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Anja Gockels neue Kollektion ist „Weltgewand(t)“ und sehr politisch

Anja Gockels neue Kollektion ist „Weltgewand(t)“ und sehr politisch

„Weltgewand(t)“ heißt die neue Kollektion von Anja Gockel für Herbst/Winter 2022/23. Und die Show im Foyer des Berliner Hotels Adlon war – typisch für die Designerin – wieder sehr politisch. Und, genauso typisch, hochaktuell.

Weltgewand(t): Utopie einer Welt voll Frieden und Freiheit

Denn das Motto von „Weltgewand(t)“ steht für eine Utopie, nämlich eine Welt, in der Frieden und Freiheit herrschen, in der es Verständnis für die Vielfalt der Menschen und ihre Kulturen gibt. Das mag angesichts des furchtbaren Krieges in der Ukraine auf den ersten Blick naiv klingen. Aber in dieser Utopie steckt eine enorme Kraft. Unter diesem „Weltgewand(t)“ finden alle Menschen Platz, die friedlich nebeneinander leben wollen.

Ukrainische Tänzerin als Stargast

Natürlich geht es bei der Show auch um die Ukraine. Anja Gockel hat nämlich kurz vor Beginn der Proben von einer gerade aus Kiew geflüchteten Tänzerin gehört. Und engagierte Nataliia Ovcharova spontan für die Show. Sie trug das finale Stück der Kollektion: ein bodenlanges gelbes Kleid mit einem langen Schleier in den ukrainischen Farben blau und gelb. Am Ende verharrten alle Models, die sich vorher um den Brunnen verteilt hatten, einige Sekunden, dann drehten sie sich zu der ukrainischen Tänzerin und standen an ihrer Seite. Auch Anja Gockel kam dazu, gemeinsam standen sie für einige Minuten da. Sogar die Musik stoppte. Ein starkes Bild. 

Und das Publikum? Hielt erst einmal inne. Und dann gab es tosenden Applaus, während die Musik wieder einsetzte.

Zeichen setzen und Haltung zeigen

Model bei der „Weltgewand(t)“-Show im Foyer des Hotels Adlon

Model bei der „Weltgewand(t)“-Show im Foyer des Hotels  F.: Chris Gonz/Anja Gockel PR

Der berühmte Brunnen im Foyer, der immer eine Hauptrolle bei den Schauen von Anja Gockel spielt, wurde mit blauen und gelben Blumen ausgelegt.

„Kunst“, sagt Anja Gockel, „ist ein Manifest des Lebens. Wir müssen sie nutzen, um unseren Gefühlen Ausdruck zu verleihen und Haltung zu zeigen. Das ist unser Privileg der Freiheit.“ Angesichts des Krieges „müssen wir umso klarer zusammenstehen, wir müssen ein Zeichen setzen.“ Und das geht, wie die Präsentation eindrucksvoll zeigte, auch mit Mode. 

Und Anja Gockel, die mit ihrem Label 2021 das 25jährige Bestehen feierte, geht noch weiter. Noch bis zum 17. März ist im Wintergarten des Hotels Adlon ein Pop-up-Store mit unterschiedlichen Stücken aus ihren Kollektionen eingerichtet. Der Gewinn aus den Verkäufen geht an die Flüchtlinge, die gerade in Berlin ankommen. 

Tänzerinnen und Models führen die Kollektion vor

Wie schon bei den letzten Shows präsentierten internationale Tänzerinnen und Models die Kollektion. Annick Schadeck, Isa Stanculescu, Sally Cowdin, Manon Dubourdeaux, Vicenca Petrovic, Leksi Olsen, Keerthy & Narthy, Sarah Batt, Sarah Pauley, Nataliia Ovcharova und Lia Kemendi führten die Stücke vor. Und Lia Kemendi übernahm zusätzlich auch wieder die Gestaltung der Choreographie.

