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Traumtouren für Wanderer im Harz

Der Harz ist eine meiner Lieblings-Landschaften. Das liegt nicht nur daran, dass ich am Rand des nördlichsten Mittelgebirges in Deutschland aufgewachsen bin, sondern vor allem an der wilden Natur, den vielen Seen und an den traumhaften Wanderwegen. Grund genug, mal einige davon vorzustellen.

1. Der berühmteste: Harzer Hexenstieg

Knapp 100 Kilometer lang ist der Hexenstieg, der die Städte Osterode am südwestlichen und Thale am nordöstlichen Harzrand miteinander verbindet – inzwischen ist er der bekannteste Wanderweg im Harz. Es gibt mehrere Variationsmöglichkeiten. Am beliebtesten ist die Tour über den Brocken, den höchsten Gipfel des Harzes. Die Hexe, Symbol der Route, weist den Weg, und dank perfekter Ausschilderung kann man sich nicht verlaufen. 

2. Durchs wilde Bodetal

Dieser nur etwa zehn Kilometer lange Weg von Thale nach Treseburg (oder umgekehrt) ist absolut spektakulär! Er ist Teil des Hexenstieges, aber man kann ihn natürlich auch als eigenständige Strecke begehen. Auf einem schmalen und teilweise sehr steilen Weg geht es an der Bode entlang durch die wildromantische Landschaft mit steilen Felsen, brodelndem Wasser und grandiosen Ausblicken. Eine solche Canyon-Landschaft mit Felshängen erwartet man in Deutschland eigentlich nicht. Etwa drei Stunden muss man einplanen, oft auch mehr, denn der Weg kann durch Geröll schwer passierbar sein.

Gewitterklippe und Teufelskanzel

Zu sehen gibt es viel: Felsen, die „Gewitterklippe“, „Teufelskanzel“ oder „Steinerne Kirche“ heißen, eine Teufelsbrücke und eine Begegnung mit Goethe am nach ihm benannten Felsen. Traumhaft ist der Blick von der Prinzensicht über die Schlucht. Wer später nicht auf dem gleichen Weg zurückwandern will, kann den Bus nehmen, der regelmäßig verkehrt (z.B. Linie 263).

3. Auf dem Goetheweg zum Brocken

Auch der Goetheweg ist Teil des Hexenstiegs und gleichzeitig eine herrliche Einzeltour. Vom Torfhaus aus führt er auf den Brocken und zurück und ist anstrengend und ziemlich anspruchsvoll. Das liegt natürlich auch an der Länge von 18 Kilometern. Der Weg trägt seinen Namen übrigens nicht zufällig: Johann Wolfgang von Goethe wanderte am 10. Dezember 1777 von Torfhaus aus auf den Brocken. Zwar ist nicht sicher, ob der heutige Weg die damalige Route des Dichters war, aber wen würde das stören?

Es lohnt sich auf alle Fälle, diesen Weg zu gehen. Vom Nationalpark-Haus Torfhaus aus geht es auf dem mit einem „G“ gekennzeichneten Weg durch eine moorige Landschaft, vorbei an Bäumen, die dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind, und unter denen neues Grün sprießt.

Wandern auf dem einstigen Grenzstreifen

Neben dem Weg verläuft zeitweise ein Wassergraben, der Teil des Unesco-Welterbes „Oberharzer Wasserwirtschaft“ ist. Nach einer Weile wird es steil. Auf dem ehemaligen deutsch-deutschen Grenzstreifen geht es   nach oben, später neben den Gleisen der Brockenbahn entlang bis zum geteerten Weg auf den Brocken. Beim Rückweg sollte man kurz vor Torfhaus einen Holzbohlenweg nach rechts nehmen. Er führt durchs Große Torfhausmoor, eines der größten und ältesten Moore im Harz. Wichtig: Wer den Goetheweg geht, sollte feste Wanderstiefel tragen und eine Jacke mitnehmen, denn auf dem Brocken kann es auch im Sommer kühl werden.

Strecken-Info für den Goetheweg

4. Durchs wildromantische Ilsetal

Das Ilsetal im Harz
Das Ilsetal im Harz

Übrigens war Goethe nicht der einzige Dichter, der im Harz gewandert ist. Auch Heinrich Heine hatte eine Vorliebe für die wildromantische Landschaft. 1824 besuchte er den Harz und schrieb später seine Erinnerungen in der „Harzreise“ auf. Heute ist er Namenspate für einen sehr schönen Wanderweg durchs Ilsetal. Anfangs führt er für mehrere Kilometer direkt am Flüsschen Ilse entlang. Aber man sollte ihn nicht unterschätzen, denn er hat es in sich!

