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Ultra-Running: Wenn Marathon zu kurz ist

Ultra-Running: Wenn Marathon zu kurz ist

Dass Laufen ein Dauer-Trendsport ist, weiß jeder. Corona hat sogar noch für einen Anstieg gesorgt – viele Menschen haben erkannt, wie gesund der Sport für Körper und Psyche ist. Aber einigen genügen selbst ganz lange Strecken wie der Marathon längst nicht mehr aus, da dürfen es auch schon mal 100 Kilometer und mehr sein. Ultra-Running ist immer mehr im Kommen. My little luxury stellt ein paar berühmte XXL-Lauf-Wettkämpfe vor.

Ultra-Running ist zum Trend geworden

Lange waren die 42,195 Kilometer, der Marathon, die Königsdistanz für Läufer. Ein großes Ziel für viele, die sich alljährlich zum Beispiel beim Berlin-Marathon auf den Weg machen. Und ein Spaziergang für diejenigen, die sich dem Ultra-Running verschrieben haben. Denn das Wort beschreibt alle Läufe, die über die Marathondistanz hinausgehen – und das können schon mal 160 Kilometer sein!

Western States 100 (USA)

Am kommenden Wochenende fällt der Startschuss für den „Western States Indurance Run“ in der Sierra Nevada (Kalifornien/(USA). 100 Meilen (161 Kilometer) lang ist die Strecke, die den Ski-Ort Squaw Valley mit der Placer High School in Auburn verbindet. 320 Läufer machen sich am Wochenende auf den Weg.

Seit 1974 gibt es den Lauf, den der erste Sieger Gordy Ainsleigh in 23 Stunden und 42 Minuten bewältigte. Der aktuellste Sieger Jim Walmsley brauchte 2019 (2020 fiel das Rennen aufgrund von Corona aus) gerade mal 14:09 Stunden. Die beste Frau kam nach 17:23 Stunden ins Ziel. 5500 Höhenmeter bergauf und 7000 Meter bergab sind zu bewältigen, teilweise bei brüllender Hitze, teilweise im Schnee. Einige Läufer gewannen das Rennen gleich mehrmals, darunter Scott Jurek (siebenmal) und Ann Trason (14 mal).

Ein großartiger Film (auf Englisch) begleitete 2010 die Läufer Hal Koerner, Geoff Roes und Anton Krupicka bei ihren Vorbereitungen und dem Rennen selbst.

Lavaredo Ultra Trail (LUT/Italien)

Auch dieser Lauf findet am kommenden Wochenende statt, schon zum 14. Mal. Mit vollem Namen heißt der Wettkampf in Cortina d’Ampezzo „La Sportiva Lavaredo Ultra Trail“, und er ist 120 Kilometer lang. Maximal 30 Stunden dürfen die Teilnehmer brauchen, um die Strecke und den Höhenunterschied von 5800 Metern zu bewältigen.

Der Lauf beginnt am 25. Juni um 23 Uhr in Corso Italia, was eine zusätzliche Herausforderung ist, denn die Teilnehmer laufen nachts, also mit Stirnlampe, durch die Dolomitenlandschaft. Sie müssen passende Kleidung mitnehmen, denn die Temperaturen schwanken je nach Wetter und Tageszeit zwischen minus fünf und plus 30 Grad.

Neben dem „großen“ Lauf, dem LUT, gibt es an dem Wochenende auch noch den „UltraDolomites“ (Start: 26. Juni, 8 Uhr; 80 Kilometer lang, 4100 Meter Höhenunterschied), den Cortina Trail (Start: 25. Juni, 9 Uhr, 48 Kilometer, 2600 Meter Höhenunterschied) und die „Cortina Skyrace“ (Start: 24. Juni, 17 Uhr, 20 Kilometer, 1000 Meter Höhenunterschied).

Ultra Trail du Mont Blanc (UTMB/Frankreich)

Dieser Lauf (2021: 22. bis 29. August) gehört zu den größten und wichtigsten Ultra-Running-Wettkampfstrecken. Er führt rund um die Berggruppe des Mont Blanc, Start des UTMB ist in Chamonix (das große Foto oben zeigt die Bergwelt rund um den französischen Ort). Mit 172 Kilometern Länge, 10.000 Höhenmetern und einer maximalen Laufzeit von 46,5 Stunden ist er zudem extrem herausfordernd.

