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„Shakespeare and Company“ in Paris ist Buchladen und Künstlertreff

„Shakespeare and Company“ in Paris ist Buchladen und Künstlertreff

Wer den Namen „Shakespeare and Company“ hört, denkt vermutlich nicht gleich an ein Buchgeschäft. In Paris ist das anders. Der Laden mit dem eingängigen Namen in der Rue de la Bûcherie ist bekannt und ein Treffpunkt vieler Künstler. Grund genug, ihn mal vorzustellen.

„Shakespeare and Company“ verkauft englischsprachige Bücher

Um den Namen zu erklären, muss man die Amerikanerin Sylvia Beach bemühen. Sie nämlich war es, die den Laden „Shakespeare and Company“ 1919 eröffnete. Das Geschäft lag in der Rue de l’Odéon. Seine Besonderheit: Es gab nur englischsprachige Titel. Ausgerechnet in Paris. Aber ihre Rechnung ging auf: Der Laden entwickelte sich schnell zum Treffpunkt englischsprachiger Künstler wie James Joyce, F. Scott Fitzgerald, T.S. Eliot und Ernest Hemingway. Bald gehörten auch französische Schriftsteller zum festen Kreis derer, denen man in dem kleinen Geschäft begegnen konnte.

Sylvia Beach betrieb nicht nur ihre Buchhandlung. 1922 veröffentlichte sie James Joyce’ Roman „Ulysses“, den der Autor vorher mehreren englischsprachigen Verlagen angeboten hatte – ohne Erfolg. Das Werk wurde zum bedeutendsten des irischen Schriftstellers.

Ein Amerikaner in Paris

So lebhaft es in den Jahren nach der Gründung zuging: Der Zweite Weltkrieg setzte dem Laden ein Ende. „Shakespeare and Company“ wurde geschlossen und wäre wohl heute lange vergessen, wenn nicht George Whitman gewesen wäre. Auch er kam aus Amerika und hatte wie Sylvia Beach eine Buchhandlung. „Le Mistral“ hatte seinen Sitz in der Rue de la Bûcherie ganz in der Nähe der Notre-Dame auf der Ile de la Cité. Und im April 1964, zum 400. Geburtstag William Shakespeares, hatte er eine Idee. Zu Ehren von Sylvia Beach und Shakespeare nannte er „Le Mistral“ in „Shakespeare and Company” um. Er beschränkte sich nicht nur auf den Namen. Es gelang ihm sogar, die Atmosphäre des Original-Geschäftes zu retten. Das sprach sich schnell um, und bald war der neue, alte Laden ein Treffpunkt von Künstlern wie Anais Nin, Henry Miller und anderen.

Regale biegen sich unter dem Gewicht der Bücher

Shakespeare and Company in Paris

Shakespeare and Company in Paris Foto: Deniz Demirci / Unsplash

Und nicht nur sie fühlten sich magisch angezogen. Jeder, der Bücher liebt, ist begeistert von diesem Geschäft, in dem so ziemlich jeder verfügbare Zentimeter mit Büchern belegt ist. Sie stapeln sich auf Tischen und stehen in Regalen und warten darauf, von neugierigen Lesern entdeckt und gelesen zu werden.

Es gibt einen Hauptladen und einen antiquarischen Bereich, die beide verlockend sind. Überall biegen sich die Regale unter dem Gewicht der Bücher. An der Decke hängt eine Lampe, die schon bessere Zeiten gesehen hat, und zwischendrin stehen und sitzen Menschen, die sich an einem Buch festgelesen haben. Ganz klar: „Shakespeare and Company“ ist ein Traum für Buchverliebte, und die können sich sehr lange in diesem Geschäft aufhalten. Auch Filmschaffende lieben es, und so spielte der Laden schon mit in Werken wie „Before Sunset“ und in „Midnight in Paris“.

Raritäten entdecken

Auch Raritäten kann man hier entdecken. Und die können schon mal richtig teuer werden. Signierte sind darunter, aber auch Erstausgaben, oder beides zusammen. Etwa „Einstein“ von Archibald McLeish mit Original-Autogramm des Autors, das für 950 Euro angeboten wird. Oder William S. Burroughs „The Naked Lunch“, eine Erstausgabe von 1959, für 1500 Euro. 

Lesungen und ein Podcast

Regelmäßig lädt „Shakespeare and Company“ auch zu Lesungen ein. Wer dabei ist – im Winter zwischen den vielen Büchern im Laden und im Sommer gern auch auf dem Bürgersteig davor –, der spürt sie immer noch, die ungewöhnliche Atmosphäre dieses ganz besonderen Buchgeschäftes. Das verströmt immer noch den verführerischen Duft nach Büchern, die schon einiges erlebt haben. Und ist gleichzeitig so modern, auch einen Online-Shop zu haben. Am schönsten aber ist es, sich in eine Ecke im oder vor dem Geschäft zu setzen und zu schmökern. Mit einem Café au Lait aus dem zum Geschäft gehörenden Café. Gerne auch stundenlang.

A propos modern: Zum 100. Geburtstag von James Joyce’ Werk „Ulysses“ gibt es zwischen 2. Februar und 16. Juni bei „Shakespeare and Company“ kostenfreie Lesungen des Romans per Podcast.

So kommen Sie hin: Gleich neben der Ile de la Cité zwischen der Rue Saint-Julien le Pauvre und der Rue du Petit Pont (von der Notre Dame über die Brücke Pont au Double, dann rechts auf den Quai de Montebello, hinter der Square René Viviani links in die Rue Saint-Julien le Pauvre und gleich wieder rechts bis zur Rue de la Bûcherie 37. Geöffnet ist täglich von 11 bis 19 Uhr,   

Shakespeare and Company in Berlin

Seit 2002 gibt es eine Filiale des Geschäftes in Berlin. In den Regalen stehen besondere Bücher aus kleinen Editionen. Antiquare Fotobände und Literatur des 20. Jahrhunderts gehören dazu, außerdem fremdsprachliche Werke und Kulinarisches. Das Geschäft an der Ludwigkirchstraße 9a in Wilmersdorf ist montags bis freitags von 11 bis 19 und samstags von 11 bis 15 Uhr geöffnet.

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