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Blois: Loire-Schloss mit Mord und Pflaumen

Blois: Loire-Schloss mit Mord und Pflaumen

Das Schloss von Blois an der Loire hat schon viel erlebt: Kriegsverhandlungen, einen Mord, die „Geburt“ einer Pflaumenart, berühmte Besucher und Bewohner – die Ereignisse sind so unterschiedlich und spannend, dass man einen Roman darüber schreiben könnte. Ein Besuch lohnt sich aus vielen Gründen.

Blois: Sitz der französischen Könige

Blois, eines der berühmtesten, zum Unesco-Welterbe gehörenden Loire-Schlösser, liegt fast genau in der Mitte zwischen Tours und Orléans. Bis zum ähnlich berühmten Schloss Chambord sind es nur ein paar Kilometer, und auch Amboise ist nicht weit entfernt. Schloss Blois, in dem zwischen 1498 und 1589 die französischen Könige residierten, wurde im zehnten Jahrhundert erbaut. Und danach immer wieder aus- und umgebaut. Im Lauf der Jahrhunderte lebten hier immerhin sieben Könige und zehn Königinnen, und alle hinterließen ihre Spuren in der Architektur.

Ein Schloss mit vielen Baustilen

Die vier Flügel des Schlosses sind in unterschiedlichen Stilen erbaut. Der Saal der Generalstände zum Beispiel ist der größte nicht profane gotische Saal des 13. Jahrhunderts in Frankreich. Wer hineinschaut, der sieht prachtvolle blaue Deckengewölbe mit französischen Lilien, eine Reihe aus schlanken Pfeilern und einen terrakottafarbene Steinfußboden mit Mosaiken. Seinen Namen bekam der Saal, weil König Heinrich III. dort zweimal die Generalstände, die Versammlung von Vertretern der drei Stände (Klerus, Adel, Dritter Stand), zusammenrief (1576 und während der Religionskriege 1588). 

Jeder König hatte eigene (Bau-)Vorstellungen

Neben Heinrich III. gehören auch Johanna von Orléans, Katharina von Medici und Franz I. zu den Königen und Berühmtheiten, die zumindest zeitweise auf Blois lebten. Ludwig XII. und Franz I. ließen das Schloss im Stil der Renaissance umbauen, und Franz gab den Bau der monumentalen Wendeltreppe in Auftrag. Drei Flügel des Komplexes wurden von gekrönten Häuptern gestaltet und bewohnt – sie tragen heute deren Namen.

Wie die Reineclaude zu ihrem Namen kam

Auf Blois wurde nicht nur verhandelt, sondern es gab auch opulente Feste. Vor allem Katharina von Medici lud häufig zu großen Veranstaltungen ein. Claudia von Frankreich wiederum hatte anderes im Sinn: Sie nutzte den Garten für ihre Pflaumenzucht. Die Früchte tragen noch heute ihren Namen: Reineclaude (reine = Königin; Claude = Claudia) wurden sie ihr zu Ehren genannt.

Aber das Schloss erlebte auch Blutiges: So ließ Heinrich III am 23. Dezember 1588 seinen politischen Rivalen Henri I. de Lorraine, den Herzog von Guise, von seiner Leibwache ermorden.

Saniertes Schloss wurde zum Vorbild 

Blois war später auch eine Kaserne und ein Exil für verbannte Fürsten. Während der Französischen Revolution schließlich wurde es geplündert und schwer beschädigt. Das hätte sein Ende gewesen sein können, aber glücklicherweise wurde beschlossen, das Schloss, das inzwischen der Stadt Blois gehörte, zu sanieren. 1848 wurden die Arbeiten vollendet und seitdem war Blois Vorbild für die Sanierung vieler anderer Schlösser, die ebenfalls während der Französischen Revolution beschädigt wurden.

Besuch in den königlichen Schlafgemächern

Heute wird Blois als Museum genutzt. Die erste Etage im Flügel Ludwigs XIII dient als städtisches Kunstmuseum. Hier gibt es neun Säle, in denen Wandteppiche, Skulpturen, Gemälde und andere Kunstwerke ausgestellt werden.

Auch einige der königlichen Schlafgemächer sind zu sehen, etwa die ebenfalls mit Kunstwerken ausgestatteten Räume von Franz I. Außerdem kann man in diesem Flügel im archäologischen Museum original erhaltene Skulpturen und Fundstücke aus Grabungen bewundern. Insgesamt werden im Schloss mehr als 30.000 Exponate aufbewahrt.

Die Jardins du Roi 

Unbedingt besichtigen sollten Sie auch die Gartenanlagen, die Jardins du Roy. Hier wuchsen früher Obstbäume und Gemüsepflanzen, heute sind sie in den Stilen des Schlosses – Mittelalter, Renaissance und Klassizismus – gestaltet. Zu den Attraktionen gehören ein Wasserfall, eine Amethyst-Grotte und Lilienbeete im Garten der Königsblumen, eine Aussichtsplattform und einiges mehr.

Licht-Spektakel im Sommer

Im Sommer lohnt es sich, am späten Abend zu kommen. Denn vom 9. April bis 25. September, außerdem vom 22. Oktober bis 5. November gibt es im Innenhof (April/September: 22 Uhr; Mai bis August: 22.30 Uhr; Oktober/November: 19.15 Uhr) eine eindrucksvolle Licht- und Tonschau. Mit Lichtspielen und Toneffekten wird die Geschichte Frankreichs nacherzählt. Bilder aus der Geschichte des Schlosses und eindrucksvolle Lichtmuster werden auf die Fassaden projiziert – Liebesgeschichten, Tragödien und Geheimnisse. Touristen können das Spektakel in unterschiedlichen Sprachen (auch auf Deutsch) per Simultanübersetzung genießen (Wegwerfkopfhörer 2 Euro).

Abstecher ins Haus der Zauberei

Wer Zeit hat und mit Kindern unterwegs ist, sollte sich auch noch einen Besuch in der Maison de la Magie im Schloss von Blois gönnen. In diesem „Haus der Zauberei“ gibt es „lebende“ Kunst, Illusionen und vieles mehr – ein sehr vergnügliches Erlebnis. Gewidmet ist die Ausstellung dem Magier Robert Houdini, der in Blois lebte.

Schloss Blois – Infos

  • Adresse: Chateau Royal de Blois, 41000 Blois
  • Telefon: 0033 (2) 54 90 33 33
  • Anreise: Von Orléans auf der E5 bis Blois (67 Kilometer); ab Paris ebenfalls auf der E5 (133 Kilometer bis Orléans).
  • Öffnungszeiten: 2. Januar bis 31. März sowie 7. November bis 31. Dezember: 10-17 Uhr; 1. April bis 30. Juni sowie 1. September bis 6. Novemger: 9 bis 16.30 Uhr; 1. Juli bis 31. August: 9 bis 19 Uhr
  • Eintritt (Stand 2022): 13, erm. 10, Kinder bis 17 J. 6,50 Euro; geführte Tour: 4 Euro, für Kinder kostenlos; mit Lichtshow bzw. Haus der Magie: 20, erm. 16, Kinder bis 17 J. 10,50 Euro; Besichtigungen mit Broschüre (in 14 Sprachen), geführt oder mit Audio-Guide (drei Euro). Lichtshow allein: 11, erm. 9, Kinder bis 17 J. 6,50 Euro
  • Haus der Zauberei: 11/8,50/6,50 Euro
  • Schloss Blois im Internet: www.chateaudeblois.fr

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