Tafeln mit Heine-Zitaten

Auch dieser Rundwanderweg ist ziemlich anspruchsvoll, auch wenn es erst gar nicht so aussieht: 800 Höhenmeter und 22 Kilometer Strecke sind zu bewältigen (falls man nicht für den Rückweg die Brockenbahn nehmen will), aber die Ausblicke entschädigen für jede Anstrengung.

Vom Wanderparkplatz in Ilsenburg aus geht es durch Buchenwälder und vorbei an bizarren Felsgestalten am Flüsschen Ilse entlang. Der Pfad, an dem einige Tafeln mit Heine-Zitaten stehen, führt an den Ilsefällen vorbei.

Steiler Aufstieg mit herrlichen Ausblicken

Nach einer Weile lichtet sich der Wald und man kann den Brocken sehen. Den Gipfel muss man sich erarbeiten: Der Aufstieg ist steil, anstrengend und wunderschön. Anfangs geht es auf einem sehr schmalen Weg nach oben, später auf dem Kolonnenweg bis auf den Brockengipfel. Zurück kommt man auf dem gleichen Weg. Wem das zu anstrengend ist, der nimmt die Brockenbahn nach Wernigerode und fährt von dort mit dem Bus 270 oder dem Regionalexpress nach Ilsenburg zurück. Info: Mit der Kurkarte, die jeder Urlauber bekommt, fährt man kostenlos mit dem Bus!

Streckenbeschreibung für den Heinrich-Heine-Weg

5. Unterwegs auf dem Acker

Auch abseits des Brockens gibt es wunderschöne Wanderwege im Harz. Einer davon ist der Wanderweg, der auf einem Höhenzug mit dem Namen „Auf dem Acker“ entlangführt (der Name stammt vom mittelhochdeutschen Wort „agger“ = „Kamm“). Die Strecke führt durch eine wilde Landschaft mit zerklüfteten Felsen vorbei. Einkehren kann man im Gasthaus Hanskühnenburg. Startpunkt ist der Parkplatz Stieglitzecke (an der Bundesstraße 242 südlich von Altenau) auf der Reitstieg-Loipe.

Schmaler, steiniger Weg und bizarre Felsen

Harz – auf dem Acker
Wanderweg auf dem Acker im Harz 

Nach einer Weile zweigt die „Ackerstraße“ links ab, die man nehmen kann. Oder man geht weiter geradeaus. Hier weist bald ein Schild darauf hin, dass nun festes Schuhwerk nötig ist. Und tatsächlich wird der Weg schmal, steinig und ist mit Wasserläufen durchsetzt. Meist ist es eben, es gibt aber auch einen sehr anstrengenden Aufstieg. Ein Höhepunkt ist eine wunderschöne Moorlandschaft mit Blaubeerbüschen, noch nicht ausgewachsenen Fichten, abgestorbenen Bäumen, bizarren Felsen und weiter Sicht.Wan

Spektakulär ist auch die Hanskühnenburgklippe. In der nahen Gaststätte kann man einkehren (Donnerstag Ruhetag, Info: www.hanskuehnenburg-im-harz.de) und danach entweder auf dem gleichen Weg zurückkehren oder dem breiten Weg ins Tal folgen und dann links abbiegen, zurück über die Ackerstraße zur Stieglitzecke.

Infos zur Strecke

Weitere Wanderwege im Harz

Es gibt noch viel mehr Wege im Harz, einige davon sind als Fernwanderwege ausgewiesen. Etwa der 113 Kilometer lange Kaiserweg, der von Goslar bis nach Tilleda am Kyffhäusergebirge führt. Oder der Harzer Baudensteig, der nach den Gaststätten (Bauden) im Harz benannt ist. Er führt von Bad Grund zum Kloster Walkenried (100 Kilometer Länge, Info: www.harzerbaudensteig.de). Der Harzer Grenzweg schließlich (91 Kilometer) führt entlang der einstigen Grenze auf dem Grünen Band vom Grenzturm Rhoden am Fallstein über den Brocken bis zum Grenzmuseum Tettenborn bei Bad Sachsa.

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