Alte Kleidung – tolle Alternativen für den Mülleimer

Von Silke 30. September 2025 Kommentare 6 Min. Lesezeit
Klamottentausch im LabsaalKlamottentausch im Labsaal

Ich habe gelesen, dass in Deutschland pro Jahr 100.000 Tonnen Kleidung weggeworfen werden. Andere Quellen sprechen sogar von 700.000 Tonnen. Das ist ein riesiger Berg an Textilien, die oft nur einen „Fehler“ haben: Sie gefallen ihren Besitzern nicht mehr. Aber es gibt wunderbare Alternativen für den Mülleimer.

Manchmal sehe ich alte Kleidung im oder neben dem Mülleimer. Das Traurige dabei ist, dass diese Stücke oft noch vollkommen in Ordnung sind und weder Löcher noch bleibende Flecken haben. Vielleicht sind sie jemandem zu klein geworden, vielleicht mag er oder sie die Farbe oder den Schnitt nicht mehr. Dabei gibt es vielleicht jemanden, der diesem Stück gern ein zweites Leben schenken würde. Zum Glück gibt es Orte, an denen Sie solche Kleidungsstücke mit Stil loswerden können.

Secondhand-Läden kaufen alte Kleidung

Viele Secondhand-Läden nehmen gut erhaltene Stücke ab, allerdings nicht immer – wenn die Regale voll sind, gibt es Wartezeiten. Zu den bekanntesten gehört Picknweight (picknweight.de) mit Filialen in Berlin-Mitte (Münzstraße 19 und Alte Schönhauser Str. 30), Kreuzberg (Bergmannstraße 102) und Schöneberg (Hauptstraße 20). Gute Adressen für hochwertige Secondhand-Mode sind Soeur in der Marienburger Straße 24 (Prenzlauer Berg), das Gewandhaus (Belziger Str. 35 in Schöneberg), Das neue Schwarz in der Mulackstraße 38 (Mitte) oder Macy’z in der Mommsenstraße 2 (Charlottenburg). Wer Mode liebt, findet hier auch schöne und gut erhaltene alte Stücke, die ein zweites Leben verdienen.

Klamottentausch-Partys

Wer mit den ausgedienten Stücken kein Geld verdienen möchte, kann sie auch bei einer Klamottentausch-Party abgeben. Die Idee ist so simpel wie brillant: In einer Kneipe kommen Leute zusammen, die ungeliebt gewordene Kleidungsstücke loswerden wollen. Die frisch gewaschenen und gut erhaltenen Stücke werden auf Tischen ausgebreitet oder über Wäscheleinen gehängt – und dann beginnt das fröhliche Stöbern. Denn was mir nicht mehr gefällt, das macht vielleicht eine(n) andere(n) glücklich.

Pullover, Kleider, Jacken, Hosen, Accessoires, Schuhe stehen bzw. liegen bereit und warten auf neue Besitzer. Anprobiert wird irgendwo zwischen Tür und Angel. Die Stimmung ist bestens, denn es gibt nicht nur alte Kleidung, sondern auch Getränke und manchmal sogar Kuchen. Gespräche sowieso, denn die gemeinsame Liebe für Kleidung verbindet.

Hier können Sie tauschen

Einige der bekanntesten Klamottentausch-Partys findet in (inzwischen großen Abständen) im Troc in Neukölln statt (im Internet angekündigt unter gelegenheiten-berlin.de). Auch im Nachbarschaftszentrum der Ufafabrik gibt es regelmäßig Partys (Termine finden Sie hier). Ein- oder zweimal im Jahr gibt es im Labsaal in Lübars eine Kleidertauschparty, die von Jugendlichen mit sehr viel Liebe gestaltet wird. Jeden Dienstag von 16 bis 19 Uhr lädt das Kulturbüro Trial & Error im Swap Shop (Braunschweiger Str. 40 in Neukölln) zum Kleidertausch ein. Und auf den Seiten Gratis in Berlin und Kleidertausch.de werden ebenfalls regelmäßig Tauschpartys angekündigt.