Wer hier mitlaufen möchte, muss bei anderen Läufen vorab Punkte sammeln. Trotzdem ist die Bewerberzahl so hoch, dass es zusätzlich ein Losverfahren gibt. Die zugelassenen Teilnehmer sind verpflichtet, eine „Pflichtausrüstung“ (Essen, Trinken, Kleidung usw.) mitzunehmen. Sieger 2019 (2020 fiel wegen Corona aus) waren Pau Capell aus Spanien (20.19 Stunden) und Courtney Dauwalter (USA/24.34 Stunden), die erfolgreichsten Läufer bei den Männern waren François d’Haene (Frankreich) und Kilian Jornet (Spanien) mit jeweils drei Siegen und Elizabeth Hawker (Großbritannien, fünf Siege) bei den Frauen.

Parallel finden noch weitere Läufe statt, darunter der „Courmayeur – Champex – Chamonix“ (CCC, 101 Kilometer). Hier gewannen 2019 Luis Alberto Hernando Alzaga (Spanien, 10.28 Stunden) und Ragna Debats (Niederlande, 12:10 Stunden).

Marathon des Sables (MDS/Marokko)

Die Strecke ist etwa 230 Kilometer lang und wird in mehreren Tagen absolviert. Es sind sechs Etappen in sieben Tagen, sie sind zwischen 20 und 80 Kilometer lang, die Gesamt-Distanz wechselt jedes Jahr. Jeder Teilnehmer muss Kleidung und Verpflegung für die ganze Strecke mitnehmen, nur Wasser bekommt er gestellt. Übernachtet wird in offenen Zelten im eigenen Schlafsack.

Die Etappen sind sehr herausfordernd, vor allem wegen der Temperaturen: In der Felsebene kann es am Tag bis zu 40 Grad heiß werden und nachts fallen die Temperaturen auf fünf Grad ab. 2019 hat Rachid el Marabity die Strecke in 18:31 Stunden gewonnen, bei den Frauen war es Ragna Dabats, die 22:33 Stunden brauchte. In diesem Jahr findet der Lauf zum 35. Mal statt (1. bis 11. Oktober).

Comrades Marathon (Südafrika)

Mit über 20.000 Teilnehmern gilt der 90 Kilometer lange Straßenlauf als größter Ultra-Marathon der Welt. Er ist zudem der älteste: 1921 fand er zum ersten Mal statt. Gelaufen wird von Durban nach Pietermaritzburg (oder umgekehrt – es wird jährlich gewechselt). Die Teilnehmer haben zwölf Stunden Zeit für die Strecke. Obwohl auf der Straße gelaufen wird, müssen die Läufer ordentliche Anstiege bewältigen.

Sieger 2019 war der Südafrikaner Edward Mothibi (5:31 Stunden), bei den Frauen siegte seine Landsfrau Gerda Steyn (5:58 Stunden). In diesem Jahr musste der Lauf, der am 13. Juni stattfinden sollte, wegen Corona abgesagt werden, was von den Veranstaltern besonders bedauert wurde, weil es der Jubiläumslauf zum 100. Geburtstag gewesen wäre.

West Highland Way Race (Schottland)

Diese traumhafte Ultra-Running-Strecke führt von Milngavie nach Fort William, immer auf dem Fernwanderweg West Highland Way. Es geht von den Lowlands in die schottischen Highlands, vorbei an berühmten Orten wie dem See Loch Lomond, dem Glen Coe und dem Gipfel des Ben Nevis. 95 Meilen (153 Kilometer) lang ist die Strecke mit 4300 Metern Höhenunterschied. In diesem Jahr fand der Lauf virtuell statt, ab November kann man sich für 2022 anmelden.

Spartathlon (Griechenland)

Jeder kennt die Geschichte des griechischen Boten Pheidippides, den die Athener im Jahre 490 v. Chr. nach Sparta schickten – er sollte Unterstützung für die Schlacht bei Marathon erbitten. 246 Kilometer legte der Bote zurück. An einem Stück. Am Ziel angekommen, überbrachte er seine Nachricht – und fiel tot um. Dieser Lauf war das Vorbild für den heutigen Marathon. Der ist bekanntlich 42,195 Kilometer lang, während beim Spartathlon die gesamte Strecke absolviert wird.

