben den Beinen auch die Armmuskulatur und den Rücken. Kein Wunder, dass auch Leistungssportler diese Bewegung lieben: Sie beansprucht nicht nur den ganzen Körper, sondern steigert auch die Ausdauer. Gleichzeitig macht sie den Kopf frei.

Nicht auf die Stöcke draufstützen

„Erfunden“ wurde Nordic Walking“ in Finnland, dort heißt es Sauvakävely und ist seit vielen Jahren eine Massenbewegung. Dabei liegt eine ganz einfache Idee zugrunde: Zwei Stöcke werden sozusagen als Verlängerung der Arme eingesetzt und sollen den Rhythmus der Schritte unterstützen. Womit eines klar wäre: Die Stöcke sind nicht dazu da, sich draufzustützen. Sondern um sich abzustoßen. Das macht Nordic Walking erstaunlich schnell.

Linkes Bein und rechter Arm

Wer mit Nordic Walking anfängt, der muss sich erst einmal mit den Stöcken beschäftigen. Oder besser damit, wie man sie hält. Man greift von unten durch die Schlaufe der Stöcke (auf links und rechts achten), fasst um den Griff und befestigt dann den Klettverschluss. Um sich daran zu gewöhnen, sollte man danach erst einmal ein paar Schritte gehen, ohne die Stöcke zu benutzen. Einfach die Stöcke neben dem Körper pendeln lassen und die automatische Bewegung beobachten: Linkes Bein und rechter Arm vorne, rechtes Bein und linker Arm hinten. Dabei daran denken, die Schultern nicht zu den Ohren zu ziehen, sondern locker zu lassen.

Flott und sehr aufrecht gehen

Wichtig ist: Darauf achten, flott und sehr aufrecht zu gehen, ohne ins Hohlkreuz zu fallen. Nach einer Weile kommen die Stöcke ins Spiel. Sie liegen locker in der Hand, Festklammern ist nicht nötig. Der linke Fuß geht nach vorne, die Ferse wird aufgesetzt, und gleichzeitig berührt der rechte Stock den Boden. Dabei öffnet man die Hände und zieht den Stock anschließend wieder nach vorne. Ideal ist, sich die Technik beim ersten Mal von einem geübten Nordic Walker zeigen zu lassen, um sich keine Fehler anzugewöhnen – meistens lernt man die Bewegungsabläufe sehr schnell. Die Volkshochschulen und viele Sportvereine bieten Kurse an.

Nicht zu schnell starten

Beim Nordic Walking kann man das Tempo selbst bestimmen, Profis sind oft sehr schnell unterwegs. Und jene, die Nordic Walker belächeln, tun das meist nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie es mal selbst ausprobieren – und feststellen, wie anstrengend das schnelle Gehen ist. Faustregel für Ungeübte: Nur so schnell gehen, dass man sich dabei noch unterhalten kann.

Gut zum Abnehmen

Ganz nebenbei tut man auch noch etwas für die Figur, denn die fließenden Bewegungen beziehen viele Muskeln mit ein, und ganz nebenbei verbrennt der Körper etwa 40 Prozent mehr Kalorien als beim Wandern. Und das, ohne die Gelenke zu belasten. Deshalb ist Nordic Walking auch für Menschen mit Wirbelsäulen-Erkrankungen geeignet. Wer viel am Schreibtisch sitzt, merkt nach wenigen Einheiten, dass Schultern und Nacken weniger verspannt sind als früher.

Ein Sport für jeden Gesundheitszustand

Übrigens: Auch Menschen mit Osteoporose, Bluthochdruck und Diabetes können Nordic Walking betreiben, und auch in der Reha wird der Sport praktiziert. Wer nicht sicher ist, kann einen Gesundheitscheck machen lassen, aber gesundheitliche Einschränkungen gibt es eigentlich nicht. Altersbegrenzung auch nicht, Menschen vom Kind (vorausgesetzt, es ist groß genug für die kleinsten Stöcke) bis zum Senior können zu den Stöcken greifen. Leistungssportler tun das ebenfalls: Für sie ist Nordic Walking eine zusätzliche Methode, die Ausdauer zu stärken.

Für den Sport ist jedes Gelände geeignet. Für die Straße gibt es Gummistopfen, die auf die Spitzen gesteckt werden und das Geräusch dämpfen. Allerdings macht es auf Waldwegen wesentlich mehr Spaß.

Wichtigstes Utensil für Nordic Walking: die Stöcke

Wichtig ist, dass man Stöcke in der richtigen Länge hat. Um sie zu ermitteln, stellt man sich gerade hin und legt die Arme gerade an den Körper an. Danach hebt man sie, bis sie im rechten Winkel gebeugt sind. Der Stockgriff sollte jetzt ungefähr fünf Zentimeter unter den Händen liegen. Übrigens sind die Stöcke mit „R“ für rechts und „L“ für links versehen und sollten auch entsprechend genutzt werden. Skistöcke eignen sich nicht fürs Nordic Walking! Wer sich Stöcke kaufen möchte, hat die Wahl zwischen Exemplaren aus Karbon, einer Karbon-Glasfasermischung und Aluminium. Tipp: Karbon hat bessere Dämpfungseigenschaften und ist auch stabiler als Aluminium.

Weitere Infos: z.B. www.nordic-walking.de; Trainersuche: www.nordic-walking-berlin.de, www.dnv-online.de/tourismus/trainersuche/

Ein YouTube-Video, das die Bewegungsabläufe zeigt

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