Gegensätze bei Formen und Farben

Die Hauptrolle bei „Weltgewand(t)“ spielten natürlich die Entwürfe. Wie immer setzt Anja Gockel auf Farbe. Aber diesmal sind auch gedeckte Farbtöne von Weinrot über Anthrazit bis Waldgrün dabei. Ebenso ein zartes Beige bei einem langen Mantel, der zur übergroßen Karohose kombiniert wird. Oder das Outfit in Schwarz und Anthrazit – bestehend aus einem bodenlangen Rock und einem figurschmeichelnden Strickpullover, getragen mit klobigen Schuhen. Dazu schmale Lederhosen, lange Röcke und glänzende, buntgemusterte Brokatjacken. Mal üppig und weit, mal figurbetont sind die Stücke, es gab lange, schleppenartige Ärmel, viel Karomuster bei Jacken und Capes, Lederröcke und -hosen in Schwarz und Gelb und Streifenmuster in Rosa-Schwarz-Gelb-Lila. 

XXL trifft bleistiftschmal

Üppig weite Ärmel bei „Weltgewand(t)“

Weite Ärmel bei „Weltgewand(t)“ F. Chris Gonz / Anja Gockel PR

Zu den Blickfängen gehören eine transparente bodenlange Jacke in Weinrot, Materialmix und Details wie BH-ähnliche Accessoires an Oberteilen.

Super fand ich ein bleistiftschmales gelbes Kleid in Wickeloptik, und auch der Schichtenlook aus weiter Hose, weitem Kleid und Mantel gehörte zu meinen Lieblings-Kombinationen der „Weltgewand(t)”-Kollektion. Viele Midiröcke gibt es ebenfalls zu sehen, aber auch hohe Schlitze, superweite Ärmel, Ballonkleider, A-förmige Kleider und XXL-Cargohosen.

Unterstützt wurde Anja Gockel bei der Show im Foyer des Hotels Adlon von Partnern wie Bucherer Fine Jewellery, Picard (Taschen), Edelziege (Cashmere) und Harald Glööckler (Pompöös Eyewear). Sie steuerten Accessoires zur Kollektion bei. Die Showmusik im Afro-Techno-Stil schließlich stammte von Natalie Wamba.

Weltgewand(t)“ ist eine großartige Kollektion, die vollkommen zu Recht von den Fans gefeiert wurde. Und die Show war eindrucksvoll – ich liebe es, dass die Stücke bei Anja Gockel vorgetanzt werden. Diesmal war die Präsentation verbunden mit einem Hauch Gänsehaut-Stimmung.

Eine Fashion Week in Zeiten des Krieges

Vor dem Beginn der Fashion Week gab es Diskussionen: Darf man angesichts diesees Krieges überhaupt eine Modewoche stattfinden lassen? Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey meint: Ja, man kann. „Erst recht in diesen Zeiten. Weil wir hier alle miteinander ein Zeichen der Solidarität, des Mitgefühls, der Zusammenarbeit, der Hilfe und der Freiheit setzen. Wir stehen für unsere demokratischen Werte und die Freiheit, vor allem in dieser Situation.“

Zum Auftakt der Modewoche wurde mit einer Schweigeminute an die Opfer des Krieges erinnert. Und überall konnte man an Mänteln und Oberteilen der Besucher blau-gelbe Schleifen sehen. Kleine Zeichen der Solidarität.

Freiwillige schneidern Kollektion eines ukrainischen Designers nach

Dazu passt vielleicht auch, dass unter anderen der ukrainische Designer Jean Gritsfeldt seine Kollektion bei der Fashion Week vorstellen wollte. Das klappt jetzt nicht, und auch seine Kollektion kann nicht nach Berlin gebracht werden. Das brachte einige Menschen auf eine Idee: Sie begannen, die Designs von Gritsfeld nachzuscheidern, damit sie doch noch zu sehen sind. Beinahe 30 Freiwillige machten mit und Gritsfeld, der sich am Mittwoch per Videobotschaft an die Gäste der Fashion Week wenden will, gab per Telefon aus Kiew Instruktionen.

Sie fühlt sich anders an, diese Modewoche. Ein bisschen umstritten, aber politischer denn je.  

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