Den Lauf gibt es seit 1983. Los geht’s am Fuß der Akropolis in Athen und dann beginnt eine Tour durch viele historische Städte in Griechenland. Viele Pausen sind nicht drin, denn man hat maximal 36 Stunden Zeit dafür. Sieger 2019 war Tamas Bodis (Ungarn, 23:28 Stunden), bei den Frauen siegte Zsuzsanna Maraz (ebenfalls Ungarn, 27:16 Stunden).

Berühmteste Teilnehmer sind Scott Jurek, der 2006 bis 2008 siegte, die Deutsche Helga Backhaus (siegte viermal) und der Grieche Yiannis Kouros, dessen Streckenrekord von 1984 (20:25 Stunden) bis heute nicht gebrochen wurde. In diesem Jahr findet der Lauf am 24./25. September statt.

Zugspitz Ultratrail (ZUT/Deutschland)

Deutschlands größtes Ultra-Running-Event musste in diesem Jahr wegen Corona abgesagt werden, es gab nur eine virtuelle Ausgabe (nächster Termin: 17. bis 19. Juni 2022). Die Veranstaltung, die mit vollem Namen „Salomon Zugspitz-Ultratrail Powered by Ledlenser“ heißt, führt rund um die Zugspitze und findet seit 2011 immer im Juni statt.

Die Strecke ist 100 Kilometer lang, die Läufer müssen dabei 5400 Höhenmeter überwinden – und das Ganze in 26 Stunden schaffen. Neben der Hauptstrecke gibt es noch vier weitere Routen über 25,1 bis 79,3 Kilometer, die gelaufen werden können. 2019 wurde die Ultratrail-Strecke aus Wettergründen gekürzt, 2018 siegten dort Castaner Bernat Tofol (Spanien, 10.59 Stunden) und Caroline Chaverot (Frankreich (12:59 Stunden).

Leadville Trail 100 (USA)

100 Meilen (160 Kilometer lang) ist diese Ultra-Running-Strecke, die zu den härtesten überhaupt gehört. Gelaufen wird in den Rocky Mountains. Seit 1983 gibt es den Lauf, bei dem die Teilnehmer 4800 Höhenmeter überwinden müssen. Sie haben 30 Stunden Zeit für die extrem anspruchsvolle Strecke, die in Leadville (Colorado) beginnt und endet. Meist kommt weniger als die Hälfte der Läufer ins Ziel. Trotzdem ist der Andrang so groß, dass Startplätze verlost werden. In diesem Jahr findet der Lauf am 21. und 22. August statt.

Transvulcania (La Palma/Kanaren)

73 Kilometer lang ist die Strecke dieses Ultra-Running-Wettbewerbs, bei dem insgesamt 8185 Höhenmeter bewältigt werden müssen. Entlang des Wanderweges GR 131 geht es, vom Leuchtturm Fuencaliente im Süden der Insel La Palma bis zum Hafen von Tazacorte und dann nach Los Llanos de Aridane.

Die Läufer erklimmen den Gipfel des Roque de Los Muchachos (2426 Meter hoch) und erreichen bei Tazacorte den Meeres-Level. Ein Auf und Ab der Superlative. 2019 siegten Thibaut Garrivier (Frankreich, 7:11 Stunden) und Ragna Debats (Spanien, 8:09 Stunden). In diesem Jahr findet der Laufam 31. Oktober statt.

Ultra Running: Filme über Läufe und Athleten

Es gibt noch unzählige weitere Ultra-Running-Wettkämpfe. Von vielen wurden eindrucksvolle Filme gedreht (zu finden bei YouTube und z.B. beim Trail-Magazin), die einen Eindruck von der Anstrengung geben, der sich die Teilnehmer aussetzen. Und ein bisschen auch erklären, warum Menschen das tun. 

Etwas bewirken die Filme auf alle Fälle: Sie motiveren, selbst wieder die Laufschuhe anzuziehen. Es muss ja nicht gleich Ultra-Running sein – eine Runde im Park genügt. Fürs Erste. Und wer weiß, was die Zukunft bringt?

Buchtipp: „Der Aufstieg der Ultraläufer” von Adhanarand Finn (EGOTH-Verlag, 24,90 Euro) – großartig geschrieben mit Einblicken des Autors, der selbst viele große „Ultras” mitgelaufen ist.

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