BSR-Tausch- und Verschenkemarkt

Biete Pumps gegen eine Flasche Weichspüler. Klingt komisch? Beim BSR-Verschenkemarkt ist das ganz normal. Wer etwas übrig hat (das gilt nicht nur für Kleidung, sondern auch für Möbel, Elektrogeräte und vieles mehr), der macht ein Foto, schreibt ein paar Zeilen und setzt das ungeliebt gewordene Stück auf der Internetseite  BSR-Verschenkemarkt in die entsprechende Rubrik.

Einen Gegenwunsch darf man gerne  äußern, und dabei ruhig originell sein. Die Tafel Schokolade mit ganzen Nüssen ist ebenso dabei wie die Packung löslicher Kaffee oder zwei Tickets für die BVG. Angenehmer Nebeneffekt: Alter und neuer Besitzer des guten Stücks lernen sich bei der Übergabe kennen, was dem Mantel  oder der Bluse eine persönliche Note verleiht.

Ein Supermarkt für Gebrauchtes

Seit fünf Jahren gibt es in Reinickendorf die NochMall, das Gebrauchtwarenhaus der BSR. Hier kann jeder gut erhaltene Kleidungsstücke (aber auch Geschirr, Möbel, Sportgeräte, Spielzeug, Elektro- und Haushaltsgeräte, Bücher, Schallplatten und vieles, vieles mehr abgeben. Wichtig ist, dass die Stücke sauber und gut erhalten sind. Zum Angebot der NochMall gehören auch ein Repair Café, eine Upcycling-Abteilung, Auktionen und ein Café, das mit viel Liebe betrieben wird. Ein Besuch lohnt sich immer – aber Vorsicht: Wer kommt, der geht meist nicht mit leeren Händen, denn es gibt viele tolle und meist sehr preiswerte Produkte. Adresse: Auguste-Viktoria-Allee 99, 13403 Berlin (nahe Kurt-Schumacher-Platz). Öffnungszeiten: Mo-Mi und Fr/Sa, 10-18 Uhr, Do, 10-20 Uhr.

Internethandel

Klar, ebay ist eine Methode, die alten Stücke loszuwerden, aber es gibt auch Internetseiten, die speziell auf Kleidung ausgelegt sind, und bei denen auch Tauschen möglich ist. Der Kleiderkreisel (inzwischen Vinted) ist ein solches Beispiel. Man registriert sich, macht Fotos von dem Stück, schreibt etwas darüber (Größe, Marke, eventuelle Fehler wie Pilling, Details wie Ärmelweite etc.), gibt einen Preis an oder den Tauschwunsch und lädt das Ganze beim Kleiderkreisel hoch. Ich selbst habe schon viel über diese Seite ge- und verkauft und keine einzige schlechte Erfahrung gemacht.

Es gibt noch andere Seiten im Internet, von Tauschticket über Tauschgnom und Bambali bis zum Kleiderkorb. Und auch bei Ebay-Kleinanzeigen kann man es versuchen.

Rotes Kreuz und Altkleider-Container

Wenn trotzdem noch etwas übrig bleibt, ist es immer noch zu früh für den Mülleimer. Nicht nur, weil es seit Anfang 2025 gibt es die gesetzliche Pflicht zur getrennten Sammlung von Alttextilien gemäß EU-Abfallrahmenrichtlinie und Kreislaufwirtschaftsgesetz gibt (Infos zu Abgabestellen finden Sie hier). Denn vieles ist noch tragbar oder kann auf unterschiedliche Weise recycelt oder verwendet werden. Abgeben können Sie die Stücke zum Beispiel beim Roten Kreuz. Es gibt DRK-Altkleidercontainer, in die man sie legen kann. Aber Achtung: In der Stadt stehen auch Container von unseriösen Unternehmen. Wer sicherstellen möchte, dass seine alten Textilien gemeinnützigen Zwecken zugute kommen, der kann z.B. auf die Siegel von „FairWertung“, des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI, dieses Siegel verwendet auch das Rote Kreuz) oder Bundesverband für Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) achten. Auch Kirchengemeinden und die Berliner Stadtmission nehmen gern gut erhaltene Stücke ab. In einigen Bezirken gibt es regelmäßig Trödelmärkte.

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